Das sagt die Forschung

Eltern, Partner, Kollegen: Altern wir durch schwierige Beziehungen schneller?

Einer aktuellen Studie zufolge könnte der Umgang mit schwierigen Menschen das biologische Alter beeinflussen.

Eine Frau berührt mit den Fingerspitzen ihre Stirn, während sie sich unwohl fühlt.
Während positive Beziehungen einen positiven Effekt auf uns haben, könnten negative Beziehungen das Gegenteil bewirken. Foto: South_agency/iStock
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Kennst du das Gefühl, dass dich bestimmte Menschen einfach nur Kraft kosten? Genau dieses Bauchgefühl wurde jetzt sogar wissenschaftlich untersucht. Wie die Washington Post berichtet, suggeriert eine aktuelle Studie: Menschen, die wir als besonders schwierig oder belastend empfinden, könnten uns tatsächlich schneller altern lassen!

Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences. Die Forschenden nahmen dabei sogenannte „Hasslers“ unter die Lupe. Darunter verstehen die Wissenschaftler*innen „Personen, die regelmäßig Probleme verursachen oder uns das Leben unnötig schwer machen.“

Das überraschende Ergebnis: Wer viele solcher „Hasslers“ im direkten Umfeld hatte, wies ein höheres biologisches Alter (Zustand von Zellen und Organen) auf, als es dem tatsächlichen Lebensalter entsprach. Heißt im Klartext: Dauerstress durch anstrengende Menschen könnte unseren Körper schneller altern lassen.

Studien-Ergebnisse: Altern wir durch anstrengende Menschen schneller?

Die Forschenden werteten die Daten von über 2.000 Teilnehmenden im US-Bundesstaat Indiana aus. Diese beantworteten Fragen zu ihren sozialen Kontakten in den vergangenen sechs Monaten. Zusätzlich wurden Speichelproben entnommen und auf DNA-Veränderungen untersucht, die mit dem biologischen Alterungsprozess zusammenhängen.

Knapp 30 Prozent der Teilnehmenden berichteten, mindestens einen „Hassler“ in ihrem Umfeld zu haben. Häufig kamen diese stressigen Personen aus der eigenen Familie. Vor allem Eltern und Kinder wurden öfter als belastend beschrieben als die*der eigene (Ehe-) Partner*in. Bei außerfamiliären Beziehungen handelte es sich bei den „Hasslern“ häufiger um Kolleg*innen oder Mitbewohner*innen als um enge Freund*innen.

Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass sich das Tempo des biologischen Alterns pro belastender Person im Umfeld um etwa 1,5 Prozent erhöht. Das klingt zunächst wenig. Umgerechnet bedeutet es jedoch, dass der Körper pro Jahr rund 5,5 Tage schneller altert. Über einen Zeitraum von zehn Jahren summiert sich das auf etwa zwei zusätzliche Monate biologischen Alters im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne diesen Dauerstress. Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler*innen, dass es sich dabei um einen ungefähren Wert handelt.

„Diese Ergebnisse legen nahe, dass belastende Personen im sozialen Umfeld einen bislang unterschätzten, aber bedeutsamen biologischen Risikofaktor darstellen könnten“, erklären die Autor*innen der Studie auf „The Spokesman

Die Wissenschaftler*innen bezogen in ihre Auswertung auch weitere Faktoren ein, darunter den Beruf, belastende Erlebnisse in der Kindheit sowie das Rauchverhalten. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Aspekte zeigte sich ein Zusammenhang zwischen schwierigen sozialen Beziehungen und einem beschleunigten biologischen Altern.

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"Hassler" als Stressquelle

Nach Einschätzung der Forschenden können schwierige Beziehungen wie dauerhafte Stressquellen wirken. Während unterstützende soziale Kontakte mit besserer Gesundheit und einer höheren Lebenserwartung verbunden werden, könnten belastende Beziehungen genau das Gegenteil bewirken. Gleichzeitig stellen die Studienautor*innen klar, dass ihre Untersuchung keinen eindeutigen Ursache‑Wirkungs‑Beweis liefert.

„Wir wissen nicht, ob belastende Personen tatsächlich dazu führen, dass Menschen schneller altern“, erklärte Studienleiter Byungkyu Lee, Soziologe an der New York University. Die Ergebnisse zeigten lediglich einen statistischen Zusammenhang zwischen schwierigen sozialen Beziehungen und dem Tempo des biologischen Alterns.

Zudem gibt der Ärztenachrichtendienst (änd) zu bedenken, dass die schwierigen Beziehungen lediglich anhand der Selbstangaben der Befragten erfasst wurden. Weitere Arten negativer sozialer Erfahrungen seien nicht in die Analyse eingeflossen.

Dennoch betont das änd, dass die Studie auf einen bislang wenig beachteten Aspekt aufmerksam mache und die Sicht auf den Einfluss sozialer Faktoren auf unsere Gesundheit um eine wichtige Dimension erweitere: „Nicht nur fehlende Unterstützung, sondern aktive soziale Belastung kann biologische Alterungsprozesse vorantreiben.“

Maßnahmen, die gesundes Altern fördern sollen, sollten daher nicht nur positive Beziehungen stärken, sondern ebenso darauf abzielen, schädliche soziale Verbindungen zu verringern, so das änd weiter.

Auch die Studienautor*innen raten dazu, den Umgang mit belastenden Personen bewusst zu steuern und klare Grenzen zu ziehen. In manchen Situationen könne es hilfreich sein, den Kontakt zu reduzieren oder sich professionelle Unterstützung zu suchen, um Konflikte aufzuarbeiten.

Zugleich unterstreichen die Expert*innen, wie wichtig verlässliche, unterstützende Beziehungen sind. Ein stabiles soziales Umfeld könne sich positiv auf die Gesundheit auswirken und mögliche negative Einflüsse (zumindest teilweise) abfedern.

Denn nicht nur belastende Beziehungen sind problematisch. Auch soziale Isolation kann Gesundheitsgefahren bergen. Laut WHO steht Einsamkeit weltweit mit rund 871.000 Todesfällen pro Jahr in Zusammenhang.