Wie erklärt man Kindern, was Krieg ist? Psycholog*innen geben Eltern Tipps
Kriege sind leider allgegenwärtig. Wie Eltern ihren Kindern erklären können, was ein Krieg ist und was sie dabei beachten sollten, verraten Expert*innen.

- Mit unter dreijährigen Kindern über Krieg sprechen
- Kindern im Alter von 3, 4, 5 und 6 Jahren den Krieg erklären
- Einem Schulkind erklären, was Krieg ist
- Eltern sollten eigene Sorge nicht verschleiern
- Wenn das Kind fragt: "Kommt der Krieg auch zu uns?"
- Wie erkenne ich, ob mein Kind Angst hat?
- Was Eltern bei diesen Anzeichen tun können
Ob der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine oder der Konflikt im Nahen Osten – Kriege sind (leider) ein aktuelles Thema und können Kindern Angst machen. Doch wie können Eltern ihrem Kind erklären, was Krieg ist?
Psycholog*innen und Expert*innen haben Tipps, wie Eltern mit ihrem Nachwuchs kindgerecht über dieses schwere Thema sprechen können – und was sie dabei beachten sollten.
Mit unter dreijährigen Kindern über Krieg sprechen
Die Wahl der Worte hängt maßgeblich vom Alter deines Kindes ab. „Mit Pubertierenden können Erwachsene rational und offen über Krieg sprechen, mit einem fünfjährigen Kind nicht“, erklärt der Psychologe Simon Kopelke vom Kinderschutzbund Niedersachsen gegenüber evangelisch.de.
Kinder bis drei Jahre bekommen auch schon einiges mit. Bei unter Dreijährigen rät Dr. Maya Götz, Medienwissenschaftlerin und Medienpädagogin, gegenüber dem WDR so zu reagieren: „Es ist etwas los, in einem Land, das weit weg von uns liegt. Dort wird gekämpft.“ Das Kind werde vielleicht nicht alle Worte und den Zusammenhang verstehen oder einordnen können, aber es sei wichtig, so Maya Götz, das Kind ernst zu nehmen und ihm zu signalisieren: „Du bist sicher.“
Kindern im Alter von 3, 4, 5 und 6 Jahren den Krieg erklären
Wenn du ein drei- oder vierjähriges Kind hast, das dich fragt, was Krieg ist, kannst du laut Medienpädagogin Maya Götz wie folgt antworten: „Krieg ist, wenn zwei Länder sich so doll streiten, dass sie Waffen benutzen, um dem anderen die eigene Meinung aufzuzwingen.“ Mit dem Begriff „Streit“ können die meisten Kleinkinder etwas anfangen.
Die Diplom-Psychologin und Buch-Autorin Elisabeth Raffauf rät gegenüber web.de zu dieser Beispiel-Antwort für Eltern mit Kindern zwischen vier und fünf Jahren: „Da gibt es Chefs von Ländern: Die einen halten die anderen für sehr gefährlich und wollen, dass sie keine gefährlichen Waffen herstellen. Mit Worten konnten die Länder sich aber nicht einigen. Und so haben die einen die anderen mit Waffen angegriffen.“
Einem Schulkind erklären, was Krieg ist
Kinder im Alter zwischen sechs und acht Jahren oder älter können Zusammenhänge schon besser verstehen. Sie haben vielleicht schon in der Vorschule oder Schule von Kriegen gehört oder kennen Klassenkamerad*innen, die aus einem Kriegsgebiet geflohen sind.
Laut Psychologe Simon Kopelke kann es sinnvoll sein, das Kind direkt auf das Thema anzusprechen, wenn es nicht selbst mit Fragen kommt. „Ein kurzer, offener Einstieg wie 'Hast du schon etwas darüber gehört?' ermögliche dem Kind, sich mitzuteilen. Eltern könnten so mitbekommen, ob überhaupt Gesprächsbedarf besteht“, sagt Kopelke gegenüber evangelisch.de.
Maya Götz rät im WDR-Beitrag zu Folgendem: Kommt dein Kind auf dich zu und erzählt zum Beispiel: „Da hat jemand geschossen und ist gestorben“, ist es wichtig, dem Kind gegenüber Empathie zu zeigen. Danach könne eine sachliche Erklärung folgen, wie etwa: „Ja, das passiert im Krieg: Menschen sterben, deswegen werden viele Menschen aus dem Land herausgeholt. Einige Frauen und Männer bleiben, um zu kämpfen.“
Eltern sollten eigene Sorge nicht verschleiern
Angesichts der aktuellen politischen Lage ist es nicht immer einfach als Erwachsener, Ruhe und Sicherheit auszustrahlen. Doch genau das ist entscheidend, wenn es darum geht, mit Kindern über Krieg zu sprechen.
„Kinder brauchen Erwachsene, die ruhig bleiben, schützend an ihrer Seite stehen und einen festen Anker bieten“, sagt Simon Kopelke vom Kinderschutzbund Niedersachsen. Die Botschaft müsse lauten: „Hier bist du sicher, und wir passen auf dich auf!“ Selbst kleinste Veränderungen der Mimik bleiben bei Kindern nicht unbemerkt.
Eltern sollten ihre eigenen Sorgen und Ängste nicht verschleiern. Fragt dein Kind „Alles ok mit dir?“ und du bejahst, obwohl das nicht stimmt, sprichst du deinem Kind die Wahrnehmung ab. Besser ist es, ehrlich zu sagen, wenn du dir Sorgen machst. „Kinder fühlen sich auf diese Weise emotional verstanden“, bestätigt Kopelke.
Maya Götz empfiehlt Eltern im WDR-Beitrag, dem Kind nicht die eigenen Ängste und Sorgen ungefiltert weiterzugeben. „Als Elternteil kann man zugeben, dass die Situation beunruhigend ist, doch Gefühle, die darüber hinausgehen, sollten Eltern lieber mit anderen Erwachsenen besprechen“, so die Medienwissenschaftlerin und Medienpädagogin.
Wenn das Kind fragt: "Kommt der Krieg auch zu uns?"
Kinder fragen häufig, ob der Krieg auch zu uns kommen kann. „Darauf gibt es keine perfekte Antwort", sagt die Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf web.de. Was helfen könne:
Eltern können erklären, dass Politiker viel dafür tun, um zu verhindern, dass der Krieg auch zu uns kommt.
Bei älteren Kindern kann ein Hinweis auf Bündnisse wie die NATO helfen: Da sich Länder gegenseitig unterstützen, sind Angriffe hierzulande unwahrscheinlicher.
Maya Götz nennt gegenüber dem WDR einen weiteren Tipp: „Andere Kinder lassen sich beruhigen, indem sie auf der Karte sehen, wie weit entfernt Deutschland von einem Kriegsgebiet ist.“ Bei jüngeren Kindern sei es vielleicht hilfreich zu erklären, „dass viele Menschen extra zu uns nach Deutschland kommen, um in Sicherheit leben zu können.“
Mit Kindern über Krieg sprechen: Tipps für Eltern
Fragen beantworten: Stellt dein Kind direkte Fragen zum Thema Krieg, antworte so kurz und knapp wie möglich. Lange Ausführungen können überfordernd sein.
Sicherheit geben: Strukturen geben Sicherheit. Das Thema Krieg sollte nicht den Alltag dominieren. Der Kinderschutzbund Niedersachsen empfiehlt laut Website evangelisch.de, keine Nachrichten im Hintergrund per Radio oder Fernseher laufen zu lassen. „Kinder brauchen umso mehr Sicherheit in der persönlichen Beziehung, je mehr Verunsicherung sie in ihrer Umgebung wahrnehmen“, sagt Simon Kopelke.
Gefühle ernst nehmen: Bilder aus Kriegsgebieten und Begriffe wie Drohnen, Raketen oder Bomben machen Kindern Angst. Diese sollten Eltern ernst nehmen und nicht sofort relativieren, erklärt die Psychologin Elisabeth Raffauf im Web.de-Beitrag. „Zunächst sollte man der Angst einen Platz geben.“ So zum Beispiel: „Ich verstehe, dass dich das ängstigt. Wenn man solche Bilder sieht oder an Menschen denkt, die sterben, macht das Angst.“
Unterstützung suchen: Bei älteren Kindern kann es helfen, gemeinsam Informationen zu suchen, etwa, wenn du als Elternteil eine Frage zum Krieg nicht beantworten kannst. Kindernachrichten wie logo! oder neuneinhalb eignen sich für Kinder ab ca. 8 Jahren. „Die Sendung mit der Maus“ eignet sich für Kinder ab 6 Jahren. Auch Sachbilderbücher wie z. B. „Weltkugel 3: Wie ist es, wenn es Krieg gibt?: Alles über Konflikte“ (ab 5 Jahren) bieten kindgerechte Informationen zu dem Thema. Die Website "Flimmo" gibt Empfehlungen für altersgerechte TV- und Streaminginhalte, die das Thema Krieg verständlich erklären.
Aufmerksam sein: Dein Kind hat Einschlafschwierigkeiten oder Albträume? Es isst weniger oder zieht sich zurück? Wenn dein Kind bereits älter ist und Zugang zu sozialen Netzwerken hat, hab ein Auge darauf. „Eltern sollten aufmerksam wahrnehmen, ob ihr Kind Andeutungen macht oder durch Medienberichte belastet wirkt und dann zeitnah und kindgerecht reagieren“, empfiehlt Simon Kopelke im evangelisch.de-Beitrag zum selben Thema. Dann helfe es, aktiv Fragen zu stellen („Hast du schon davon gehört?“), so der Psychologe.
Aktiv werden und bewusst ablenken: Gemeinsam mit den Kindern aktiv zu werden, kann laut Maya Götz ebenfalls helfen. „Wie das konkret aussieht, ist unterschiedlich: Vom Anzünden einer Kerze über die Teilnahme an einer Friedensdemo bis hin zur Unterstützung von Geflüchteten ist alles möglich.“
Zudem empfiehlt die Medienpädagogin im WDR-Artikel, dass es wichtig sei, trotz der „anhaltend dramatischen Situation in den Kriegsgebieten“, sich Auszeiten zu nehmen und sich bewusst abzulenken – inklusive Social Media- und Nachrichtenpause.
Wie erkenne ich, ob mein Kind Angst hat?
Du bist dir nicht sicher, ob das Thema Krieg dein Kind belastet? Typische Signale sind nach Informationen der evangelisch.de laut Kinderschutzbund Niedersachsen:
Vermehrtes Bedürfnis nach Nähe zu den Eltern,
Schlafprobleme,
Bauch- und Kopfschmerzen,
Appetitlosigkeit,
Rückzug,
Stimmungsschwankungen sowie
Spiele (etwa Rollenspiele), in denen Krieg, Kämpfe oder Katastrophen nachgeahmt werden.
Was Eltern bei diesen Anzeichen tun können
Psychologe Simon Kopelke rät Eltern im Artikel bei evangelisch.de, bei solchen Anzeichen „behutsam nachzufragen und auf die Sorgen kindgerecht einzugehen.“ Allerdings sei die Zeit, unmittelbar bevor das Kind zu Bett geht, nicht geeignet. Stattdessen sollten Eltern den Tag mit etwas Positivem beschließen.
„Vielen Kinder hilft es, durch Malen zu zeigen, wie es in ihnen aussieht“, sagt Medienpädagogin Maya Götz dem WDR. „So können Eltern ihrem Kind mit weiteren Erklärungen helfen, mit diesen Gefühlen umzugehen.“
Hilfsangebote finden Jugendliche und Erwachsene bei der Nummer gegen Kummer.
Quellen
https://www.evangelisch.de/inhalte/253341/05-03-2026/wie-sie-kindern-bei-kriegsangsten-helfen-konnen (Abgerufen: 9.3.2026)
https://www.wdrmaus.de/elefantenseite/elternseiten/kinderthemen/mit-kindern-ueber-krieg-sprechen/#expertin (Abgerufen: 9.3.2026)
https://web.de/magazine/ratgeber/kind-familie/erklaert-kindern-krieg-psychologin-eltern-tipps-41959246 (Abgerufen: 9.3.2026)
Artikelbild und Social Media: iStock/Arianne de San Jose van Hoof






