Verbrechen

Ich habe einen verurteilten Mörder geheiratet

Kacey lernte Travis kennen, da saß er bereits wegen Doppelmord im Gefängnis. Doch sie glaubt bis heute an seine Unschuld…

Kacey lernte Travis kennen, da saß er bereits wegen Doppelmord im Gefängnis. Doch sie glaubt bis heute an seine Unschuld…
Symbolbild Foto: chaiyapruek / iStock

Der kleine Koffer auf der Rückbank ist gepackt. Darin befinden sich Mascara, Lippenstift, Parfüm und schwarze Satinbettwäsche. Dann setzt sich Kacey hinters Steuer und fährt los. Ihr Ziel: das knapp vier Autostunden entfernte Calipatria State Prison in der kalifornischen Wüste. Hier wird sie auf ihren Ehemann treffen – einen verurteilten Mörder. Auf der Fahrt erzählt sie uns ihre Geschichte…

"Ich war nicht auf der Suche nach einer Brieffreundschaft – und schon gar nicht nach einem Mann"

„Es wird ein besonderes Treffen“, sagt Kacey, als sie auf den Highway auffährt. „Ich darf heute bei Travis bleiben, mit ihm die Nacht verbringen.“ Denn obwohl die beiden seit elf Jahren in einer Beziehung und davon acht Jahre verheiratet sind, war Zeit nur zu zweit lange nicht möglich. Erst 2017 wurde die Regelung für „familiäre Besuche von Inhaftierten mit lebenslangen Haftstrafen“ gelockert, das Beisein eines Aufsehers entfiel. „Da hatten wir dann auch zum ersten Mal Sex“, verrät Kacey.

„Ich interessierte mich schon immer für Straftäter, die ihre Unschuld beteuern“, so die ausgebildete Psychologin. 2010 liest sie im Internet von Travis, der wegen zweifachem Mord, Entführung und Raubüberfall verurteilt worden war. „Ich wollte mehr über seinen Fall erfahren und schrieb ihm eine E-Mail mit einem Foto von mir“, sagt Kacey und betont: „Ich war nicht auf der Suche nach einer Brieffreundschaft – und schon gar nicht nach einem Mann.“ Drei Wochen später kommt eine Antwort. Travis erklärt in vielen Zeilen, warum er unschuldig ist und sich als Opfer der Justiz sieht. Es folgen Telefonate. Sie tauschen sich aus, auch über Privates. „Nach drei Monaten entschieden wir, dass wir uns persönlich treffen wollen.“

Als er mich küsste, wusste ich, dass ich in Schwierigkeiten stecke

An ihren ersten Besuch kann sich Kacey genau erinnern. An die stundenlange Fahrt. An die Einlasskontrolle im Knast, bei der sie von oben bis unten durchsucht wird. An die Kleidung, die ihr gestellt wird. An die Aufregung. „Aber als Travis vor mir stand, war alles vergessen“, erinnert sie sich. „Wir saßen einfach nur zusammen, redeten. Als er mir zum Abschied einen Kuss auf die Wange gab, wusste ich, dass ich in Schwierigkeiten bin …“

Zurück zu Hause engagiert Kasey einen Privatdetektiv, der Travis’ Unschuld beweisen soll. Sie will helfen, das Urteil anzufechten, damit er freikommt. „Aber ich wollte auch, dass er frei für mich ist“, gibt Kasey zu. Ein Jahr später macht Travis ihr einen Antrag. Kasey sagt Ja. Doch es dauert, bis die Anträge bei den Behörden durch sind und die Trauung am 25. Februar 2012 in der Gefängniskapelle vollzogen werden kann. „Es war unspektakulär. Nur ich, Travis, meine Tochter Taylor und ein Mithäftling, der Trauzeuge war. Alles andere wurde uns verboten.“

"Es ging nicht nur um Sex"

Die folgenden fünf Jahre sind hart. Weil Kacey und Travis niemals allein Zeit verbringen dürfen, fangen sie an, sich bei Besuchen zu streiten und die Beziehung zu hinterfragen. 2017 passiert es dann: Wegen einer Gesetzänderung dürfen sie 72 Stunden in einem kleinen Apartment auf dem Gefängnisgelände verbringen. Allein, ohne Aufsicht. Kacey: Es ging um die Intimität, die wir zuvor nie erlebt haben. Sie war das fehlende Puzzleteil in unserer Ehe.“

Doch Travis sitzt bis heute hinter Gittern. Eine Neuverhandlung seines Falls ist gescheitert. Doch Kacey will die Hoffnung nicht aufgeben, dass er irgendwann doch noch freikommt. „Ob ich die Hochzeit bereue? Nein, das tue ich nicht. Ich liebe Travis. Die wenige Zeit, die wir zusammen haben, macht mich glücklich. Und geht es nicht darum im Leben? Glücklich zu sein?“

Im Video: Das sind die berüchtigtsten Mörder der Geschichte!

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Autor: David Holscher / Redaktion Closer

Artikelbild & Social Media: Symbolbild chaiyapruek / iStock