"Und wann ist es bei dir so weit?"

Warum ich niemals Mutter werden möchte

Mit dem Traummann verheiratet, guter Job, nette Wohnung: Jetzt fehlt nur noch ein Baby. Oder? Bloß nicht, denkt unsere Kollegin Raissa von der Cosmopolitan. 

#wunderbarECHT - kein Baby
#wunderbarECHT - kein Baby Foto: BanarTABS / iStock / WUNDERWEIB
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Hallo! Ich bin Raissa, 29 Jahre alt, seit eineinhalb Jahren glücklich verheiratet und ein viel zu großer Schisser, um Kinder in die Welt zu setzen. Darum möchte ich niemals Mutter sein.

Mir geht es gerade verdammt gut. Ich habe den besten Mann der Welt (sorry, ist leider Fakt), den geilsten Job (Sex-Redakteurin bei Cosmopolitan.de) und eine Traumwohnung in Hamburg gefunden (rundherum von Balkon umgeben). Ich weiß, niemand mag Angeber. Aber in jedem schnulzigen Liebesfilm wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, um freudestrahlend einen positiven Schwangerschaftstest hinter dem Rücken hervorzuziehen. Doch in meinem Leben führe ich Drehbuch und für mich wäre das der größte Albtraum.

Ein positiver Schwangerschaftstest? Ein Albtraum

Erst vergangene Woche saß ich wieder ungeduldig vor dem umfunktionierten Partybecher mit lauwarmen Urin und hoffte inständig, dass es bitte bitte bitte bei dem einen Strich in dem Sichtfenster bleibt. Seitdem ich die Minipille nehme, ist meine Menstruation total unregelmäßig. Das einzige, was jeden Monat regelmäßig kommt? Die Panik, ich könnte schwanger sein. Doch auch dieses Mal konnte ich erleichtert durchatmen. Wie hätte die Alternative ausgehen? Ich will hier jetzt keine Werbung machen, aber in einem sehr frühen Stadium würde ich wahrscheinlich abtreiben. Andernfalls würde ich es zur Adoption freigeben. Gibt genügend Paare, die sich Nachwuchs wünschen und selbst keinen zeugen können. Spätestens jetzt habe ich womöglich wenigstens das Unverständnis aller Eltern auf mich gezogen. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, Mutter zu sein.

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Obwohl ich gerade die Sonnenseite des Lebens genieße, rechne ich jeden Moment mit Tod und Verderben. Mir ist absolut bewusst, dass sich plötzlich alles ändern kann. Unfälle, Krankheiten und andere Schicksalsschläge habe ich genug in meinem Umfeld erlebt, um zu wissen, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Ich bin so pessimistisch, dass ich kaum Konzerttickets für das nächste Jahr kaufen mag, aus Angst, dann bereits im Krankenhaus zu liegen. Für solche Fälle gibt es Ticketversicherungen. Aber bei einem Kind gibt es kein Sicherheitsnetz, das mich auffängt. Was ist, wenn mich mein Mann für eine andere Frau oder einen Selbstfindungstrip in Asien verlässt? Wer bezahlt, wenn uns die ganzen Kosten rund ums Kind in den Ruin treiben? Wie geht es weiter, wenn mir etwas zustoßen sollte?

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Ich weiß, es ist nicht sonderlich gesund, das Leben aus so einer pessimistischen Perspektive zu betrachten. Meine Unsicherheiten und Ängste wachsen mir tatsächlich manchmal über den Kopf. Doch das geht schon irgendwie. Mein Mann ist glücklicherweise optimistisch für zwei und erinnert mich immer wieder daran, einfach das Hier und Jetzt zu genießen (gelingt mir mal besser, mal schlechter). Bloß als Mutter wäre ich wahrscheinlich der nervigste Helikopter von allen und würde mein Kind in einen Wattebausch einpacken, um es vor katholischen Priestern, AfD-Wählern und Impfgegnern zu schützen. Das wäre echt unangenehm für alle Beteiligten und so wertvoll finde ich meine DNA nun auch wieder nicht.

Meine biologische Uhr zeigte sich schon immer unbeeindruckt von süßen Kleinkindern. Der Ground Zero meiner Aversion gegens Babysitten sah jedenfalls so aus: Als junges Mädchen sollte ich einmal auf die Nachbarstochter aufpassen, während deren Kühe ausgebüchst waren. Die Kleine hat geschrien wie am Spieß, während ihre Mutter die Herde wieder auf die Weide trieb. Und ich stand hilflos da und schaute dem heulenden Kind zu. Scherzhaft verdächtigt meine Mutter noch immer das Mädchen, schuld an meinem Kinder-Desinteresse zu sein. Natürlich ist es traurig, sie und meine Schwiegermutter in Sachen Enkelkinder zu enttäuschen. Die beiden wären super Omas, keine Frage. Doch auch mein Mann möchte kein Papa sein und damit ist das Urteil gefallen. Wir schieben die Last einfach auf unsere Geschwister – und müssen wahrscheinlich trotzdem bei jeder Familienfeier mit neugierigen Blicken auf meinen Bauch rechnen. Ist sie oder ist sie’s nicht? Nee, entschuldigt Leute, bloß ein Food Baby. Mein Mann kocht einfach so verdammt gut und ich habe schon früh gelernt, sehr genau bei der Verhütung aufzupassen.

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Und wenn ich mir ein kitschiges Ende für meinen Lebensfilm aussuchen darf, dann sonnen wir uns irgendwo in Norwegen am Strand und schlürfen Kokosnüsse aus der Region (denn der Klimawandel hat bis dahin die ganze restliche Welt zerstört). Cheers!    

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