Achtung, Gefahr!

Ab wann trägt Eis? Tragfähigkeit: Es sieht sicher aus, ist aber eine tödliche Falle!

Im Winter passiert es manchmal, dass Gewässer zufrieren. Doch ab wann trägt Eis? Alles zur Tragfähigkeit von Eis erfährst du hier - und auch, warum vermeintlich sicheres Eis schnell zur Todesfalle werden kann.

Ab wann trägt Eis? Ein zugefrorener See sagt noch nichts über die Tragfähigkeit von Eis aus.
Ab wann trägt Eis? Ein zugefrorener See sagt noch nichts über die Tragfähigkeit von Eis aus. (Symbolbild) Foto: Anastasiia Shavshyna/iStock

Vielleicht erinnerst du dich noch an den ein oder anderen Winter, als du auf einem zugefrorenen Gewässer gewesen bist. Heutzutage gibt es das immer seltener und damit geht auch bei vielen das Wissen verloren, ab wann die Tragfähigkeit von Eis erreicht ist. Das kann das gefrorene Wasser schnell gefährlich machen, denn oft ist es nicht dick genug, um wirklich sicher auf der Eisfläche zu sein. Wir sagen dir, was du vor dem Betreten einer Eisdecke auf einem See, Fluss oder dem Meer unbedingt beachten solltest. Denn die Gefahr ist groß, dass es dich nicht trägt.

Ab wann trägt Eis? Temperaturen und Eisdicke spielen eine Rolle

Wasser ist im Winter meist allgegenwärtig - entweder als Schnee oder Eis, aber leider auch häufig als Regen. In Deutschland wird das Wasser von Gewässern vielerorts nur noch an wenigen Tagen im Jahr zu Eis. Das war früher anders - es gibt zuhauf Zeugnisse wie Bilder, Gemälde oder Berichte, die von zugefrorenen Seen oder Flüssen berichten.

Zum Beispiel gab es einst eine Zeit, als auf der zugefrorenen Themse in London ein Jahrmarkt errichtet wurde, der Pfarrer Gustav Schwab schrieb eine Ballade über einen Postboten, der über den zugefrorenen Bodensee ritt (was auch tatsächlich passiert ist) und es gibt zahlreiche Gemälde, auf denen Schlittschuhfahrende auf den Grachten in den Niederlanden zu sehen sind. Sogar das Meer ist hierzulande früher häufig zugefroren - in extremen Wintern wurden auf dem Eis der Ostsee sogar Versorgungsstände und Straßen errichtet und Dänemark oder Schweden waren viel schneller erreichbar als sonst. Das alles ist größtenteils aber Hunderte Jahre her und der Bodensee war letztmals 1962/63 vollständig zugefroren. Inzwischen friert die Ostsee im Winter meist nur noch zwischen Finnland und Schweden und in längeren Kältephasen zwischen Finnland, Estland und Russland zu. Dort gibt es in kalten Wintern auch heute noch Eisstraßen übers Wasser. Den aktuellen Stand des Meereises in der Ostsee kannst du zum Beispiel beim finnischen Wetterdienst nachsehen.

Es liegt unter anderem am Klimawandel, weswegen bei uns die Gewässer wenn, dann nur kurzfristig und sehr dünn zufrieren. Die Temperaturen im Winter werden einfach nicht mehr über einen längeren Zeitraum so tief, dass du überall sicher aufs Wasser bzw. die Eisflächen laufen kannst. Wenn Seen und Co. zugefroren sind, warnen oftmals Schilder, dass das "Betreten verboten" ist. Der Grund ist, dass das Eis normalerweise noch nicht wirklich tragfähig ist. Dafür braucht es gewisse Umstände, die in Deutschland meist nur noch in höheren Lagen eintreten. Denn die Dicke des Eises ist entscheidend dafür, das Gewicht eines Menschen tragen zu können. Für eine dicke Eisdecke muss aber auch genügend Wasser gefrieren.

In einem See wie dem Bodensee hat das Wasser ab einer Tiefe von 50 Metern 4 Grad Celsius - und weist bei dieser Temperatur die höchste Dichte auf. Darüber kann das Wasser weiter abkühlen, hat aber eine niedrigere Dichte, es schwimmt quasi auf der unteren Wasserschicht. Das hängt mit der Anomalie des Wassers zusammen. Um zu verstehen, wie Eis funktioniert, ist es wichtig zu wissen, dass Eis eine noch geringere Dichte als alles flüssige Wasser hat. Das ermöglicht es dem Eis, auf der Oberfläche des Wassers zu schwimmen. Ab wann trägt Eis also? Und wann ist es besser, am Ufer zu bleiben?

Tragfähigkeit: Eis braucht lange, um dein Gewicht zu tragen

Damit eine Eisschicht auf flüssigem Wasser tragfähig ist, muss sie eine gewisse Dicke haben. Es gibt verschiedene Eisdicken, die als tragfähig für verschiedene Personen und Dinge gelten, wobei es allerdings nicht nur auf die Dicke des Eises ankommt. Zusätzlich zu dem Fakt, dass das Eis dick genug sein muss, spielt es auch eine Rolle, ob Luft im Eis eingeschlossen ist oder ob es Risse gibt. Auch bei Tümpeln auf dem Eis darfst du es keinesfalls betreten, da es ein Zeichen für Risse im Eis ist, ebenso solltest du dich von Schilfgürtel fern halten, wenn du auf der Eisfläche bist.

Es brauch nicht allzu kalt zu sein, damit Wasser gefriert. Wenige Grad unter Null können auf Gewässern eine Eisdecke entstehen lassen. Seen frieren schneller zu als Flüsse oder Bäche - hier kommt es aber auch auf die Fließgeschwindigkeit an, wie schnell das Wasser gefrieren kann. Ist es zu schnell, bleibt es flüssig. Stehende Gewässer sind zum Betreten viel sicherer als Flüsse oder Kanäle. Offene Stellen mit Wasser sollten weiträumig gemieden werden. Hier steigen Faulgase auf oder es gibt Quellen am Boden.

Zudem friert Salzwasser langsamer zu als Süßwasser - weswegen zum Beispiel die Ostsee eher zufriert als die Nordsee oder der Atlantik, da sie durch die abgeschnittene Lage nach Osten im Finnischen Meerbusen und im Norden im Bottnischen Meerbusen immer weniger Salz enthält. In Estland ist das Meerwasser im Osten des Landes sogar schon so gering salzhaltig, dass die Kühe dort problemlos aus dem Meer trinken können. Während in der Ostsee -0,8 Grad reichen zum Gefrieren, müssen in der Nordsee -1,7 Grad erreicht werden, um sie zu Eis zu verwandeln. Meist müssen die Temperaturen allerdings niedriger sein, da sich das Meerwasser durch Strömungen bewegt und daher erst später gefriert.

Eine Übung, um im Zweifel Eingebrochene retten zu können.
Eine Übung, um im Zweifel Eingebrochene retten zu können. Foto: Pusteflower9024/iStock

Um einen Erwachsenen zu tragen, sollte die Dicke der Eisfläche mindestens 5 cm betragen. Für Personengruppen sollten es hingegen 8 cm sein, Schlitten können erst ab 12 cm Eisdicke benutzt werden. Um ein Auto oder andere Fahrzeuge sicher auf dem Eis bewegen zu können, sind mindestens 18 cm Eisdicke notwendig. Wenn du mit einem Auto auf dem Eis fährst, ist es aber notwendig, mindestens 250 Meter Abstand zu anderen Fahrzeugen zu haben. Zudem darfst du dich auf Eisstraßen nicht anschnallen, um beim Einbrechen möglichst schnell aus dem Auto herauszukommen - in diesem Fall lauert die Gefahr tatsächlich eher, wenn du einen Gurt benutzt. In Deutschland solltest du generell niemals mit Fahrzeugen aufs Eis, die Eisdecken sind hierzulande in der Regel zu dünn.

Doch um nochmal zum Luft im Eis und dem Aussehen zurückzukommen - es gibt verschiedene Arten von Eis, die unterschiedlich stabil sind. So ist neu gebildetes Eis das stabilste, altes Eis hingegen ist oftmals schon angeschmolzen und wieder gefroren - das kann das Eis instabil machen. Auch Schnee, der auf das Eis fällt und dann vereist, hat nicht die Tragfähigkeit von neuem Eis, da hierbei Luft eingeschlossen wird. Du kannst das Schneeeis auch daran erkennen, dass es milchig ist - das stabilste Eis ist hingegen klar und oftmals fast durchsichtig. Sollte also Schnee auf die Eisdecke gefallen sein, musst du die genannten Werte mindestens verdoppeln, um sicher auf der Eisschicht unterwegs zu sein. Letztlich kommt es eben auch auf den Stoff an, aus dem die Sicherheit des Eises abzulesen ist. Trotzdem ist ganz klar, dass das Betreten von Eis immer auf eigene Gefahr geschieht - auch bei einer dicken Eisschicht.

Selbstrettung beim Einbrechen im Eis

Eis ist gefährlich, aber genauso zieht es die Menschen an. Die verschiedenen Eissorten haben alle eine unterschiedliche Dichte, die sehr spezifisch ist, wie u.a. icefishing.ch in einem Beispiel zeigt. Demnach hat klares Eis ein spezifisches Gewicht von 917 kg/m³. Eine 83 kg schwere Person braucht demnach gut 10 m² Platz, um sich sicher auf dem Eis zu bewegen. Wer leichter ist, braucht weniger Platz, wer schwerer ist, braucht entsprechend mehr.

Daher solltest du dich niemals direkt neben deinem Freund oder einer anderen Person aufs Wasser wagen. Jede und jeder sollte unbedingt genügend Abstand zu anderen Personen haben, da ansonsten die Gefahr einzubrechen immens steigt - denn eine Gruppe muss als ein Gewicht berechnet werden, wenn sie eng beieinander steht. Wenn also schon Hunderte auf dem Eis sind, dann nicht denken - "Na, wenn es die trägt, kann ich auch noch drauf" - sondern entweder offizielle Empfehlungen beachten oder es besser sein lassen. So groß die Faszination auch sein mag. Je dicker das Eis ist, desto enger könnt ihr euch auf dem Eis beieinander bewegen - am besten sichert ihr euch durch ein Seil ab, mit dem alle verbunden sind. Ist das Eis 10 cm dick, solltet ihr zum Beispiel mindestens 3 Meter Abstand halten. Aus diesem Grund muss auf den erwähnten Eisstraßen auch der Abstand zwischen den Fahrzeugen so immens groß sein.

Nun ist es aber leider ganz normal, dass all die Warnungen nicht viel nützen - zumindest bei manchen Leuten. Solltest du oder eine andere Person also auf dem Eis sein, musst du auf ein paar Dinge achten. Denn solltest du wirklich einbrechen, kann das ganz schnell tödlich enden. Wichtig ist es, dass du deine Ohren aufsperrst. Bevor das Eis unter dir bricht, kannst du es im Normalfall brechen hören. Das Geräusch ist eine Art Knall - und spätestens dann sollten bei dir alle Alarmglocken schrillen. Das Eis bricht in der Regel erst kreisförmig (radial) um dich herum, erst danach kommen gerade oder sternförmige Risse hinzu. Wenn im Frühling noch Eis auf Gewässern ist, sollte es wegen der gestiegenen Temperaturen nicht mehr betreten werden. Es kann auch bei einer dicken Eisschicht leicht brechen - das nennen Fachleute dann Spargeleis.

Solltest du nun im Eis einbrechen und im schlimmsten Fall alleine sein, ist es wichtig, dass du sofort die Arme ausbreitest und versuchst, in die Richtung aus dem Loch zu steigen, aus der du gekommen bist. Allerdings solltest du dich nur noch in Bauchlage zum Ufer bewegen. Einbrechende Personen sollten nach Möglichkeit Helfer*innen rufen - diese können die Verunglückten beispielsweise mit Leitern aus dem Loch holen. Die Leiter oder ein Seil bzw. eine Leine helfen, dass die rettende Person der eingebrochenen Person zu ihrer eigenen Sicherheit nicht zu Nahe kommen muss und Gefahr läuft, selbst einzubrechen. Die helfende Person sollte sich zudem nur in Bauchlage der eingebrochenen Person nähern. Dadurch wird ihr Gewicht besser auf der Eisdecke verteilt und die Gefahr, einzubrechen, ist geringer.

Die Eisflächen auf Seen, dem Meer oder einem langsam fließenden Fluss sind schon immer faszinierend. Aber die Gefahr lauert hier auch, wenn du sie nicht sehen kannst. Um der tödlichen Falle zu entgehen und auch sonst Erfrierungen zu vermeiden, solltest du auf deinen gesunden Menschenverstand hören und nicht einfach aufs Eis gehen - auch wenn die Versuchung noch so groß ist. Informiere dich vorher gut, bevor die eine Eisfläche betrittst, gehe nie allein und nur bei guter Sicht. Denn hier bewegst du dich im Zweifel nicht nur sprichwörtlich auf dünnem Eis - das Sprichwort hat hier seinen Ursprung, und die Gefahr ist real.

Artikelbild und Social Media: Anastasiia Shavshyna/iStock (Symbolbild)

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