Die Gefahr der versteckten Magersucht

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Warum Magersüchtige nicht dünn sein müssen, um krank zu sein

Wann ist jemand magersüchtig? Wenn kein Körperfett mehr sichtbar ist? Falsch! Magersucht ist in erster Linie eine psychische Erkrankung und für einen Außenstehenden nicht auf Anhieb erkennbar. Über die Gefahr der versteckten Krankheit.

Untergewicht ist nur eines von vielen Symptomen der Magersucht (Anorexie). Weil es wohl das auffälligste Anzeichen ist, wird ihm allerdings die größte Aufmerksamkeit geschenkt - auf Kosten anderer Indikatoren.

Dabei ist Magersucht in erster Linie eine seelische Erkrankung. Die psychischern Symptome sind:

  • kreisende Gedanken um Ernährung, Gewicht und Körperschema / strikte Kontrolle der Nahrungsaufnahme
  • große Angst vor Gewichtszunahme
  • Selbstwert ist stark vom eigenen Körpergewicht abhängig
  • Ablehnung des eigenen Körpers, sowie gleichzeitige Fixierung auf selbigen
  • verzerrte Körperwahrnehmung
  • Libido-Verlust
  • Krankheitsverleugnung

Die körperlichen Symptome sind dagegen bekannter:

  • Verzicht auf vermeintlich "dick machende" Lebensmittel
  • Einnehmen von Appetitzüglern und / oder Abführmitteln
  • exzessive sportliche Betätigung
  • niedriges Körpergewicht
  • selbst herbeigeführter Gewichtsverlust, etwa durch Erbrechen oder / und Vermeidung von Essen

Die psychischen Faktoren (oben) treten immer häufiger auch bei Jugendlichen und Erwachsenen auf, die normal- oder übergewichtig sind. Diese "nicht sichtbare", a-typische Art der Magersucht bezeichnen Psychologen als "Anorexia nervosa."

Nachgewiesen hat dies eine Studie der australischen Melbourne University , die 256 Jugendliche mit Essstörungen untersuchte. Zwar litten die meisten von ihnen an der "klassischen" Magersucht (118 Patienten). Allerdings krankten auch 42 der untersuchten Jugendlichen an der a-typischen Variante.

Ist Magersucht auch für Mollige lebensgefährlich?

Unabhängig vom Gewicht, löst Magersucht körperliche und psychische Schäden bei den Betroffenen aus. Zwar verhungern sie nicht (so schnell), wie stark untergewichtige Magersüchtige. Allerdings ist auch ihre körperliche Gesundheit aufgrund der Mangelernährung (z.B. durch Verzicht auf zahlreiche Lebensmittel, auch "gute Fette") erheblich in Gefahr.

Die psychische Belastung ist bei normal- und übergewichtigen Magerüchtigen allerdings um einiges höher, als bei den untergewichtigen Betroffenen. Grund dafür ist der große Kontrast zwischen dem eigenen Aussehen und dem Aussehen des "Idealbilds", sowie das oft vorausgehende Mobbing (bei übergewichtigen Jugendlichen).

Besonders häufig tritt a-typische Magersucht bei jenen Menschen auf, die zuvor über zehn Prozent des Körpergewichts verloren haben, so das Ergebnis der australischen Studie.

Wie wird a-typische Magersucht behandelt?

Diese Art der Magersucht wird erst spät erkannt - oft erst, wenn auch diese Betroffenen ins sichtbare Unterewicht abrutschen. Doch bis es so weit kommt, vergeht mehr Zeit - Zeit, in der die Betroffenen immer stärkere psychische Leiden entwickeln und häufig an Depressionen erkranken.

Folgenschwer ist schließlich nicht bloß die hinzukommende Depression, sondern auch die bleibenden körperlichen Schäden: Je später eine Magersucht - ega welcher Art - behandelt wird, desto niedriger ist die Chance einer Heilung.

Jede Art von Magersucht kann nur mit der entsprechenden Psychotherapie behandelt werden. In schwerwiegenden Fällen werden parallel zur Therapie auch Antidepressiva und Beruhigungsmittel zur Behandlung eingesetzt.

(ww7)

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