Natürliche Geburt

Geburt einleiten: Methoden, Risiken & wann das sinnvoll ist

Eine Geburt gilt als eingeleitet, wenn sie nicht auf natürlichem Wege beginnt. Wir haben mit der Hebamme Judith Wyss gesprochen und erklären, wann es sinnvoll ist, eine Geburt einzuleiten, was die Risiken sind und wie das funktioniert.

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Meist kommt es rund um den errechneten Geburtstermin zum Einsetzen der Wehen. Heißt, in der Regel setzen die Wehen auf natürliche Weise ein. Doch in einigen Fällen braucht der weibliche Körper Unterstützung. In der Regel ist das der Fall, wenn ein Risiko für Mutter oder Kind besteht. Wir verraten dir, wann das der Fall ist, wie eine Geburt eingeleitet wird und welche Risiken bestehen.

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Was bedeutet "Geburt einleiten" eigentlich?

Bei etwa 20 bis 25 Prozent aller Schwangerschaften kommt es zu einer Einleitung der Geburt. Bei einer Geburtseinleitung wird die Geburt durch das Auslösen von künstlichen Wehen versucht in Gang zu bringen. Wie lange die Einleitung dauert, lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Bei manchen Schwangeren kann es nach wenigen Stunden zur Geburt kommen, bei anderen Frauen kann es mehrere Tage dauern. Beide Szenarien sind völlig normal. Im Vordergrund einer eingeleiteten Geburt steht immer, dass eine sichere Geburtssituation für Mutter und Kind geschaffen ist.

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Wann ist die Einleitung einer Geburt sinnvoll oder notwendig?

Laut Hebamme Judith Wyss gilt: "Eine Einleitung der Geburt ist nur sinnvoll, wenn aus medizinischer Sicht ein Abwarten der natürlichen Wehentätigkeit die Gesundheit von Mutter und/oder Kind gefährden würde." Das kann verschiedene Ursachen haben. Wenn z.B. die Schwangerschaft stark überfällig ist, ergibt es Sinn die Geburt von deinem Arzt künstlich einleiten zu lassen. Ebenso, wenn es einen Blasensprung gab und 24 Stunden danach immer noch keine Wehen eingesetzt haben, da dies eine Infektionsgefahr für das Baby darstellt. Auch bei Schwangeren über 40 Jahren, Frauen mit Übergewicht, Diabetikerinnen oder Raucherinnen kann die Einleitung der Wehen ab der 42. Schwangerschaftswoche sinnvoll sein.

Bei manchen Frauen spielen hier auch persönliche Gründe mit: Zum Beispiel, wenn der Partner stationiert ist und die Geburt verpassen würde oder wenn es Totgeburten in der Vergangenheit gab. Eine Geburtseinleitung wird auch notwendig, um ein zu hohes Geburtsgewicht des Kindes und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt zu vermeiden.

Weitere Gründe für die Einleitung der Entbindung können sein:

  • zu wenig Fruchtwasser

  • eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie)

  • abnehmende Kindesbewegungen

  • Wunscheinleitung

Wichtig: Handelt es sich nicht um gesundheitliche Risiken, solltest du dies mit deiner Hebamme und deinem Arzt genau absprechen. Denn jede Frau bestimmt selbst, ob und wann die Geburt des eigenen Kindes eingeleitet werden soll. Entscheidet sich die Schwangere trotz des medizinischen Rates gegen das Einleiten der Wehen, muss sie schriftlich erklären, dass sie die Risiken selbst trägt.

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Welche Methoden gibt es für eine Geburtseinleitung?

Eine Geburt kann auf zwei Arten eingeleitet werden: medikamentös und mechanisch. Die Entscheidung, mit welcher Methode die Geburt bei einer Schwangeren eingeleitet wird, hängt von dem vaginalen Befund ab. Judith Wyss erklärt: "Bei einem unreifen vaginalen Befund wird mittels Prostaglandinen eingeleitet." Bei einem reifen vaginalen Befund, also wenn der Gebärmutterhals der werdenden Mutter bereits verkürzt ist, kann zu einem anderen Mittel gegriffen werden. Unsere Expertin: "Bei "reifen" Befunden wird mittels Infusion ein Wehenmittel direkt ins Blut verabreicht." Bei der medikamentösen Geburtseinleitung werden Mutter und Kind engmaschig kontrolliert und die Herztöne überwacht. Folgende Wirkstoffe kommen zum Einsatz:

  1. Oxytocin: Ist der Muttermund bereits weich und reif, die Geburt kommt aber nicht so richtig in Gang, wird das Hormon Oxytocin über eine Infusion verabreicht. Der Kalziumgehalt der Gebärmutterwand wird durch das Hormon erhöht, was Wehen fördern kann. Der sogenannte Wehentropf unterstützt außerdem die Produktion von Prostaglandinen, die wiederum den Muttermund weicher machen.

  2. Prostaglandine: Dieser werden in der Regel in Form von Tabletten, als kleines Tampon oder Gel verabreicht. Dieses Medikament sorgt dafür, dass der unreife Muttermund weicher wird, sich lockert und dann öffnet.

Bei der mechanischen Geburtseinleitung gibt es folgende Methoden:

  1. Eipollösung oder Zervix-Stripping: Die Eihaut ist die äußere Hülle der Fruchtblase und klebt an der Gebärmutterwand. Bei der Eipollösung wird die Eihaut von der Gebärmutterwand abgetrennt. Damit das gelingt, führen Ärzte oder Hebammen den Finger in die Vagina ein und massieren sanft den Gebärmutterhals. Ist die Eihaut abgelöst, produziert der Körper eine große Menge Prostaglandine, die wiederum den Muttermund weichmachen und Wehen auslösen. Das Zervix-Stripping wird Schwangeren in der Regel am Tag des Entbindungstermins angeboten.

  2. Ballon-Katheter: Bei dieser mechanischen Methode der Geburtseinleitung wird ein Ballon-Katheter vaginal eingeführt und mit Kochsalz gefüllt. So wird Druck auf den Muttermund ausgeübt und dieser dehnt sich aus. Dadurch produziert der Körper Prostaglandine, die den Muttermund reifen und somit Wehen auslösen kann - auch wenn dieser noch geschlossen ist. Zusätzlich kann Oxytocin verabreicht werden. Hatte die Schwangere bereits einen Blasensprung, kann diese Methode aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos nicht zum Einsatz kommen.

  3. Hygroskopische Dilatoren: Hierbei handelt es sich um dünne Stäbchen, welche aus Hydrogel bestehen und sanft den Gebärmutterhals erweitern. Drei bis fünf Stäbchen werden in der Regel in den Muttermund eingeführt, dort nehmen sie innerhalb von Stunden Flüssigkeit auf, welche diese aufquellen lässt. Der Gebärmutterhalskanal öffnet sich und wird weicher. Die Prozedur dauert zwischen 12 und 24 Stunden. Frauen mit einem verkürzten Gebärmutterhals profitieren von dieser Methode ebenso wie Frauen, die bereits einen Kaiserschnitt hatten. Hygroskopische Dilatoren gelten als besonders sanft und gut verträglich. Bei einer bestehenden Infektion im Genitalbereich wird von der Methode jedoch abgeraten.

Welche Risiken gibt es bei der Geburtseinleitung?

Eine sogenannte Hyperkontraktion, also häufigere oder länger andauernde Wehen, können die Folgen einer Geburtseinleitung sein. Dadurch kann die Sauerstoffversorgung des Babys über die Plazenta beeinträchtigt werden, was wiederum zu Sauerstoffmangel und im schlimmsten Fall zum Kindstod führen kann. Da Mutter und Baby während der Einleitung jedoch streng überwacht werden, kommt es nur sehr selten zu solchen Komplikationen. Weitere mögliche Risiken sind: vorzeitige Ablösung der Plazenta sowie eine Uterusruptur und Herzprobleme der Mutter, wie ein zu schneller Herzschlag während der Geburt.

Viele Frauen erleben eine künstlich eingeleitete Entbindung als besonders schmerzhaft, was aber vor allem daran liegt, dass der weibliche Körper nicht ausreichend Zeit hat, um schmerzunterdrückende Hormone, auch Endorphine genannt, auszuschütten. Die Gabe von schmerzstillenden Medikamenten kommt daher bei Geburtseinleitungen häufig zum Einsatz.

Was dürfen Schwangere nicht essen?

Hausmittel: Wie kann die Wehentätigkeit noch gefördert werden?

Ist der Geburtstermin bereits verstrichen, können Schwangere auch selbst aktiv werden und versuchen, die Wehen anzuregen. Hier kommen die besten Maßnahmen für zu Hause, die wehenfördernd sein können:

  • Bewegung ist in der letzten Phase der Schwangerschaft für Mutter und Kind essenziell. Ein Spaziergang, Putzen und Treppensteigen können die Wehentätigkeit fördern, allerdings sollten sich Schwangere nicht übernehmen, um Erschöpfung zu vermeiden.

  • Sex gilt ebenfalls als wehenfördernd. Aus zwei Gründen: Im Sperma in das Hormon Prostaglandin enthalten, welches den Muttermund lockert und somit Wehen fördert. Zum anderen schüttet der Körper der Frau beim Orgasmus das Hormon Oxytocin aus, was wiederum bewirkt, dass sich der Muttermund zusammenzieht. Diese Kontraktionen regen die Wehentätigkeit an. Als Wehenauslöser funktioniert Sex jedoch nur, wenn Frau und Baby geburtsbereit sind.

  • Ein warmes Vollbad kann ebenfalls helfen. Das warme Wasser sorgt für Entspannung und kann die Wehentätigkeit anregen. Bei Kreislaufproblemen das sofort Bad beenden, außerdem sollte zur Sicherheit eine weitere Person anwesend sein. -> Baden in der Schwangerschaft: Diese 5 Tipps solltest du beachten!

  • Ebenfalls wehenfördernd sind Himbeerblättertee (ab der 37 SSW., bis zur 4 mal täglich), eine sanfte Bauchmassage (kreisende Bewegungen oberhalb des Bauchnabels), scharfes Essen und koffeinhaltige Getränke (in Maßen) sowie Akupunktur, Homöopathie, Akupressur und eine Fußreflexzonenmassage.

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Achtung: Eine eigenmächtige medizinische oder künstliche Einleitung wie in der Klinik wird für zu Hause nicht empfohlen und kann gefährlich sein!

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