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Frühgeburt: Was Eltern von Frühchen wissen müssen

Wenn ein Baby mehrere Wochen zu früh geboren wird, ist das für viele Eltern ein Schock. Hier findet ihr alle Infos rund um die Geburt eines Frühchens. 

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Wenn ein Säugling vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt, spricht man von einer Frühgeburt. Im europaweiten Vergleich hat Deutschland mit die höchste Zahl an Frühgeburten. Etwa 9 Prozent der Kinder werden in Deutschland zu früh geboren. Für Eltern ist das meist ein Schock. Hatten sie sich doch die Geburt ihres Kindes anders vorgestellt. Besonders hart ist es, wenn das Kind deutlich zu früh zur Welt kommt und lange Zeit im Krankenhaus verbringen muss. Für alle Eltern sind das sorgenvolle Wochen, bis zu dem Tag, an dem das Baby endlich entlassen wird und nach Hause darf. Und noch mehr als bei reifgeborenen Kindern haben die Eltern von Frühchen Sorgen, etwas falsch zu machen. Wir nehmen euch einen Teil dieser Angst klären auf.

Wann wird ein Frühchen aus der Klinik entlassen?

Wann ein Frühchen nach Hause darf, hängt von vielen Faktoren ab. Die zuständigen Ärzte entscheiden nach dem Allgemeinzustand und der Reife des Kindes. Diese sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet: 

  • Kann das Baby ohne Wärmebett selbstständig seine Körpertemperatur halten?
  • Atmet es alleine, regelmäßig und ohne Hilfe?
  • Trinkt es ausreichend an der Brust oder aus der Flasche?
  • Kann es selbst schlucken? 
  • Braucht es noch Medikamente oder Infusionen? 
  • Sind die Blutwerte stabil oder müssen sie noch täglich überprüft werden? 

Es gibt aber auch immer Ausnahmen: Ist das Kind in einem sehr guten Allgemeinzustand, kann es auch mit Magensonde oder Atemhilfe entlassen werden. In manchen Fällen ist ein mobiler Überwachungsmonitor für Zuhause nötig. Er dienst aber in erster Linie als Vorsichtsmaßnahme. 

Rooming-In als perfekte Vorbereitung für Zuhause

Viele Geburtskliniken verfügen mittlerweile über Rooming-In-Räume, wo Eltern gemeinsam mit ihren Kindern übernachten können. Durch die Betreuung in der Klinik, sind die meisten Frühchen-Eltern mit den Pflegemaßnahmen ihrer Kinder vertraut. Doch sobald sie Zuhause auf sich alleine gestellt sind und nicht mehr Kinderkrankenschwester oder ein Arzt anwesend sind und jederzeit helfend unter die Arme greifen kann, sind viele Eltern unsicher. Daher platziert alle Fragen in den Tagen vor der Entlassung eures Kindes. Beim Entlassungsgespräch mit dem zuständigen Arzt könnt ihr auch noch mal individuell den Tagesablauf durchgehen. Auch eure Hebamme wird euch in den ersten Tagen kräftig unterstützen. 

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Endlich Zuhause: Die ersten Tage

Alle Frühchen-Eltern fiebern dem Tag entgegen, an dem sie ihr Kind endlich mit nach Hause nehmen können. Damit ihr diese ersten kostbaren Tage auch wirklich genießen könnt, sorgt dafür, dass alles vorbereitet ist. Beistellbettchen und Wickelkommode mit Wärmelampe sind die wichtigsten Möbelstücke, die ihr für Zuhause braucht. 

Damit ihr in den ersten Tagen nicht einkaufen gehen müsst, legt euch genug Vorräte an und sorgt dafür das ausreichend Windeln, Pflegeprodukte, Babykleidung, Fläschchen und Sauger vorhanden sind. Wenn ihr eine Milchpumpe benötigt, kein Problem. Die könnt ihr einfach in der Apotheke ausleihen, die Kosten übernimmt die Krankenkasse. 

Die ersten Tage mit eurem Baby in den eigenen vier Wänden werden ungewohnt, ein bisschen stressig, aber wahnsinnig aufregend sein. Vermutlich werdet ihr es alle zwei bis drei Stunden füttern, mehrmals täglich die Windeln wechseln, aber vor allem viel kuscheln. Nehmt euch die Zeit, den Schock über die Frühgeburt richtig zu verarbeiten. Um eine feste Bindung zu eurem Baby aufzubauen, braucht ihr viel Hautkontakt, deshalb ist das sogenannten "Känguruhen" in dieser Zeit besonders wichtig. 

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Gönnt euch Ruhe - der Besuch kann warten

Natürlich wollen alle das Baby sehen, aber vertröstet Großeltern, Freunde und Verwandte noch ein bisschen. Damit ihr und euer Baby einen Rhythmus findet, braucht ihr Zeit und Ruhe. Darüber hinaus haben Frühchen eine deutlich niedrigere Reizschwelle als reifgeborene Kinder und reagieren schneller überfordert auf den ungewohnten Trubel. 

Da Frühchen außerdem ein schwächeres Immunsystem haben als termingerecht geborene Kinder, solltet ihr besonders auf die Hygiene achten. Flaschen, Sauger und Schnuller sollten nach jedem Gebrauch ausgekocht werden. Häufiges Händewaschen ist der beste Schutz gegen Erreger - das gilt auch für jeden Besucher. Wer leicht verschnupft ist, sollte seinen Besuch lieber vertagen. 

Netzwerk aktivieren und um Hilfe bitten

Scheut euch nicht davor, die Menschen in eurem Umfeld, um Hilfe zu bitten. Denn jede helfende Hand ermöglicht euch mehr Zeit für euer Kind. Bittet Freunde oder Nachbarn, für euch einkaufen zu gehen. Eltern oder Großeltern ab und zu für euch zu kochen oder sich stundenweise um das Geschwisterkind zu kümmern. 

Der Mutterschutz erhöht sich bei einer Frühgeburt übrigens automatisch von acht auf 12 Wochen. Die Krankenkasse zahlt in der Regel eine Haushaltshilfe, aber nur so lange, wie die Mutter im Krankenhaus ist. Wenn sich der Vater unbezahlten Urlaub nehmen möchte, tätigt die Krankenkasse eine Ausgleichszahlung. 

Bei allen gesundheitlichen Fragen steht euch euer Kinderarzt mit Rat und Tat zur Seite. Kümmert euch rechtzeitig um einen niedergelassenen Arzt, der idealerweise Erfahrung mit Frühchen hat. Damit eventuelle Defizite schnell identifiziert werden können, ist es wichtig, dass euer Kind gerade in den ersten Wochen und Monaten engmaschig untersucht wird, damit Fördermaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden können. Eure Hebamme wird euch ebenfalls unterstützen. Die Krankenkasse zahlt 10 Besuche, weitere können vom Kinderarzt verordnet werden. Wurde euer Baby mit Magensonde oder Beatmungsgerät entlassen, wird euch ein ambulanter Kinderpflegedienst unterstützen. 

Ihr seid nicht alleine

Eine Frühgeburt, besonders vor der 30. Schwangerschaftswoche, ist nicht nur eine schwere Belastung für das Kind, sondern auch für euch Eltern. Verdrängt den Schmerz über das Geschehene nicht, sondern holt euch Hilfe, wenn euch danach ist. Selbsthilfegruppen, Elterninitiativen oder psychologische Hilfe erhaltet ihr über den Bundesverband "Das frühgeborene Kind" e.V..

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