Verbrechen

Daniel († 4): Ermordet von der eigenen Mutter - Niemand hielt sie auf...

Warum der schreckliche Tod des kleinen Daniel nicht vergessen werden darf...

Warum der schreckliche Tod des kleinen Daniel nicht vergessen werden darf...
Foto: Artikelbild & Social Media: Sitikka / iStock

Während die anderen Kinder im Hof der Vorschule spielen, steht ein Junge abseits bei den Mülltonnen. Er greift hinein, sucht, dann steckt er sich ein weggeworfenes Brot in den Mund. Eine Lehrerin beobachtet die Szene, aber sie schaut weg. Wenige Stunden später ist der Vierjährige tot – umgebracht von seiner eigenen Mutter Magdalena Łuczak (27) und ihrem Freund Mariusz Krezołek (33) …

Der kleine Daniel wurde von der eigenen Mutter ermordet: War die Gräueltat absehbar?

2009 lernt Magdalena, arbeitslos und alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, den Berufssoldaten Mariusz kennen. Nach einer heftigen Schlägerei ist er beim polnischen Militär entlassen worden, jetzt lebt er von Sozialhilfe. Doch das wenige Geld reicht, um Drogen und Alkohol für sich und Magdalena zu kaufen, 2010 zieht er bei ihr ein. Ihre beiden Söhne sind ihm von Anfang an ein Klotz am Bein, vor allem auf den kleineren Daniel hat er es abgesehen. Mariusz beschimpft ihn immer wieder als „zurückgeblieben“ und „wertlos“. So lange, bis irgendwann auch die labile Mutter daran glaubt. Wenn die beiden getrunken haben, lassen sie ihrem Hass freien Lauf: Über Monate hinweg wird der Junge geschlagen, bekommt kaum etwas zu essen und wird in ein dunkles Zimmer gesperrt. Die Türgriffe hat das Paar abgeschraubt, nicht mal auf die Toilette darf Daniel. Die Matratze auf dem Boden schimmelt und stinkt nach Urin. Im Januar 2011 wird Daniels erschreckender Zustand zum ersten Mal bekannt: Er wird ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem Mariusz ihm den Arm gebrochen hatte …

Ein Unfall, das Kind sei vom Sofa gefallen, versichert Magdalena dem Jugendamt. Man glaubt ihr …

Die Mediziner konnten nur noch Daniels Tod feststellen

Als Daniel im September in die Vorschule kommt, fällt auf, dass der Junge abgemagert ist – und dass er das Essen anderer Kinder stibitzt. Die Mutter erzählt von einem Gen-Defekt, an dem ihr Kind leide, der sorge auch für das Untergewicht. Wochen später entdecken die Lehrer Blutergüsse am Körper des Vierjährigen.

Es ist nicht zu fassen: Auch jetzt, wo alle Alarmglocken schrillen sollten, werden weder Polizei noch Jugendamt eingeschaltet.

Und so nimmt die Katastrophe weiter ihren Lauf: Im Februar 2012 drückt Magdalena ihren Jungen in der Badewanne so lange unter Wasser, bis er bewusstlos ist. An Mariusz tippt sie eine SMS: „Habe ihn ins Bett gelegt. Endlich Ruhe für mich.“

Als Magdalena Daniel am Mittag des 1. März von der Vorschule abholt, sehen ihn die Lehrer zu letzten Mal. Am Abend wird er zu Hause so brutal verprügelt, dass er ins Koma fällt. Dann schließt ihn die Mutter in seinem Zimmer ein. Erst am frühen Morgen des 3. März ruft sie den Notarzt. Ihr Sohn würde nicht mehr atmen … Die Mediziner können nur noch Daniels Tod feststellen. Bei der Obduktion werden 22 Blutergüsse und Würgemale gezählt, Todesursache war ein Blutgerinnsel im Gehirn, ausgelöst durch einen harten Schlag. Der Vierjährige wog zum Zeitpunkt seines Todes noch 10,4 Kilo – so viel wie ein 18 Monate altes Kind.

Das geschah mit dem Horror-Paar

Magdalena und Mariusz werden jeweils zu 30 Jahren Haft verurteilt. Ihre Tat macht wütend – und ratlos: Warum konnten sie tun, was sie getan haben? Warum griff keiner ein? Wieso versagten die Behörden? Auch weil alle lieber wegsahen, ist Daniel heute tot.

Ein Jahr nach ihrer Verurteilung begeht Magdalena Łuczak am 14. Juli 2015 in ihrer Zelle Selbstmord. Ein halbes Jahr später, am 27. Januar 2016, ist auch ihr inhaftierter Freund Mariusz Krezołek tot – er stirbt infolge eines Herzinfarkts.

Kindesmisshandlung erkennen und handeln!

Da sich Kindesmisshandlungen vor allem innerhalb der Familie ereignen, sind die Opfer auf Hilfe von außen angewiesen – und das umso mehr, je jünger sie sind. Doch wie kann man Misshandlung erkennen?

VERÄNDERTES VERHALTEN

Wird ein Kind geschlagen oder auf andere Weise körperlich misshandelt, so deuten fast immer sichtbare Verletzungen (blaue Flecken, Blutergüsse, Abschürfungen, Brand- und andere Wunden, Knochenbrüche) auf eine Gewaltanwendung hin. Einen Hinweis auf solche Verletzungen kann auch das Verhalten des Kindes geben, wenn es sich etwa weigert, nach dem Sport zu duschen, oder wenn es im Unterricht nie kurze Hosen oder T-Shirts trägt.

PSYCHISCHE GEWALT

Psychische Gewalt hinterlässt selten direkt sichtbare Spuren. In allen Fällen von Kindesmisshandlung können auch Verhaltensänderungen Hinweise sein: Wenn Kinder etwa besonders aggressiv oder auch still werden und sich aus ihrem sozialen Netz zurückziehen. Misshandelte Kinder können auch auf einmal einen starken Leistungsabfall oder unerklärliche Lern schwächen aufzeigen bzw. ohne fassbaren Grund Sprachstörungen aufweisen und wieder beginnen einzunässen.

VERNACHLÄSSIGUNG

Auch Vernachlässigungen können erkannt werden: ungepflegtes Äußeres, schmutzige, nicht alters- und witterungsgerechte Kleidung, unregelmäßiger oder kein Besuch der Kita oder Schule, Fehlen von Arbeitsmaterialien, Sportzeug oder Pausenbrot, wiederkehrender Insektenbefall wie z. B. Kopfläuse.

WAS KANN ICH TUN?

Schalten Sie Fachleute von Beratungsstellen, Jugendämtern und der Polizei ein – notfalls auch anonym. Elterntelefon („Nummer gegen Kummer“): Tel. 08 00-111 0 550, Kinder- und Jugendtelefon: Tel. 116 111

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Im Video: Kindesmissbrauch - So kannst du dein Kind schützen und aufklären!

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Autor: David Holscher / Redaktion Closer

Artikelbild & Social Media: Symbolbild, Sitikka / iStock