Evolution

Penisknochen: Warum Männer ihn verloren haben

Im Laufe der Evolution haben Männer ihren Penisknochen verloren. Der Grund dafür ist das Paarungsverhalten der Menschen.

Männer haben ihren Penisknochen verloren
Männer haben ihren Penisknochen verloren - aus evolutionären Gründen Foto: iStock

Was ist ein Penisknochen?

Vor etwa 95 Millionen Jahren hat sich bei Säugetieren der Penisknochen (lat. Os penis) entwickelt. Vor 50 Millionen Jahren hatten ihn also auch Primaten - unsere Vorfahren. Hunde, Katzen, Bären und viele andere Tiere haben bis heute einen Knochen im Penis, genauer gesagt eine Verknöcherung oder Verknorpelung des Schwellkörpers. Wobei die Spitze des Penis oft erst bei ausgewachsenen Tieren verknöchert.

Der Penisknochen kann bis zu 60 Zentimeter (z.B. beim Walross) lang werden. Allerdings können sie auch winzig klein sein, wie etwa bei Schimpansen, bei denen er nur einige Millimeter lang ist. Bei Makaken allerdings ist der Penisknochen rund fünf Zentimeter lang - was im Verhältnis zu ihrem kleinen Körper beachtenswert ist.

Einen Penisknochen haben menschliche Männer nicht mehr
Der Penisknochen von Männern hat sich zurück gebildet. Hat ein Mann eine penisknochenähnliche Struktur, kann es der Hinweis auf eine seltene Erbkrankheit sein. Foto: iStock

Was sind die Vor- und Nachteile vom Penisknochen?

Die gut bestückten Makaken haben Forschungen zufolge (relativ) lange Sex. Damit die Erektion während der durchschnittlich drei Minuten andauernden Penetration nicht erschlafft, haben die Äffchen einen langen Penisknochen.

Neben dieser "Stützfunktion" dient der Penisknochen auch dem Männlichkeitsbeweis unter den Männchen. Schließlich sind Penisse mit Penisknochen auch allzeit bereit, mit der Begattung eines Weibchens loszulegen - und brauchen nicht erst stimuliert zu werden.

Zudem legt eine 2015 (an Fledermäusen) durchgeführte Studie nahe, dass der Penisknochen auch die Harnröhre während der Paarung schützt.

Doch auch ein fehlender Penisknochen bringt Vorteile mit sich - jedenfalls für den Nachwuchs. So dauert bei Schimpansen (die Affenart mit dem winzigen Penisknochen) der Sex nur sieben Sekunden - weil unter Schimpansen akzeptierte Polygamie herrscht, die Weibchen also sich mit möglichst vielen Schimpansen-Männchen aus der Gruppe paaren. Nicht etwa, weil sie leicht zu haben wären, sondern um die daraus entstehenden Schimpansen-Babys vor den Männchen zu schützen: Da jeder der potentielle Vater des Babys sein könnte, tun sie ihm nichts - könnte schließlich ihr eigener Nachwuchs sein.

Warum haben Männer keinen Penisknochen (mehr)?

Das Menschen-Männer keinen Penisknochen haben, stellt eher eine Ausnahme im Tierreich dar. Außer bei Menschen, fehlt er nur noch bei Sulawesi-Koboldmakis, wenigen Klammerschwanzäffchen, Walen, Seekühen, Elefanten sowie Huf-, Kloaken- und Beuteltieren. Alle anderen Säugetiere haben einen Penisknochen.

Die Anthropologen Matilda Brindle und Christopher Opie vom University College in London haben eine Verbindung zwischen dem Paarungsverhalten der Tiere und dem Penisknochen festgestellt. Unter Menschen hat sich die Monogamie durchgesetzt. Und das nicht nur in der modernen Gesellschaft, sondern schon vor rund 1,9 Millionen Jahren (da sieht man mal, wie "zurückgeblieben" Männer sind, die fremdgehen :-) ...). Monogamie heißt auch: weniger Wettbewerb unter den Männchen. Der Nutzen des Penisknochens war somit nicht mehr gegeben: Die Partnerin ist stets an der Seite des Mannes, sodass er sie ständig begatten kann - jedenfalls theoretisch - und der Sex im Sinne der Evolution also gar nicht lange dauern braucht. Frei dem Motto: sich mehrmals kurz zu paaren ist genauso gut, wie eine einzige lange Paarung - die Quantität hat die Qualität wohl besiegt...

(ww7)

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