TierschutzPrada ohne Pelz: Der Luxusmode-Hersteller verzichtet künftig auf Echtfell

Das italienische Mode-Unternehmen Prada verkündet zukünftig auf Pelz verzichten zu wollen und tritt der „Fur Free Alliance“ (FFA) bei.

Inhalt
  1. Prada verzichtet auf Pelz: Ein großer Schritt für den Tierschutz?
  2. Pelz ist kein Luxus, sondern billiger als Fellimitate
  3. Was ein Pelzkragen wirklich bedeutet
  4. Wie erkenne ich echten Pelz
  5. Pelzfrei: Eine Modeerscheinung?

Mit der neuen Damenkollektion 2020 weht ein neuer, tierfreundlicherer Wind durch das italienische Luxuslabel Prada: Kein Pelz lautet die Devise für die Zukunft. Das Unternehmen folgt mit dieser Politik anderen großen Luxusmode-Marken wie Chanel, Gucci, Versace, Armani und Michael Kors.

Die Restbestände der Pelzprodukte von Prada sollen noch verkauft werden und zunächst scheint nur die Damenkollektion von der Fellfrei-Umstellung betroffen. Durch den Beitritt zur „Fur Free Alliance“ zeichnet das Unternehmen jedoch eindeutig eine pelzfreie Zukunft für die Luxusmarke.

Gemeinsam mit mehr Bewusstsein für die Umwelt und für menschenwürdige Produktionsbedingungen scheint auch der Tierschutz immer mehr im Fokus der Modebranche zu stehen. Aber wie groß sind die Fortschritte hier wirklich?

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Prada verzichtet auf Pelz: Ein großer Schritt für den Tierschutz?

Pelz und das damit einhergehende Inkaufnehmen von unnötigem Tierleid ist unmodern – „out“, wenn man so will, und zwar zurecht. Auch Liebhaber von Luxusmode beginnen einzusehen, dass Pelz kein Luxus, sondern Tierquälerei ist. Dass die großen Fashionbrands jetzt nach und nach Stellung beziehen – oder eher dem Druck des sich entfaltenden Bewusstseins nachgeben, ist ein Fortschritt. Denn seien wir ehrlich: Es sind die großen Designer-Marken, die den Ton in der Modewelt angeben. Letztendlich sind aber gar nicht (nur) die Luxusmodehäuser das Problem, was die Pelzproduktion angeht, sondern Menschen wie du und ich, die (manchmal ohne es zu wissen) eine normalpreisige oder sogar sehr günstige Jacke mit einem Pelzkragen oder eine Mütze mit einem Echtfellbommel darauf kaufen.

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Pelz ist kein Luxus, sondern billiger als Fellimitate

Pelz ist nicht nur kein Luxus, sondern tatsächlich billiger als guter Webpelz oder Fellimitate. Wer also glaubt, er sei auf der sicheren Seite, wenn er beispielsweise eine günstige Jacke mit Fellkragen kauft, der täuscht sich. Besonders schlimm: Teilweise täuschen Hersteller und Verkäufer uns auch absichtlich und deklarieren echten Pelz nicht als solchen. Im Zweifelsfall genügt also auch ein Blick auf das Etikett nicht. Echter Pelz (deklariert oder nicht) findet sich an Produkten von populären Marken ebenso wie an No-Name-Produkten.

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Was ein Pelzkragen wirklich bedeutet

Pelz ist die abgezogene Haut von Tieren: Von Nerzen, Füchsen, Marderhunden, Waschbären, Katzen, Chinchillas, Robben, Kaninchen… Die Liste von Tieren mit begehrenswertem Fell ist sehr lang. Ebenso lang ist dementsprechend auch die Liste mit Pelztierfarmen, deren Mindeststandards auch in Europa artwidrig sind – in China gibt es nicht einmal solche minimalen Regeln oder Haltungsbedingungen. Jedes Stück Pelz ist also nicht einfach ein Stück Pelz, sondern ein Zeichen. Ein Zeichen für ein lebendes (und fühlendes!) Wesen, das sein Leben in seinen eigenen Exkrementen in einem winzigen Gitterkäfig verbracht hat, ohne einmal das Tageslicht zu sehen, frische Luft zu atmen oder einen Artgenossen zu berühren. Jedes Stück Pelz ist ein Tier, das vergast oder durch Elektroschocks getötet wurde – im Idealfall, denn die Tötungsmethoden sind nicht sehr wirkungsvoll. Viele Tiere werden bei lebendigem Leibe gehäutet.

Laut der Tierrechtsorganisation Peta werden „weltweit […] jedes Jahr schätzungsweise 110 Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde und viele weitere Tiere auf Pelzfarmen gefangen gehalten und getötet. Auch Hunde und Katzen.“

 

Wie erkenne ich echten Pelz

Echter Pelz ist relativ sicher erkennbar, indem man das Fell an einer Stelle auseinanderzieht: Sind die Haare an einem gewebten Textil befestigt, handelt es sich um Kunstpelz. Erkennt man jedoch Leder bzw. Haut, also eine vollkommen glatte Oberfläche, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um echten Pelz. Ein weiteres Indiz gibt die Struktur des Fells: Echtes Fell besteht aus langen, drahtigeren Haaren und einer kürzeren, flauschigen Unterwolle. Bei Kunstpelz sind die Haare meist annähernd gleich dick und lang. Ein weiterer Echtfelltest ist außerdem, ein Haar des betreffenden Pelzes herauszuziehen und anzuzünden: Schmilzt das Haar zu Klümpchen (wie Plastik) ist es Kunsthaar. Tierhaare verbrennen hingegen mit demselben hornigen Geruch wie Menschenhaar.

Allerdings sind all diese Tests nicht hundertprozentig sicher: Bei stark verarbeitetem Pelz kann letztlich nur noch ein Labor bestimmen, ob es sich um echtes Fell oder Kunstpelz handelt. Deswegen sollte jeder sich im Zweifelsfall bewusst überlegen, ob er nicht ein schöneres Modestatement setzt, indem er einfach auf den überflüssigen Fell-„Schmuck“ verzichtet.

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Pelzfrei: Eine Modeerscheinung?

Auf Pelz zu verzichten ist nicht einfach jetzt gerade „in“. Es ist kein Trend, den Spaß an Mode nicht durch das Leid anderer Lebewesen zu erkaufen, sondern schlicht und ergreifend eine Entscheidung für Menschlichkeit, die schon lange überfällig ist. Natürlich reicht Tierschutz wesentlich weiter und auch in puncto Massentierhaltung, Ledergewinnung, der oft menschenunwürdigen Produktionsweise in der Modeindustrie etc. muss sich etwas tun, aber der Verzicht auf Pelz ist ein Schritt in die richtige Richtung und noch dazu ein sehr leichter: Wozu braucht mein Mantel ein Stück totes Tier an seiner Kapuze?

 

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