Schlaf während der Pubertät

Studie zeigt: Späterer Schulbeginn ist für Jugendliche gesünder!

Viele Jugendliche schlafen im Schnitt zu wenig. Eine Studie aus der Schweiz zeigt, dass sich ein späterer Unterrichtsbeginn positiv auf die Gesundheit der Schüler*innen auswirkt.

Ein Junge liegt mit dem Kopf auf seinem Schulbuch.
Ob müde Jugendliche mit einem späteren Schulstart besser aus dem Bett kommen wurde in der Schweiz getestet. Foto: iStock / pixelheadphoto
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Abends nicht einschlafen können und morgens nicht aus dem Bett kommen: Das kennen wir wohl alle. Langfristig führt ein Schlafdefizit zu Konzentrationsschwäche und Reizbarkeit. Aber auch das Risiko auf Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Störungen steigen.

Insbesondere Jugendliche sind von chronischem Schlafmangel betroffen, hauptsächlich, weil sich ihr Schlafrhythmus während der Pubertät nach hinten verschiebt. Sie haben dadurch oft Probleme beim frühen Einschlafen, was spätestens dann seine Wirkung zeigt, wenn sie morgens gähnend in der ersten Schulstunde sitzen.

Eine Studie aus der Schweiz zeigt jetzt, was passiert, wenn Schüler*innen morgens länger schlafen können und sich damit ihrem biologischen Schlafrhythmus annähern.

Neue Studie: Sollte der Unterricht später beginnen?

Jugendliche sollten im Schnitt zwischen acht und zehn Stunden pro Nacht schlafen. Mit dem verschobenen Schlafrhythmus und dem frühen Unterrichtsbeginn kann das zu einer echten Herausforderung werden. Meist baut sich ein langfristiger Schlafmangel über die Schulwoche hinweg auf und kann am Wochenende kaum aufgeholt werden. Um herauszufinden, ob ein späterer Schulstart die Schüler*innen dabei tatsächlich entlastet, haben die Forschenden Joëlle Albrecht, Reto Huber und Oskar Jenni von der Universität Zürich und dem Universitäts-Kinderspital Zürich ein Experiment an einer Schule im Schweizer Kanton St. Gallen gestartet.

Es wurde ein Testmodell eingeführt, bei dem 754 Jugendliche den Unterrichtsbeginn selbst wählen konnten. Statt wie üblich um 7.20 Uhr zu starten, konnten sie nun entweder auf freiwilliger Basis um 7.30 Uhr oder um 8.30 Uhr mit dem Unterricht beginnen. Dazu wurden sie vorab und nach einem Jahr des Testmodells zu ihrem Schlafverhalten befragt. Dass sich 95 Prozent der Teilnehmer*innen für den späteren Start entschieden, dürfte wohl nicht so sehr überraschen. Mit diesem Modell schliefen sie im Schnitt 45 Minuten länger als vor der Studie, da die Zeiten, zu denen sie zu Bett gingen, überwiegend gleich blieben.

Positiver Effekt auf Schlaf, Lernleistungen und die Gesundheit von Jugendlichen durch späteren Unterricht

Neben der Folge, dass Jugendliche allgemein länger schliefen, zeigten sich auch anderweitig positive Effekte. Viele der Schüler*innen hatten laut eigenen Aussagen weniger Probleme beim Einschlafen als zuvor. Auch ihre allgemeine gesundheitliche Lebensqualität verbesserte sich während der Studie. Dies zeichnete sich auch in den Lernleistungen ab: In den Fächern Englisch und Mathematik konnte im Schnitt eine Verbesserung bei den Schüler*innen festgestellt werden. Somit führten nur 45 Minuten längeres Schlafen an Schultagen zu einem größeren Wohlbefinden der Jugendlichen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass ein späterer Unterrichtsbeginn durchaus ein Ansatz sein kann, um den Jugendlichen einen entspannteren Schulalltag zu ermöglichen und die körperliche und psychische Gesundheit zu fördern.

Nach schweizer Studie: Zeit für einen Wandel?

Laut Prof. Dr. Peter Falkai, Standortsprecher des Deutschen Zentrums für psychische Gesundheit in München, haben bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland eine psychische Störung. Dazu zählen auch Depressionen und Angststörungen. Auch diese Krankheiten werden durch Schlafmangel begünstigt. „Ein späterer Unterrichtsbeginn am Morgen kann also ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Mental-Health-Krise bei Schülerinnen und Schülern sein“, erklärt Reto Huber, Co-Autor der Studie, in einer Pressemitteilung.

In Deutschland wird immer wieder über einen späteren Unterrichtsbeginn diskutiert. Einige Schulen, zum Beispiel in Niedersachsen, Hamburg und Bayern, haben auch selbst spätere Unterrichtszeiten eingeführt oder Gleitzeitmodelle getestet. Eine einheitliche Umstrukturierung ist aber nicht in Sicht, unter anderem, weil es für Eltern Schwierigkeiten darstellen könnte und Busfahrpläne angepasst werden müssen. Der Unterricht würde sich vermutlich auch länger in den Nachmittag ziehen, worunter außerschulische Aktivitäten leiden könnten.