LaufkolumneHalbmarathon-Challenge: Wir haben es geschafft und sind ins Ziel gekommen

Monatelang haben wir uns auf den Halbmarathon vorbereitet und am Sonntag sind wir ihn endlich gelaufen. Warum der Lauf ganz anders war, als wir erwartet haben. 

Inhalt
  1. Halbmarathon-Fazit von Maren 
  2. Halbmarathon-Fazit von Tina
  3. Was wäre gegangen, wenn ...?

Hamburg, 30. Juni, 9:55 Uhr, 29 Grad im Schatten und die Sonne brennt. Wer in der Hansestadt lebt weiß, solche Temperaturen sind selbst im Hochsommer eher ungewöhnlich bei uns im hohen Norden. Bis zum Mittag kletterten die Temperaturen auf knapp 35 Grad. Für jeden Hobby-Läufer wurde der Halbmarathon zur Hitzeschlacht. Uns ging es nicht anders. Wir haben es ins Ziel geschafft, aber schon vor dem Start war klar: Heute geht es nur ums Ankommen. Ein unbefriedigendes Gefühl für jeden echten Läufer. 

 

Halbmarathon-Fazit von Maren 

"Schon Tage vorher hat mich das Wetter beschäftigt, das es so heiß werden würde, hätte ich nie gedacht. Bei Temperaturen von weit über 30 Grad hatten Tina und ich uns schon vorher darauf geeinigt: Wir wollen gesund ins Ziel kommen! Unsere angepeilte Zielzeit haben wir schnell ad acta gelegt und obwohl es das einzig Richtige war, ist es das, was mich am meisten wurmt. Aber mehr war einfach nicht drin. Bereits nach dem ersten Drittel der Strecke waren die Beine schon so schwer wie kurz vorm Ziel. Was vor allem an den Temperaturen, der sengenden Sonne und der schlechten Versorgung an der Strecke lag. An jedem Wasserstand mussten die Läufer warten, bis sie etwas zu Trinken bekamen. Und am Ende, gab es sogar gar kein Wasser mehr. Kein Wunder, das so viele Läufer kollabierten.

Und auch ich hätte nach der Hälfte der Strecke am liebsten aufgegeben. Meine Beine wollte nicht mehr und mein Kopf auch nicht. Wir sind aber als Team angetreten und so wollten wir auch ins Ziel, aufgeben war also zu keinem Zeitpunkt eine Option. Der wichtigste Faktor, den ich in der Vorbereitung so gar nicht auf dem Zettel hatte: Teamwork makes the Dream work. Mein wichtigstes Learning lautet also: Jeder braucht einen Lauf-Buddy! Nicht nur zur Motivation, sondern weil es einfach ein gutes Gefühl ist, zur Seite zu sehen, in ein bekanntes Gesicht zu schauen und zu wissen: Ich muss da nicht alleine durch. Da zieht mich jemand mit, da versteht jemand, wenn ich ein Stück gehen muss, da reicht mir jemand Wasser, wenn ich es am dringendsten brauche und da ist jemand genauso froh wie ich, ins Ziel zu kommen. 

Warum blieb das Glückgefühl beim Zieleinlauf aus?

Dieses berühmte Glücksgefühl, von dem einem jeder Läufer vorschwärmt, der mal einen Halbmarathon oder gar die volle Distanz gelaufen ist, blieb jedoch aus. Keine Emotionen, kein Kloß im Hals, nur Erleichterung, dass wir es endlich geschafft haben. Vielleicht lag es am Blick auf die Uhr und die Enttäuschung darüber, dass wir einfach nur angekommen sind, auch wenn mein gesunder Menschenverstand mir sagt: Bei dem Wetter war nicht mehr drin! Mein Ehrgeiz und mein Läuferego haben jedoch einen kleinen Knacks bekommen. 

Mein Fazit lautet also: Ich bin einen Halbmarathon gelaufen, aber wirklich gefühlt habe ich ihn nicht. Was mache ich nun? Ich laufe einfach noch einen Zweiten. Im Herbst, bei typischem norddeutschen Schiet-Wetter, denn das ist genau mein Ding. Und dann laufe ich meine Zeit, hole mir beim Zieleinlauf hoffentlich das Glücksgefühl ab und kann sagen: Ich bin einen Halbmarathon gelaufen, und ich bin stolz auf diese Leistung! Idealerweise mit meinem Lauf-Buddy Tina an meiner Seite!"

 

Halbmarathon-Fazit von Tina

"Heiß, heißer, Halbmarathon. Ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie wir mit all den vielen anderen Läufern am Start standen und darauf gewartet haben, dass es endlich los geht. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gedacht: 'Das kriegen wir hin. Im Schatten geht es ja.' Leider nur gab es dann auf den folgenden Kilometern kaum mehr Schatten und mir stellten sich immer wieder die Fragen, warum wir das hier gerade tun und wie wir es verdammt noch mal schaffen sollen, ins Ziel zu kommen - und das laufend. Ja, ich habe für den Halbmarathon trainiert. Ja, ich wusste, dass es heiß werden soll. Aber ich habe einfach nicht damit gerechnet, was das mit mir macht und wie sehr es meinen Körper beim Laufen zusätzlich beansprucht. Maren und ich haben auf unserem Weg Richtung Ziel jede Gelegenheit genutzt, Wasser zu trinken, unseren Körper unter jede Dusche und unter den Wasserstrahl jedes von wunderbaren Menschen zur Verfügung gestellten Gartenschlauchs manövriert. Das war auch wirklich nötig. Gerade die erste Hälfte des Halbmarathons war besonders anstrengend. Es hat sich angefühlt, als wären wir zu diesem Zeitpunkt schon die ganze Strecke gelaufen.

Letztendlich bin ich einfach froh, dass ich mich dieser Herausforderung nicht alleine stellen musste. Maren und ich hatten vorher schon besprochen, dass wir zusammen laufen wollten - und das haben wir getan. Wir haben zusammen geschwitzt, gelitten, dem anderen Wasser gereicht, sind zusammen gegangen und haben wieder Tempo aufgenommen bis wir schließlich im Ziel waren. Jetzt steht sogar die identische Zeit auf unseren Medaillen, bis auf die Sekunde genau. 

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Was wäre gegangen, wenn ...?

Diese Frage habe ich mir in den vergangenen Tagen oft gestellt. Wie schnell hätte ich sein können, wenn es nicht so heiß gewesen wäre? Bin ich stolz, dass ich es in Ziel geschafft habe? Ja, schon. Schließlich war es mein allererster Halbmarathon und es hätte unter diesen Bedingungen auch anders laufen können (das Wortspiel musste sein). Außerdem darf ich nicht vergessen, wo ich herkomme. Hallo, erinnert sich noch jemand an die Laufhasserin, die erst vor wenigen Monaten damit angefangen hat, sich überhaupt regelmäßig ihre Laufschuhe anzuziehen und das nicht nur, weil sie so bequem sind? Dennoch: Ich wäre gern schneller gewesen und hätte dann jetzt eine andere Zeit auf der Rückseite meiner Medaille stehen. 

Doch etwas Tolles ist bei dieser Challenge herausgekommen: Ich habe eine neue Sportart für mich entdeckt, die ich sehr schätze und die mich ungemein entspannt. Ich freue mich schon darauf, in den nächsten Wochen ohne Druck laufen zu gehen, in dem Wissen, dass ich gerade einfach nur so zum Spaß und nicht weil ich trainieren muss die Kilometer zurücklege. Wobei es könnte sein, dass ich schon den zweiten Halbmarathon im Blick habe - und zwar im Herbst. Wenn Maren und ich dann noch wieder gemeinsam an den Start gehen, sehe ich nichts, was uns aufhalten sollte."

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