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Das erste Mal Wochenbett: SO hatte ich mir die erste Zeit mit Baby nicht vorgestellt

Kuscheliges Kennenlernen in der Baby-Bubble? Irrtum, das Wochenbett wird auch als viertes Trimester bezeichnet. Das ist es in der Tat, wie ich schmerzlich feststellte.

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Juni 2021, etwa einen Monat vor der Geburt meiner Tochter, erhielt ich hochschwanger allerlei gut gemeinte Ratschläge. „Schlaf noch mal, so viel du kannst“, „Genieß die Zeit und die Ruhe, die du noch hast“.

Also versuchte ich, mich zu entspannen. Ich las reihenweise Bücher. Ich aß, worauf ich Lust hatte. Legte mich zum Power-Nap hin. Mir war bewusst, dass es den Baby-Blues gibt, dass es sein kann, dass ich eine Wochenbett-Depression bekomme. Dass ich Schlafmangel haben werde. Die Wahrheit ist aber: Ich konnte mich nicht wirklich auf das Muttersein vorbereiten. Ich musste es erleben. Und das, was ich im Wochenbett erlebte, war eine der intensivsten und herausforderndsten Zeiten meines Lebens.

Die ersten Tage nach der Geburt

Ich erinnere mich noch sehr genau an das Gefühl, als wir mit unserer Tochter nach der Geburt nach Hause kamen. Sie schlief im Autositz in unserem Wohnzimmer. Ich starrte sie an. Dieses kleine alienhafte Wesen gehört jetzt zu mir, zu uns. Für immer, solange ich lebe.

Es trudelten Nachrichten ein. „Genieß die magische Zeit“ oder „Habt eine wunderschöne Wochenbett-Zeit“. In Teilen ist die bekannte „Baby Bubble“ auch wirklich magisch. Da wohnt auf einmal ein Mini-Mensch bei uns, wir sind jetzt eine Familie. Die Liebe zum eigenen Kind ist anders. Sie ist wie eine feste Größe, unumstößlich. Doch das Wochenbett wird in unserer Gesellschaft und in den sozialen Medien oft glorifiziert und romantisiert. Die „magische Zeit des Kennenlernens“ und der Mutter-Kind-Bindung geht mit körperlichen Schmerzen, Erschöpfung und emotionalen Tiefs einher.

Wochenbett: Fremd im eigenen Körper

Verschwitzt, ungewaschen und mit aufgequollenen Augen saß ich in den folgenden Tagen im Schlafzimmer. Meine Tochter, gerade ein paar Tage alt, lag in meinem Arm und trank an meiner Brust. Das sollte sie fortan alle 90 Minuten machen. „In den ersten sechs Monaten bist du untrennbar mit deiner Tochter verbunden“, sagte mir meine Hebamme. In der Tat fühlte ich mich nicht mehr wie ein eigenständiger Mensch. Das ist jetzt dein Leben, dachte ich. Erschlagen von der Nacht und einem Verantwortungsgefühl, das sich schwer auf meine Schultern legte, weinte ich mehrmals am Tag.

Was noch dazu kam: Ich fühlte mich fremd in meinem eigenen Körper. Der Bauch, der langsam zurückging, erlag der Schwerkraft. Meine Brüste spannten und erreichten die Größe einer Honigmelone. Dass eine Frau nach der Geburt weiterblutet, wusste ich. Was mir nicht klar war: dass ich jeden Tag für zwei Wochen etwa fünf bis sieben Binden voll bluten würde. Zudem war ich erschöpft. Ich hatte eine unkomplizierte Geburt, sie dauerte allerdings 34 Stunden. In den ersten drei Wochen im Wochenbett schaffte ich es gerade mal in den Garten. An Spaziergänge war nicht zu denken.

Hormoncocktail und Schlafmangel

Nach der Geburt fallen der Östrogen- und der Progesteronspiegel rapide ab. Dafür steigen Prolaktin (Milchbildung) und Oxytocin (Milchfluss, Bindung) an. Davon hatte ich gelesen. Doch wie sich diese Hormon-Achterbahn dann wirklich anfühlt, sollte ich schnell erfahren. Ich steckte mitten im Baby-Blues, hatte typische Stimmungsschwankungen, fand büschelweise Haare in der Dusche wieder und weinte in einer halben Stunde so viele Tränen wie in drei Stunden „Titanic“ nicht.

Der Schlafmangel ist in Kombination mit dem Hormoncocktail fatal. Ich gehöre zu den Menschen, die morgens grundsätzlich nicht reden möchten, die Kaffee brauchen, um klarzukommen. Da ich meine Tochter stillte, durfte ich einen großen Becher pro Tag trinken. Er sollte mein Highlight am Morgen werden. Doch wenn man nachts alle zwei bis drei Stunden zum Stillen geweckt wird und wegen jedem Zucken des kleinen Wesens aufschreckt, hilft Koffein nur bedingt. Schlafmangel ist erwiesenermaßen eine Foltermethode. Ich fühlte mich elend.

Purple Crying nicht nur beim Baby

Als meine Tochter etwa zwei Wochen alt war, schrie sie fortan jeden Abend um dieselbe Zeit. Um 17 Uhr ging es los, um 21 Uhr endete die Schreiphase, manchmal auch etwas früher. Fachleute nennen das PURPLE Crying: Peak of crying (Höhepunkt), Unexpected (unerwartet), Resists soothing (trotzt Beruhigung), Pain-like face (Schmerzgesicht), Long-lasting (anhaltend) und Evening (abends schlimmer). Abwechselnd versuchten mein Mann und ich, unser Baby zu beruhigen. Fliegergriff, an die Brust legen, Hautkontakt, durch den Raum tragen, Summen, Singen, da sein.

Das Stillen klappte im Grunde gut, doch meine Hebamme ermunterte mich dazu, die Stillposition zu wechseln. Baseballgriff, im Liegen, Rückenhaltung. Das setzte mich unter Druck, denn nur die Wiegehaltung funktionierte. Bis ich verstand, dass das kein Problem darstellt, sollten einige Zeit und Kopfzerbrechen vergehen.

Dazu gesellte sich Clusterfeeding. Meine Tochter wollte nonstop an die Brust, meistens abends, stundenlang. Meine Brustwarzen schmerzten. Unter dem Schreien meines Kindes gönnte ich mir zwei Minuten Pause. Wobei: Zählt ein Klogang als Pause? Wohl kaum. Er ist eine Notwendigkeit, ein Grundbedürfnis.

Das Wochenbett ist ein hartes Brett

Obwohl mein Mann alles übernahm, was er konnte, von Frühstück zubereiten über Wickeln bis hin zum Putzen der Wohnung, war ich schrecklich überfordert (er im Übrigen auch). Den Umgang mit ambivalenten Gefühlen (die bis heute real sind) empfinde ich rückblickend als am schwierigsten.

Da ist dieses kleine, zuckersüße Wesen, das ich über alles liebte – und das mir den letzten Nerv raubte, meine Energie wie ein Vampir aus mir raussaugte. Ich freute mich über das erste Lächeln und ruhige Momente, wenn mein Kind einfach in meinem Arm schlief. Gleichzeitig war ich so erschöpft vom vielen Halten und Wiegen, denn sobald ich sie ablegte, wachte sie auf und weinte. Mein Kopf braucht lange, um zu begreifen, dass sich das Leben nun geändert hat. Dass da jetzt ein Kind ist, das versorgt werden muss. Jeden Tag, 24 Stunden.

„Das Wochenbett ist ein hartes Brett. Aber es geht vorbei“, schrieb mir eine langjährige Freundin, als ich noch mittendrin war. Recht hatte sie.

Artikelbild und Social Media: iStock/FatCamera