LiebeslebenEmotionale Abhängigkeit vom Partner: Test und Ursachen

Inhalt
  1. Emotionale Abhängigkeit ist für Betroffene kaum zu erkennen
  2. Weshalb macht sie das mit? Ein Beispiel aus der Paarberatung
  3. Muss man für die Liebe Opfer bringen?
  4. Wie emotionale Abhängigkeit dich krank macht
  5. Test für Emotionale Abhängigkeit
  6. Wie kann ich mich aus emotionaler Abhängigkeit lösen? 

Emotionale Abhängigkeit - Hier erfährst du per Test, ob deine Beziehung auf emotionaler Abhängigkeit basiert und was die Ursachen dafür sein können.

 

Emotionale Abhängigkeit ist für Betroffene kaum zu erkennen

Wie erkennst du emotionale Abhängigkeit? Wenn du selbst betroffen bist, möglicherweise gar nicht. Du spürst allerdings, dass du dich in der Beziehung nicht so gut fühlst, wie du könntest, dass irgendwas viel zu anstrengend und mühsam ist, um richtig zu sein. Wer in einer emotionalen Abhängigkeit steckt, erkennt dies möglicherweise zuletzt.

Emotionale Abhängigkeit ist keine Liebe, sondern geprägt durch Angst vor dem Alleinsein.
Emotionale Abhängigkeit ist keine Liebe, sondern geprägt durch Angst vor dem Alleinsein.
Foto: iStock

Woran emotionale Abhängikeit erkennbar ist, erläutert hier Eric Hegmann, Paarberater und Parship-Coach.

 

Weshalb macht sie das mit? Ein Beispiel aus der Paarberatung

Ein leider sehr typischer Fall aus der Paarberatung zeigt, wie schwierig es fallen kann, ein System zu erkennen, solange man sich selbst darin befindet und Teil des Systems (und des Problems) ist.

Ein Paar kommt in die Beratung, sie führen seit fünf Jahren eine On-Off-Beziehung. Es stellt sich heraus, immer wieder vernachlässigt er sie, denkt nur an sich, zieht sein eigenes Ding durch ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse.

Sie droht mit Trennung, zwei Mal beendet sie die Beziehung tatsächlich, aber nach wenigen Monaten kehrt er zurück, reuevoll, entschuldigt sich, macht Versprechungen, sie lenkt ein und das Paar kommt wieder zusammen.

Von außen betrachtet fragt sich ein Betrachter: Weshalb macht sie das mit? Er scheint sich doch nicht zu ändern.

 

Muss man für die Liebe Opfer bringen?

Diese Frage wird natürlich in der Paarberatung herausgearbeitet, sie ist wie der berühmte „rosa Elefant“ im Zimmer, den jeder sieht, über den aber niemand spricht. Eine sehr typische Antwort könnte lauten: „Weil er die Liebe meines Lebens ist. Ich weiß, wir gehören zusammen. Er ist nun einmal so. Aber das nehme ich in Kauf, um mit ihm zusammen zu sein. Für die Liebe muss man auch Opfer bringen. Und irgendwann wird er verstehen, dass ich die Einzige für ihn bin.“

 

Wie emotionale Abhängigkeit dich krank macht

Ist eine solche bedingungslose Haltung tatsächlich Liebe? Zunächst fühlt es sich für die Betroffene offenbar so an. Auf das Warum komme ich später noch zu sprechen. Zunächst einmal vorweg: Liebe, die keinen Selbstwert kennt, macht krank. Sie schädigt die Betroffenen nicht nur für diese Beziehung, die sie gerade führen, sondern auch für die folgenden. Das macht sie besonders gefährlich.

Wie weit darf Liebe gehen? Keine Frage, Liebe macht glücklich. Liebe ist es wert, zu investieren, Liebe ist es wert, Kompromisse einzugehen, Liebe ist es wert, nicht nur das Ich, sondern auch das Wir zu berücksichtigen, bevor man in einer Beziehung eine Entscheidung trifft.

Nur: wann ist der Wunsch nach Liebe nicht mehr wohltuend, wann ist er ein Zwang?

Vereinfacht gesagt: Wer Liebe benötigt und braucht, macht sich emotional abhängig.

Wer an einer unglücklichen Beziehung festhält, weil die Furcht vor dem Alleinsein schwerer wiegt, als die schmerzhaften Auseinandersetzungen mit dem Partner, der leidet unter der vermeintlichen Liebe und benötigt Hilfe und Unterstützung. Genauso wie dies ein Alkohol- oder Drogenabhängiger benötigen würde.

 

Test für Emotionale Abhängigkeit

Ein kleiner Test, der aufzeigen kann, ob deine Liebe zu selbstlos und zu bedingungslos geworden ist und dir schadet:

  1. Bist du alles in allem mit deinem Partner und deiner Beziehung eher unglücklich als glücklich?
     
  2. Vermutest du, du könntest mit deinem Partner glücklich werden, würde er sich nur ein wenig ändern?
     
  3. Hast du diesen Wunsch, den Partner zu ändern, auch in früheren Beziehungen erlebt?
     
  4. Stellst du dir manchmal eine ganz andere Beziehung vor mit dem Menschen, mit dem du zusammenlebst, als du tatsächlich führst?
     
  5. Schwächt dein Partner immer wieder dein Selbstwertgefühl?
     
  6. Lässt du dich leicht durch schöne Worte deines Partners besänftigen, obwohl er die durch seine Taten und Verhaltensweisen nicht bestätigt?
     
  7. Bist du besitzergreifend in deinen Beziehungen?
     
  8. Machst du manchmal deinen Partner für dein Unglücklichsein verantwortlich?
     
  9. Fürchtest du, dass du ohne deinen Partner nicht überleben könntest?
     
  10. Benötigst du von deinem Partner und deiner Umwelt viel Anerkennung, um dich gut zu fühlen?
     
  11. Fühlst du dich auch in Gesellschaft deines Partners oft einsam und unverstanden?
     
  12. Bist du überzeugt, die Liebe sei es wert, alles für sie zu tun und alles zu opfern?

Wenn du mehr als vier bis sechs dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, besteht zumindest die Gefahr, dass du in Beziehungen in eine emotionale Abhängigkeit gerätst.

Emotionale Abhängigkeit zeigt sich beispielsweise auch in Kontrollverhalten, rasender Eifersucht und dominantem Besitzverhalten. Typisch wäre eine Drohung, dass dein Partner ohne dich nie wieder glücklich werden wird.

Emotionale Abhängigkeit ist eine Form von Verlustangst und zeigt sich oft in übermäßiger Sorge vor Betrug. Betroffene verdächtigen ihre Partner beispielsweise, dass sie untreu wären, obwohl es keinen Anlass gibt.

 

Wie kann ich mich aus emotionaler Abhängigkeit lösen?
 

Verlustangst ist extrem schmerzhaft und ist Zeichen eines ängstlichen Bindungsverhaltens. Ein ängstlicher Bindungsstil wird beispielweise in der frühen Kindheit geprägt. Er zeichnet sich durch die Überzeugung aus, sich Liebe erst verdienen zu müssen. Gleichzeitig herrscht der Gedanke vor, dass einzig Liebe zu einer bestimmten Person glücklich machen kann und dass nur in dieser einer Beziehung zu leben, überhaupt erst das Leben lebenswert macht.

Die Mühe um die Liebe auf der einen Seite und die Abhängigkeit von Liebe und Anerkennung auf der anderen, quält die Betroffenen ununterbrochen. Sie fühlen sich ständig, als würde ihnen etwas fehlen.
Manchmal geht das soweit, dass selbst wenn sie von ihrem Partner Zuneigung erfahren, diese nicht wertschätzen oder nicht glauben können.

Emotionale Abhängigkeit ist direkt mit dem Selbstwertgefühl verknüpft.

  • Je niedriger das Selbstwertgefühl, umso eher neigt man dazu, den Partner für das eigene Glück und die eigene Sicherheit in allen Lebenslagen verantwortlich zu machen.
     
  • In Beziehungen befürchtet der emotional Abhängige, ohne den anderen hilflos zu sein. Der Satz: „Du bist alles, was ich habe“, ist genau genommen kein Zeichen von Liebe, sondern ein Hilferuf. Denn der Partner soll eine Leere füllen, die man spürt, weil man mit sich selbst – und seiner Rolle im Leben – nicht im Reinen ist.
     
  • Das Loslassen von Verlustängsten ist meist ein Prozess, der nur mit externer Hilfe möglich ist. Denn die Ursachen liegen in frühkindlichen Erfahrungen, in der eigenen Haltung gegenüber dem so genannten „Inneren Kind“ und möglichen schweren Verletzungen des Selbstwertgefühls – das geht nicht einfach von alleine weg.

Emotionale Abhängigkeit ist nicht romantisch, emotionale Abhängigkeit ist keine Liebe, denn Liebe ist freiwillig, ein Geschenk.

Suche dir deshalb Unterstützung, wenn du denkst, du bist betroffen - beispielsweise durch einen Psychotherapeuten. Es genügt leider nicht, die Beziehung zu beenden, in der du so unglücklich bist. Ohne Unterstützung und Veränderung deines Selbstwertes wirst du höchstens von einer Beziehung einer emotionalen Abhängigkeit in die nächste geraten. Und das Leben ist zu kurz für solche Beziehungen.

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Video: 11 Anzeichen für eine gefühlskalte Beziehung

 

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