VerachtungPartnerschaft: Verachtung lässt Beziehungen scheitern

Psychologen warnen: Schleicht sich Verachtung in die Beziehung ein, folgt in 93 Prozent aller Fälle eine Trennung. Ein Risiko, das man vermeiden kann.

Inhalt
  1. Es geht nicht um den Streit - sondern um das, was folgt
  2. Verachtung zeigt Mangel an Empathie
  3. Was also tun, wenn man sich bei verachtenden Gedanken erwischt?

Es gibt so Tage, das kommt man vor dem Partner nach Hause. Man macht es sich gemütlich und freut sich schon darauf, dass der Liebste zur Tür spaziert und man mit ihm über den Tag sprechen kann. Doch oft genug kommt es anders als gedacht.

Da war er zwar so lieb und ging nach der Arbeit noch beim Supermarkt vorbei. Allerdings hat er die Zwiebeln vergessen und statt der Zucchini eine Salatgurke mitgebracht. Hups. Und schon fliegen nach einem stressigen Tag die Fetzen.

Dass man sich hin und wieder streitet - stressbedingt auch wegen Kleinigkeiten - ist "völlig normal", wie John Gottman sagt, Psychologe an der University of Washington. Was wichtig ist, betont der Experte, ist das, was man daraufhin von dem Partner und der Situation denkt.

Dieses Verhalten deines Partners deutet auf eine Beziehungsende hin
Der "Todesstoß" für die Liebe ist Verachtung
Foto: iStock
 

Es geht nicht um den Streit - sondern um das, was folgt

Wenn jeder nach der Auseinandersetzung auf seiner Meinung beharrt und sich denkt "Wie kann man nur so doof sein und Zucchini mit Gurken verwechseln?!", gefährdet auf Dauer die Beziehung. Verachtende Gedanken sind das Produkt einer Mischung aus Wut und Abscheu. Verachtung setzt voraus, dass man den Partner nicht als gleichberechtigte Person ansieht, sondern ihn unter sich stellt.

Diese verachtende Denk- und Verhaltensweise führt, so fand Gottman in einer Studie heraus, auf lange Sicht zur Trennung. Mit einer 93-prozentigen Wahrscheinlichkeit konnte Gottman unter Beobachtung von 79 Paaren anhand dieses Merkmals diejenigen Beziehungen vorhersagen, die sich in Zukunft trennen werden. "Verachtung ist der Todesstoß für jede Beziehung", fasst Gottman zusammen.

Neben Verachtung sind auch Abwehrhaltung, Mauern und Kritik ausschlaggebende Warnzeichen für eine drohende Trennung. Eine weitere Studie mit 373 frisch verheirateten Paaren bestätigte: Jene Paare, die im ersten Ehejahr Konflikten auswichen, sich anschrien oder auf ähnliche Weise Verachtung signalisierten, ließen sich in den folgenden 16 Jahren eher scheiden.

 

Verachtung zeigt Mangel an Empathie

Verachtung bedeutet nicht nur, dass man den Partner nicht als ebenbürtig ansieht. Viel entscheidender dabei ist, dass sich Paare, die Verachtung zeigen, nicht in die Lage des Partners versetzen können. Allerdings sollte man eine Situation auch aus der Perspektive des Partners betrachten können. Das ist die Voraussetzung, um Verständnis für den anderen zu entwickeln.

 

Was also tun, wenn man sich bei verachtenden Gedanken erwischt?

Ist diese Beziehung unwiderruflich zum Scheitern verurteilt? Nicht unbedingt, sagen Experten. Allein schon die bewusste Einsicht darüber hilft, daran zu arbeiten und die Liebe zu retten. Betroffene Paare müssen herausfinden, wie sie dieses Verhalten vermeiden und bestenfalls durch ein positives ersetzen können. Das verbessert die Partnerschaft und erhöht die Chancen, länger zusammen zu bleiben.

Eine effektive Art, mit dem beispielhaften Gurken-Zucchini-Problem zu Recht zu kommen wäre etwa: Nach der Auseinandersetzung dem Partner richtig zuhören. Hat er vielleicht doch recht? Hat man sich vielleicht nicht deutlich genug ausgedrückt, welches grüne Gemüse man benötigt? Wer mit einer - vielleicht sogar gegenseitigen - Entschuldigung den Streit beendet, handelt konstruktiver. Diese Beziehungen haben das Potential für immer zu halten. In guten wie in schlechten Zeiten...

(ww7)

Kategorien: