Klage gegen Geburtshaus: Schreie von Gebärenden stören Nachbarn
In Trier kann ein Geburtshaus einen Raum mit Geburtswanne nicht mehr nutzen, da ein Nachbar sich von den Geräuschen durch die Gebärenden gestört fühlte. Das sorgt für Diskussion.
Für viele ist ein Geburtshaus eine sichere und intime Alternative zu einer Geburt im Kreißsaal eines Krankenhauses oder einer Hausgeburt. Daher war die Freude bei vielen werdenden Eltern groß, als letztes Jahr das Geburtshaus Trier seine Tür für diejenigen öffnete, die sich nach solch einer Alternative sehnen.
Jeden Monat erblickten mithilfe der Hebammen seitdem drei bis sechs Babys das Licht der Welt. Das gemeinnützige Projekt wurde durch Spenden ins Leben gerufen. Für viele war einer der beiden Geburtsräume, nämlich der mit Geburtswanne und entspannender Atmosphäre, ein Grund, warum sie die Einrichtung für dieses prägende Ereignis wählten. Vor allem, da die Geburtsangebote in der Region ohnehin begrenzt sind.
Nach Klage: Keine Wassergeburten mehr im Geburtshaus Trier
Das besondere Erlebnis einer Geburt in der Wanne wird den Familien jetzt jedoch verwehrt. Grund dafür ist die Klage eines Anwohners. Er fühlte sich durch die Geburten in dem Geburtszimmer mit Badewanne, das sich zehn Meter entfernt auf gleicher Höhe mit seinem Balkon befand, gestört, berichtet der Volksfreund aus Trier. Der Mann berichtet bei der Verhandlung, er könne in den Geburtsraum hineinsehen, und die Schreie würden ihn stören. Seine Anwältin untermauert diese Aussage damit, dass man Schreie anders als andere Geräusche wahrnehme und sie Alarme im Körper auslösen würden.
Die Stadt verwies darauf, dass sich am gleichen Standort auch ein Seniorenwohnheim befindet, welches ebenfalls zu einer lauteren Geräuschkulisse beiträgt. Schreie und Lärm durch die Wäscherei, Cafeteria und Transporte seien keine Seltenheit.
Die Räumlichkeiten des Geburtshauses wurden vorher als Studentenwohnheim genutzt. Diese Änderung hätte laut der zuständigen Richterin im Prozess nicht stattfinden dürfen. Entgegen dem Wunsch des Klägers wolle die Richterin es aber nicht dazu kommen lassen, dass das Geburtshaus seinen Betrieb einstellen muss. Sie plädiere für eine einvernehmliche Lösung. Der Vorschlag der Stadt, die Geburten bei geschlossenem Fenster durchzuführen, nachdem eine entsprechende Lüftung installiert wurde, wurde von Gericht und Kläger abgelehnt. Als Einigung wurde nun beschlossen, dass der große Geburtstraum nicht mehr genutzt werden darf. Für die Betreiber*innen des Geburtshaus eine schwerwiegende Entscheidung, denn somit bleibt nur ein Geburtsraum übrig.
Inwiefern das Geburtshaus seine Arbeit für Gebärende mit dieser Einigung fortsetzen kann, ist noch nicht sicher. Es bleibt also die nächste Zeit abzuwarten, wie das Geburtshaus weiterhin bestehen kann.
Empörung im Netz nach Gerichtsentscheidung
Auf Instagram veröffentlicht das Geburtshaus selbst einen Post, in dem sie über die Klage und die Einschränkung bei den Wassergeburten informieren. Auch wenn die Wanne nicht mehr zur Verfügung stehe, könnten Geburten weiterhin im Geburtspool stattfinden.
Unter dem Post drücken User*innen ihre Unterstützung für das Geburtshaus aus und berichten von ihren Erfahrungen. Viele sind empört über den Beschluss, dass der Raum nun nicht mehr genutzt werden darf, und wünschen sich, dass bald eine Regelung gefunden wird.
So schreibt eine Nutzerin:
„Es zerbricht mir das Herz. Gerade auf den Raum mit der Geburtswanne war man so stolz. In diesem Raum ist für uns das größte Glück in Erfüllung gegangen. Nur wunderbare Erinnerungen, die ich so vielen weiteren Frauen gewünscht hätte. Es muss einfach eine Lösung geben! Mein Mann und ich stehen hinter euch!“
Eine andere empört sich über die Beschwerde des Nachbarn:
„Unfassbar! Da entsteht ein neues Leben und die Leute beschweren sich über die Lautstärke? Das kommt ja nicht jeden Tag oder jede Stunde vor! Und selbst wenn?! Die Menschen heutzutage werden leider immer verbitterter!“
Doch in den Antworten finden sich auch Kommentare, die dem Kläger zustimmen und eine Schließung des Hauses befürworten.
Wie es mit dem Geburtshaus weitergeht, bleibt abzuwarten. Viele hoffen allerdings, dass die Geburtswanne bald wieder in Anspruch genommen werden kann.







