Erstes Lebensjahr

Ab wann dürfen Babys Wasser trinken?

In den ersten Monaten bekommen Babys Muttermilch aus der Flasche oder Brust. Aber ab wann dürfen sie Wasser trinken?

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Neugeborene und Säuglinge bekommen in den ersten Monaten ihres Lebens Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung. Frühestens ab dem fünften und spätestens aber ab dem siebten Monat, empfehlen Expert*innen, dass Eltern ihren Kindern Beikost anbieten. Dann wird zunächst eine Mahlzeit (z.B. mittags) mit Muttermilch oder der Säuglingsnahrung durch einen Obst- oder Gemüse Brei ersetzt. Doch wann können Babys Wasser bekommen? Welche Alternativen sind okay und muss Leitungswasser abgekocht werden? Wir haben Antworten.

Ab wann dürfen Babys Wasser trinken?

Unsere Recherchen haben ergeben, dass einige Seiten eine Empfehlung von Wasser erst nach dem sechsten Lebensmonat aussprechen. Wir halten uns an die Meinung der Kinderärztinnen Dr. Gisela Brehmer und Dr. Barbara Beland:

Erst ab Anfang des zehnten Monats, wenn die Nahrung durch Brot und Zwischenmahlzeiten fester wird, kann der Säugling (...) zusätzlich zu Brei und Milch Wasser bekommen“, empfehlen die Kinderärztinnen (Brehmer & Beland: „Aus der Praxis einer Kinderärztin“, S. 74). Mit Beginn der 3. Beikostmahlzeit sind Babys in der Regel acht bis zehn Monate alt. „Zunächst können Babys aus der Schnabeltasse trinken, zwei Wochen später aus einem gehaltenen Becher.“ Zur Einführung ist am besten Leitungswasser geeignet. Sprudelwasser ist anfangs nicht empfehlenswert, da die Kohlensäure zu Blähungen führen kann.

Achtung!

Auch bei sehr heißen Temperaturen oder bei Krankheit (bitte mit einem Arzt abklären!) sollten Babys vor dem sechsten bis 10. Lebensmonat kein Leitungswasser zusätzlich zur Pre- oder Muttermilch bekommen. Zudem solltest du die Mutter- oder Premilch in diesem Alter nicht mit Wasser strecken, denn das kann im Zweifel zu einer Wasservergiftung führen.

Muss ich das Wasser für mein Baby abkochen?

Nein, denn in Deutschland haben wir sehr gutes Leitungswasser. „Ein Abkochen von Leitungswasser ist in Deutschland nicht mehr notwendig, weder bei Säuglingen noch z.B. für die Reinigung der Augen bei Bindehautentzündung“, sagen die Kinderärztinnen Gisela Brehmer und Barbara Beland. „Auch der Schadstoffgehalt von Leitungswasser ist immer kontrolliert.“ (Brehmer & Beland: „Aus der Praxis einer Kinderärztin“, S. 49).

Einzig der Nitratgehalt von Leitungswasser könne für Säuglinge zu hoch sein, so die Ärztinnen. Der zulässige Grenzwert beträgt 50 mg pro Liter (mg/l). „Fragen Sie hier ggf. bei Ihren Wasserwerken nach“, raten Brehmer und Beland. Diese Vorsicht sei dabei nur notwendig für die Zubereitung von Milchnahrung bei nicht gestillten, jungen Säuglingen.

Dieses Leitungswasser ist für Babys ungeeignet

Vorsicht ist laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bei neuen Kupferrohren geboten: „Sie geben etwa ein halbes Jahr lang erhöhte Mengen des Metalls an das Wasser ab, die für Säuglinge gesundheitsschädlich sein können.“ Nach einem halben Jahr bilde sich in den Kupferrohren eine hinreichend dicke Oxidschicht, die eine Abgabe größerer Kupfermengen an das Wasser verhindere. 

Auch bei älteren Gebäuden, die vor 1973 errichtet wurden, sei Vorsicht geboten. Der Grund: Bei den Altbauten sind vereinzelt immer noch Bleirohre verlegt. „Wasser, das durch Bleileitungen geleitet wurde, darf grundsätzlich nicht für die Zubereitung von Babynahrung verwendet werden“, schreibt die Verbraucherzentrale.

Warum frühes Wasser trinken für Babys riskant sein kann

Wenn du deinem Baby zu früh Wasser gibst, kann das diese gesundheitlichen Folgen haben:

  • Die Wasserzufuhr kann bei Babys zu Störungen im Elektrolythaushalt führen. Das hängt mit der noch nicht vollständigen Funktionstüchtigkeit der Nieren zusammen. Diese können das überschüssige Wasser noch nicht ausscheiden, was im schlimmsten Fall zu einer Wasservergiftung führen kann.

  • Eine Nebenwirkung kann Durchfall sein, was wiederum zu Flüssigkeitsverlust führt.

  • Das Baby möchte seltener an der Brust trinken, was die Milchproduktion beeinträchtigen kann.

Baby Wasser-Alternative: Sind Saft oder Tee okay?

Einige Eltern geben ihren Kinder Saftschorlen oder Tees (Fenchel - oder Hagebuttentee). Gegen Letzteres ist nichts einzuwenden – solange dabei auf Süßungsmittel (wie z. B. Honig) verzichtet wird. Das Problem: Lernt dein Kind schon in jungen Jahren den süßen Geschmack durch Getränke kennen, kann es sein, dass es Wasser gänzlich verweigert.

„Das bevorzugte Getränk sollte Wasser sein“, raten Gisela Brehmer und Barbara Beland. „Obstsäfte sind nicht zum Durstlöschen oder gar zur Vitaminzufuhr geeignet.“ Denn: Säfte enthalten von Natur aus ca. 10 Prozent Zucker und können Karies verursachen. „Wenn Saft, dann besser einmal Tag ein Glas 1:1, als ständig über den Tag als Schorle.“ (Brehmer & Beland: „Aus der Praxis einer Kinderärztin“, S. 75).

Wie viel Wasser sollte mein Kind trinken?

Mit Einführung des Wassers bei Säuglingen reichen etwa 200 ml am Tag. „Das Kind zeigt, wenn es Durst hat“, so die Ärztinnen. Tatsächlich haben schon Kinder ab sechs Monaten ein Gefühl für ihren Durst.

Wird das Kind größer, sorgen sich einige Eltern darum, dass ihr Kind zu wenig trinkt – fordern es regelmäßig zum Trinken auf. „Es ist nicht wahr, dass Kinder viel trinken müssen und nicht Aufgabe der Eltern, mit der Trinkflasche hinter dem Kind herzurennen“, betonen die Kinderärztinnen. Kinder dürfen ungesüßte Getränke nach Durstgefühl trinken und müssen kein Mengensoll erfüllen.“ (Brehmer & Beland: „Aus der Praxis einer Kinderärztin“, S.74f). Das Trinkbedürfnis sei von Kind zu Kind unterschiedlich, sodass es keine allgemeingültige Regel gebe.

Hilfreiche Baby-Trinkflaschen

Anfang können Babys aus einer Babyflasche mit Aufsatz Wasser trinken, später eignen sich Trinkbecher mit Deckel. Diese bereiten auch auf das Trinken aus einem Becher vor.

Quellen

  • Gisela Brehmer, Barbara Beland: Aus der Praxis einer Kinderärztin, Rowohlt Taschenbuch, 2018, 544 Seiten.

Artikelbild und Social Media: iStock/SurkovDimitri