MinimalismusSo beginnst du eine Capsule Wardrobe

Man steht vor dem vollen Kleiderschrank und denkt genau eine Sache: Einfach nichts zum Anziehen! Wem das bekannt vorkommt, der hat bestimmt noch nie vom Prinzip der Capsule Wardrobe gehört.

Was, wenn wir dir sagen würden, dass es möglich ist, eine Garderobe voller Lieblingsstücke zu haben? Und zwar ganz unbeeinträchtigt von Fehlkäufen und Schrankhütern. Die Capsule Wardrobe macht das möglich.

 

Capsule Wardrobe: Was ist das eigentlich?

Das Prinzip ist ganz einfach: Die Garderobe sollte aus einer bestimmten Anzahl von essenziellen Kleidungsstücken bestehen, die nicht nur nie aus der Mode kommen, sondern auch gut miteinander kombinierbar sein sollten. Die Anzahl der Kleidungsstücke ist dabei variabel – je nach dem, wie streng man persönlich das Prinzip durchsetzen möchte.

Während Susie Faux, die den Begriff Capsule Wardrobe in den 70er Jahren zum ersten Mal verwendete, empfohl, sich auf etwa 12 Teile zu beschränken, ist auch Donna Karans berühmte „Seven-Easy-Pieces“ Kollektion aus den 80er Jahren auf dem Prinzip aufgebaut und beschränkt das ganze – wie der Name bereits verrät – auf 7 Stücke. Doch auch heutzutage springen Blogger darauf an: Caroline Rector dokumentiert auf ihrer Website Unfancy, wie sie ihre Garderobe auf 37 Teile beschränkte, während Anuschka Rees ein Buch mit dem Titel „Das Kleiderschrank Projekt“ veröffentlichte, in dem sie eine übersichtliche Anleitung zur Capsule Wardrobe gibt. Welche Teile das sind, hängt dabei ganz von den eigenen Bedürfnissen sowie dem eigenen Stil ab. Einige sichere Investitionen sind jedoch zum Beispiel: Eine Lederjacke, eine gut sitzende Jeans, weiße Sneaker, eine gut geschnittene Bluse, ein Blazer oder ein Kleines Schwarzes.

Was auf den ein oder anderen Shopping-Addict jetzt undenkbar schwierig wirken mag, ist tatsächlich dazu gedacht, unser Leben deutlich zu vereinfachen: Und zwar indem man sich von Unnötigem befreit und stattdessen auf das Wesentliche konzentriert. Das Prinzip spielt damit genau dem Minimalismus-Trend zu, der in den letzten Jahren die Modeindustrie im Sturm erobert hat. Denn eines ist klar: Nachhaltigkeit ist in - Fast Fashion ist out!

 

So klappt es mit der Capsule Wardrobe

Vorweg bleibt zu sagen, dass es für die richtige Capsule Wardrobe kein universelles Rezept gibt – ebenso wenig wie ein strenges Regelwerk, das beinahe religiös befolgt werden muss. Viel eher handelt es sich dabei um eine Methodik, die erprobt und verbessert werden  möchte. Nach dem Prinzip „probieren geht über studieren“ sollte hier jeder für sich herausfinden, was für den eigenen Stil und die persönliche Lebenssituation am besten funktioniert. Dennoch haben wir natürlich Tipps, wie du deine Capsule Wardrobe am besten startest:

1. Ein Ziel setzen

Wie weiter oben bereits angedeutet, gibt es keine universelle Nummer. Wie viele Teile in deiner Garderobe bleiben sollen, bleibt also vollkommen dir überlassen. Zur Orientierung solltest du jedoch zunächst versuchen, auf weniger als 50 Teile (inklusive Schuhen und Taschen!) zu kommen. Funktioniert das gut, kannst du dich von da aus noch immer weiter verkleinern.

2. Beginne im eigenen Kleiderschrank

Klar, wenn etwas an der ganzen Sache verlockend klingt, dann ist es doch, sich eine brandneue Garderobe bestehend aus den ultimativen Basics zu leisten. Das könnte jedoch nicht ferner vom Sinn der Sache sein. Und so starte am besten damit, deinen eigenen Kleiderschrank zu analysieren: Welche Basics sind bereits vorhanden? Von welchen Teilen kannst du dich einfach nicht trennen? Welche Teile trägst du am liebsten? Aber ebenso wichtig: Welche Teile sind absolute Schrankhüter? Letztere sollten zuerst recycled, verkauft oder verschenkt werden.

3. Kaufe nicht sofort nach

Ist das große Ausmisten erst geschafft, ist es umso verlockender, direkt mit frischen Basics aufzustocken. Versuche jedoch, dir eine kleine Auszeit vom Shoppen zu nehmen. Indem du nun auf deine eigene drastisch verkleinerte Garderobe angewiesen bist, bist du gezwungen, neue und kreative Wege zu finden, sie zu kombinieren. Das fördert nicht nur für die Zukunft deinen Einfallsreichtum, sondern hilft dir auch dabei, deinen eigenen Stil kennenzulernen. So kriegst du außerdem bereits ein erstes Gefühl dafür, wie es ist, mit deutlich weniger Kleidung zu leben.

4. Sei ehrlich mit dir selbst

Das bezieht sich vor allem auf deinen Lifestyle und die Anforderungen an deine Garderobe, die er mit sich bringt. Kaufst du nicht für das Leben ein, das du tatsächlich führst, sondern eher für eine Fantasie-Version deines Lebens, dann hast du vermutlich eine Menge Stücke in deinem Kleiderschrank, die du noch nie getragen hast, aber „könntest, wenn...“. Versuche stattdessen realistisch zu sein – so hast du deutlich mehr von deiner Garderobe, auch wenn sie nur aus wenigen Teilen besteht.

5. Die Mischung macht’s

Der Sinn der Sache ist ganz klar, auf vielseitige Basics zu setzen. Eine Garderobe bestehend aus lauter Trendteilen ist schließlich weder untereinander kombinierbar, noch langfristig passend. Verbannen sollte man die auffälligen Teile jedoch auch nicht vollkommen. Abhängig vom eigenen Stil kann auch ein trendiges Hingucker-Stück hervorragend funktionieren – zum Beispiel eine Leo-Bluse.

 

Die 10x10 Challenge: Capsule Wardrobe zum Schnuppern

Wer neugierig geworden ist, sich aber noch nicht ganz sicher ist, ob er dem Konzept gewachsen ist, dem kann es helfen, eine Art Testlauf zu starten. So zum Beispiel mit Lee Vosburghs sogenannten 10x10 Challenge. Wähle 10 Kleidungsstücke aus deiner Garderobe aus, und versuche sie 10 Tage lang auf unterschiedliche Arten miteinander zu kombinieren. Als eine Art „Schnupperkurs“ in Sachen Capsule Wardrobe bekommst du so bereits ein Gefühl dafür, wie es ist, sich in diesem Maße zu reduzieren, ohne bereits tatsächlich etwas aufgeben zu müssen.

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