Psychische ErkrankungZwangsstörung: Ab wann werden Ticks zur Krankheit?

Sind wir doch ehrlich: Irgendeinen Tick haben wir doch alle. Aber ab wann handelt es sich nicht mehr nur um Marotten, sondern um eine Zwangsstörung?

Inhalt
  1. Tick oder Zwangsstörung?
  2. Symptome einer Zwangsstörung
  3. Die häufigsten Arten von Zwangsstörungen
  4. Therapie bei Zwangsstörungen

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - zumindest, wenn es um den Herd geht. Mehrmals wird nachgeschaut, ob der Herd auch wirklich aus ist, bevor das Haus verlassen wird. Dieses Beispiel ist der Klassiker unter den Ticks - oder ist das mehrmalige Kontrollieren doch bereits eine Zwangsstörung?

 

Tick oder Zwangsstörung?

Ein Tick kann einen schon manchmal nerven. Aber keine Sorge: Wenn du ab und an kurz nachschaust, ob der Herd auch wirklich aus ist oder dich mal vergewisserst, ob die Tür auch tatsächlich abgeschlossen ist, handelt es sich noch nicht um eine Zwangsstörung.

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Symptome einer Zwangsstörung

Eine Zwangsstörung liegt dann vor, wenn diese eine Sache deine Gedanken bestimmt. Gehst du bis zur S-Bahn-Station und drehst nochmal um, damit du überprüfen kannst, ob dein Herd echt aus ist? Und passiert dir das mehrmals die Woche? Dann kann bereits eine Zwangsstörung vorliegen. Menschen, die von der psychischen Erkrankung betroffen sind, können das "Problem" nicht loslassen, die Gedanken kreisen permanent um diese eine Sache.

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Die häufigsten Arten von Zwangsstörungen

Zwangsstörungen äußern sich auf unterschiedlichsten Ebenen. Die folgenden Arten kommen am häufigsten vor:

  • Kontrollzwang: Bei dieser Zwangsstörung haben Betroffene Angst, dass eine Katastrophe eintreten könnte, wenn sie etwas nicht bis ins kleinste Detail kontrollieren. Daraus resultiert das bereits erwähnte mehrmalige Kontrollieren des Herds. Der Kontrollzwang kann so groß werden, dass die Zwangskranken erhebliche Probleme haben, ihr Zuhause zu verlassen. 
  • Wasch- und Reinigungszwang: Menschen, die unter dieser Zwangsstörung leiden, verspüren einen extremen Ekel vor Schmutz, Bakterien und Viren. Bei schwerwiegenden Ausprägungen können Betroffene keine Gegenstände, die sich im öffentlichen Raum befinden, berühren. Sie müssen sich ständig waschen und haben meist auch den Zwang, ihre Wohnung akribisch rein zu halten. Da überall die Gefahr der Verunreinigung besteht, führt diese Art der Zwangsstörung oft zur sozialen Isolation, da sich die Betroffenen meist zurückziehen.
  • Ordnungszwang: Personen mit einem Ordnungszwang müssen ihr Hab und Gut immer auf eine bestimmte Weise anordnen. Sind ihre Ordnungskriterien nicht erfüllt, kommen sie nicht zur Ruhe. So kann es sein, dass sie ihre Wäsche im Kleiderschrank stets faltenfrei zusammenlegen müssen oder das Bett am Morgen so ordentlich aussieht, als ob noch nie ein Mensch darin geschlafen hätte.
  • Sammelzwang: Betroffene, die unter dieser Art der Zwangsstörung leiden, haben erhebliche Probleme damit, sich von materiellen Dingen zu trennen. Sie werden von dem Gedanken beherrscht, dass sie etwas Wichtiges wegschmeißen können. Daher häufen sie in ihrer Wohnung extrem viel an. Bei schweren Formen des Sammelzwangs horten die Betroffenen sogar Müll an, da sie Angst haben, etwas wegzuwerfen.
  • Wiederholungs- und Zählzwang: Bei einem Wiederholungszwang müssen die Betroffenen bestimmte Abläufe eine gewisse Anzahl wiederholen, da sie sonst unruhig werden. Menschen mit einem Zählzwang leiden darunter, bestimmte Dinge immer wieder zu zählen.

Es sei allerdings erwähnt, dass es noch zahlreiche andere Ausprägungen von Zwangsstörungen gibt, die die Gedanken und somit auch das Verhalten dominieren können.

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Therapie bei Zwangsstörungen

Wer bei sich selbst feststellt, dass seine Gedanken immer wieder um eine bestimmte Sache kreisen und dass er seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann, sollte einen Therapeuten zu Rate ziehen, denn sind die Zwänge erst einmal stark verankert, ist es schwierig sich allein davon zu befreien. Hilfe bei der Suche nach einem Therapeuten finden Betroffene im deutschlandweiten Therapeutenfinder. Da es sich bei Zwangsstörungen um bestimmte Verhaltensweisen handelt, werden vor allem mit einer Verhaltenstherapie gute Erfolge erzielt.

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