Mehr als nur Schwangerschaftsübelkeit

Hyperemesis gravidarum: Wann handelt es sich um eine schwere Schwangerschaftsübelkeit?

Die meisten Frauen leiden unter Übelkeit während der Schwangerschaft, doch ein kleiner Prozentteil leidet unter einer besonders schweren Form der Hyperemesis gravidarum. Was wirklich hilft, erfahrt ihr hier.

Hyperemesis gravidarum: Schwere Schwangerschaftsübelkeit
Foto: iStock/ nicoletaionescu

Schwangerschaft ist keine Krankheit, heißt es immer so leicht dahin gesagt. Schließlich leiden die meisten Frauen gerade in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft an Morgenübelkeit, Schwindel und lähmender Müdigkeit. Doch manchen werdenden Müttern ist nicht einfach nur übel, sie müssen sich tatsächlich mehrmals täglich erbrechen und das weit über das erste Trimester hinaus. Experten sprechen bei dieser besonderen schweren Form von Schwangerschaftsübelkeit von Hyperemesis gravidarum.

Den Unterschied zwischen einfacher Morgenübelkeit und schwerem Schwangerschaftserbrechen gilt es frühzeitig zu erkennen und auf keinen Fall die Symptome zu ignorieren oder runterzuspielen. Als Richtwert gilt, wer sich während der Schwangerschaft täglich mehr als fünfmal übergibt oder mehr als fünf Kilo des eigenen Körpergewichts verliert, leidet möglicherweise an Hyperemesis gravidarum. Bei diesen Warnsignalen solltet ihr unbedingt eure Gynäkologin oder euren Gynäkologen aufsuchen. Denn wenn sowohl Wasser- als auch Nährstoff- und Elektrolythaushalt gestört sind, kann das für Mutter und Kind schnell gefährlich werden.

Emesis oder doch Hyperemesis gravidarum (HG)?

Mehr als die Hälfte aller Frauen quält während der Schwangerschaft Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis gravidarum) - meistens in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft. Bei manchen Frauen dauert die Übelkeit bis über die 20. Schwangerschaftswoche hinaus. Aber auch wenn diese Begleiterscheinungen natürlich sehr herausfordernd für jede werdende Mutter sind, so sind sie meisten kein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung.

Anders verhält es sich jedoch mit der extremen Schwangerschaftsübelkeit der Hyperemesis gravidarum. Schätzungsweise drei Prozent aller Schwangeren sind in Deutschland betroffen. Das Krankheitsbild zeichnet sich vor allem durch starke Übelkeit und mehrfaches Erbrechen aus. Frauen, die an Hyperemesis gravidarum leiden, können meist kaum Nahrung oder Flüssigkeit bei sich behalten. Oft übergeben sich die Schwangeren bis zu zehnmal am Tag und verlieren in einem kurzen Zeitraum mehr als fünf Prozent ihres Körpergewichts.

Meist beginnt die Hyperemesis gravidarum zwischen der 6. und 8. Schwangerschaftswoche, also bereits im frühen Stadium der Schwangerschaft. Die schwere Schwangerschaftsübelkeit gehört auch zu den häufigsten Gründen eines Klinikaufenthalts während des 1. Trimesters. Experten unterscheiden hier in zwei Schweregraden: Frauen der HG Grad 1 leiden unter Übelkeit, Erbrechen und Krankheitsgefühl. Bei der HG Grad 2, der deutlich schwereren Variante, ist auch der Wasser- und Mineralhaushalt sowie der Stoffwechsel gestört.

Hyperemesis gravidarum: Welche Folgen hat die Krankheit für Mutter & Kind?

Leidet eine werdende Mutter unter einer starken Hyperemesis gravidarum, kann sie quasi kein Essen oder Trinken bei sich behalten, ohne es zu erbrechen. Die Übelkeit ist ein ständiger Begleiter und ist sowohl körperlich als auch seelisch eine starke Belastung.

Weitere Folgen einer starken Hyperemesis gravidarum können sein:

  • mehr als fünf Prozent Gewichtsverlust

  • Wassermangel und Dehydrierung

  • Störung des Elektrolythaushaltes

  • Mangel an Vitaminen, Fetten, Mineralstoffen und Zucker

  • Anstieg der Blutsäuren (Ketose)

Diese Mangelzustände können Folgen haben. Zu den Häufigsten gehören: Blutarmut (Anämie), Thrombosen sowie Nerven- und Gehirnerkrankungen. Durch das häufige Erbrechen können außerdem Schäden an der Speiseröhre entstehen. Experten haben außerdem einen Zusammenhang zwischen Hyperemesis gravidarum und Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen festgestellt.

Auch für das ungeborene Kind kann die Hyperemesis gravidarum Folgen haben. Zu den Häufigsten gehören:

Einen Zusammenhang zwischen Hyperemesis gravidarum und einem Spontanabort (Geburt vor der 20. SSW) sowie dem Kindstod im Mutterleib scheint es jedoch laut Experten nicht zu geben.

Was sind die Ursachen für die Hyperemesis gravidarum?

Die genauen Ursachen der Hyperemesis gravidarum sind leider noch nicht vollständig geklärt. Früher hieß es, die schwere Schwangerschaftsübelkeit sei eine rein psychisch bedingte Erkrankung, die Annahme ist aber völlig falsch und überholt. Vielmehr gehen Experten davon aus, dass es sich um eine multifaktorielle Krankheit handelt, sprich, mehrere Risikofaktoren führen zum Auftreten von schwerem Schwangerschaftserbrechen. Als Ursachen diskutieren Gesundheitsexperten genetische sowie hormonelle Gründe ebenso wie psychologische, soziokulturelle sowie ethnische Faktoren.

Auch der Magenkeim Helicobacter pylori könnte bei dem Krankheitsbild eine Rolle spielen. Studien haben ergeben, dass das Bakterium deutlich häufiger bei Schwangeren mit Hyperemesis gravidarum auftritt als bei werdenden Müttern ohne die schwere Krankheitsform. Als Ursache oder Folge konnte man das Bakterium jedoch noch nicht identifizieren. Weitere Risikofaktoren könnten das junge Alter der Schwangeren, die erste Schwangerschaft oder auch Mehrlingsschwangerschaften sein. Keine Rolle spielt laut Experten der Body-Mass-Index, Rauchen oder der wirtschaftliche Hintergrund der Schwangeren.

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Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der Hyperemesis gravidarum?

Eine Heilung bei Hyperemesis gravidarum gibt es derzeit nicht, jedoch können eine Änderung des Lebensstils sowie komplementäre Heilverfahren und Medikamente die Beschwerden der Betroffenen lindern.

Manchmal kann es helfen, wenn werdende Mütter gewisse Gewohnheiten in ihrem Leben ändern. Kleine, aber häufige Mahlzeiten sowie viel Ruhe können die Beschwerden zumindest ein bisschen lindern. Die Betroffenen sollten auf fettige und stark gewürzte Kost verzichten. Auch Gerüche im Haushalt, zum Beispiel beim Kochen, können die Übelkeit begünstigen, da die werdenden Mütter sehr geruchsempfindlich sind.

Ein bisschen Hoffnung gibt es jedoch, denn eine Reihe von komplementären Verfahren scheint tatsächlich bei Hyperemesis gravidarum zu wirken. Akupressur, Akupunktur, Elektrostimulation, aber auch autogenes Training, Massagen und homöopathische Mittel können die Beschwerden lindern. Heilpflanzen wie Kamille, Ingwer und Pfefferminze können ebenfalls helfen.

Bei schweren Verläufen der Krankheit kommen jedoch auch diese Methoden an ihre Grenzen. Dann können medikamentöse Maßnahmen wie Vitamin B6, Antihistaminika (Doxylamin), Dopaminantagonisten und H3-Antagonisten zum Einsatz kommen. Hier solltet ihr aber unbedingt mit eurem Arzt Rücksprache halten und auf keinen Fall selbst etwas ausprobieren.

Wenn du das Gefühl hast, an Hyperemesis gravidarum zu leiden, dich kraftlos fühlst und stark an Gewicht verloren hast, solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen oder dich ins Krankenhaus begeben. Dort kann dir beispielsweise durch künstliche Ernährung in Form einer Infusion oder Sonde geholfen werden.

Artikelbild und Social Media: iStock/ nicoletaionescu

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