Fragwürdige Erziehungsmethode

Strengste Eltern der Welt? So grausam ist ihr altertümlicher Erziehungsstil

Ein Paar aus Großbritannien sucht in einer Stellenanzeige nach einer Nanny für seinen Sohn. Doch der fragwürdige Erziehungsstil lässt erahnen: Eine glückliche Kindheit sieht anders aus.

eltern erziehen ihren sohn wie im mittelalter
Keine glückliche Kindheit scheint ein Kind in Großbritannien zu haben (Themenbild) Foto: patrickheagney/iStock

Es gibt viele verschiedene Erziehungsansätze und -stile, einige davon sind durchaus umstritten. Ein Paar in England hat mit einer Stellenanzeige für öffentliche Entrüstung gesorgt, weil sie eine Nanny suchen, die ihren Sohn im viktorianischen Stil erziehen soll. Die Annonce offenbart nicht nur, wie altertümlich dieser Erziehungsstil ist, sondern auch wie grausam.

Viktorianischer Erziehungsstil: Eltern suchen Nanny für ihren Sohn

Die Eltern reden nicht lange um den heißen Brei herum und schreiben in ihrem Stellengesuch ganz offen, welche Anforderung sie an die zukünftige Nanny ihres siebenjährigen Sohnes haben. "Das Ziel des viktorianische Erziehungsstils ist es, einen vollkommenen, respektablen und freundlichen Menschen heranzuziehen, der später einmal ein großartiger und erfolgreicher Erwachsener wird", schreiben die Eltern. "Wir suchen deshalb jemanden, der unsere Richtung einschlägt und damit konform geht, was wir mit unserem Sohn vorhaben."

So weit, so gut, doch was sich genau dahinter verbirgt, lässt erahnen, wie grausam diese mittelalterliche Erziehungsmethode wirklich ist.

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Erziehungsmethode aus dem Mittelalter: Spiel & Spaß verboten!

Der viktorianische Erziehungsstil ist vor allem von einem geprägt: Disziplin. Wie streng die Regeln beim viktorianischen Erziehungsstil sind, verdeutlichen die Eltern in der Stellenanzeige. "Er darf nur eine Stunde pro Tag spielen und muss bei allen Aktivitäten immer bestens gekleidet sein", verrät das Paar. "Wir glauben, dass der Weg, ein respektabler Mensch zu werden, damit beginnt, immer salonfähig auszusehen." Fußballspielen auf dem Bolzplatz und sich dabei auch mal dreckig zu machen, steht für den Siebenjährigen also leider nicht auf dem Plan.

Aber nicht nur die Draußen-Aktivitäten sind stark reglementiert, auch im Haus darf der Kleine nur vorgegebenen Aktivitäten nachgehen. "Technologie wie Computer, Fernsehen oder Spielekonsolen sind für unseren Sohn tabu. Er darf sich aber mit Brettspielen, Büchern und Holzspielzeug beschäftigen", erklären die Eltern weiter. Außerdem wird die Nanny dazu angehalten, dem Jungen mindestens eine Stunde pro Tag nicht-fiktionale Bücher vorzulesen, damit sein Wissen über die Gesellschaft, Geschichte und aktuelle Nachrichtenlage gefördert wird.

Was sich die Eltern davon versprechen? Dass ihr Nachwuchs damit "zur besten Version seiner selbst heranwächst". Denn unnötige Ablenkung würde ihn nur von seinen Zielen abhalten.

Grausame Erziehungsmethode: Liebesentzug steht auch auf der Tagesordnung

Besonders wichtig scheint dem britischen Paar zu sein, dass ihr Sohn bloß nicht zu viel Liebe bekommt. "Wir glauben daran, dass es extrem wichtig ist, unserem Sohn nur minimale Zuneigung zukommen zu lassen. Wir wollen also, dass auch unsere zukünftige Nanny nicht mehr körperlichen Kontakt zu ihm pflegt als nötig. Ein Händeschütteln oder Gutenachtkuss auf die Stirn reicht völlig aus," schreibt das Paar weiter in seiner Annonce.

Erziehungsexperten stufen Liebesentzug als gefährlich ein und warnen, da wissenschaftlich belegt ist, dass der Mangel an Zuwendung die körperliche und geistige Entwicklung verzögern kann. Eine soziale Kontaktstörung, Angstzustände, Wutanfälle und Aufmerksamkeitsstörungen zählen ebenfalls zu den fatalen Nebenwirkungen einer lieblosen Erziehung.

Horror-Nanny soll 62.000 Euro im Jahr verdienen

Solange die Nanny sich auf alle Verhandlungspunkte einlässt und den Jungen möglichst streng und mit minimaler Zuwendung erzieht, wollen sich die Eltern das auch etwas kosten lassen. Das britische Paar ist bereit, seiner zukünftigen Nanny ein Jahresgehalt von umgerechnet knapp 62.000 Euro zu bezahlen.

Bleibt zu hoffen, dass auf diese Stellenanzeige nie jemand antworten wird und der viktorianische Erziehungsstil erst recht nicht wieder in Mode kommt.

Artikelbild und Social Media: patrickheagney/iStock (Themenbild)