Psychische ErkrankungenAssistenzhund Valentino hilft Bea ins Leben zurück

Wenig bekannt, aber tatsächliche Lebensretter: Assistenzhunde helfen nicht nur Menschen mit körperlichen, sondern auch mit psychischen Erkrankungen, ihren Alltag zu meistern.  Bea, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leidet, hat durch ihren Labrador Valentino ihr Leben zurück. Wir erzählen dir ihre und Valentinos bewegende Geschichte.

Inhalt
  1. Niemand konnte Bea helfen
  2. Individuelle Ausbildung mit dem Assistenznehmer
  3. Wie hilft der Assistenzhund Bea?
  4. Assistenzhund bringt Struktur und ein sicheres Gefühl
  5. Herausforderung im Supermarkt

 

 

Niemand konnte Bea helfen

Bea Schultes aus der Nähe von Heilbronn, ist gerade erst dreißig Jahre alt, hat aber ihr Leben schon mehrmals aufgegeben. Erst Assistenzhund Valentino schaffte es, das Leben für Bea wieder lebenswert zu machen.

Die junge Frau leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTMS), die durch Missbrauch in ihrer Kindheit  ausgelöst wurde. Die Symptome reichen von Albträumen, über Panikattacken und soziale Phobie bis hin zu Krampfanfällen und  Flashbacks in die traumatisierende Situation. Bevor Valentino kam,  konnte Bea nur noch mithilfe ihres Mannes die Wohnung verlassen, alleine traute sie sich nicht mehr aus dem Haus. Sie hatte sogar Suizidgedanken, weil ihre Krankheit sie völlig beherrschte und weder eine Therapie noch Medikamente ihr helfen konnten.

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Individuelle Ausbildung mit dem Assistenznehmer

Durch eine Reportage im Fernsehen wurde sie auf Assistenzhunde aufmerksam, die US-Soldaten helfen, posttraumatische Störungen durchzustehen. Dann begann die Suche. „Durch eine Bekannte, die einen Diabetikerhund hat, bin ich auf Valentinos Trainerin gestoßen. Die hat den passenden Hund für mich gesucht und dann haben wir zusammen die Ausbildung gemacht“, berichtet die junge Assistenznehmerin und erklärt: „Es ist wichtig, dass der  Assistenznehmer mit eingebunden wird,  weil es viel um individuelle Gerüche geht.“  Das ist beispielsweise bei Panikattacken wichtig, da der Hund schon die Veränderung des Geruchs wahrnimmt, bevor die Attacke losgeht.

Assistenzhund Valentino und Bea
Assistenzhund Valentino wurde speziell für Bea ausgebildet. 
Foto: Glücksmomente Fotografie/Rona Neff
 

Wie hilft der Assistenzhund Bea?

Wenn Valentino merkt, dass Bea eine Panikattacke oder einen Krampfanfall bekommt, reagiert er sofort: „Bei Panik und Albträumen holt er die Notfalltasche mit Medikamenten und legt sich auf mich drauf. Ganz viel geht über den Körperkontakt. Ich kann mich dadurch wieder erden und weiß, ich bin zu Hause und mir passiert nichts.“

Wenn Bea nachts schreit, weil sie einen  Albtraum oder ein Flashback in die traumatisierende Situation hat, hilft er ihr, indem er sie weckt und mit ihr kuschelt. „ Gerade bei Traumatisierungen, die von Menschenhand gemacht sind, hilft ein Tier, weil es mir schwerfällt, Menschen zu vertrauen.“

Darüber hinaus beschützt der Labrador Bea auch in Situationen des Alltags: In Schlangen an der Kasse setzt er sich hinter sie und sorgt dafür, dass andere Menschen ihr körperlich nicht zu nahe kommen, was Panik bei ihr auslösen würde. Wenn sie orientierungslos ist und nicht mehr den Weg nach Hause weiß, bringt Valentino sie zurück, denn er weiß den Weg. Valentino ist Beas Fels in der Brandung.

Assistenzhund Valentino und Bea beim Kuscheln
Wenn Bea eine Panikattacke hat, schafft es Valentino durch Körperkontakt, sie zu beruhigen.
Foto: Bea Schultes
 

Assistenzhund bringt Struktur und ein sicheres Gefühl

Auch wenn Valentino ihr Lebensretter ist, war es für Bea zunächst allerdings schwer, als der Labrador bei ihr einzog. Plötzlich musste sie ihre Krankheit überwinden: „Man kann nicht mehr depressiv bis 12 Uhr im Bett liegen. Man muss aufstehen und mit dem Hund raus und ihn versorgen.“ 

Doch durch die Verantwortung für Valentino musste sich die Assistenznehmerin ihren Ängsten stellen und schaffte so, wieder eine gewisse Struktur in ihr Leben zu bringen.

Auch soziale Ängste bekam Bea durch Valentino immer besser in den Griff, denn mit Hundehaltern kommt man schnell ins Gespräch. „Die Symptome heilen kann ein Assistenzhund zwar nicht, ich mache auch seit 2011 Therapie, aber man kommt mit dem Hund einfach weiter, weil man sich Alltagssituationen wieder stellen und daran arbeiten kann“, berichtet die junge Frau aus Baden-Württemberg. Sie ist aufgrund ihrer schwerwiegenden psychischen Erkrankung zwar arbeitsunfähig, aber dank ihres treuen Labradors kann sie zumindest wieder das Haus verlassen.

Assistenzhund Valentino und Bea im Wald
Durch Valentino traut sich Bea endlich wieder raus.
Foto: Glücksmomente Fotografie/Rona Neff
 

Herausforderung im Supermarkt

Valentino begleitet Bea wirklich überall hin, auch in den Supermarkt. Um nicht immer in Erklärungsnot zu geraten, schreibt sie die Geschäfte vorher per Mail an und erklärt, warum sie ihren Hund mit zum Einkaufen nehmen muss. Die meisten reagieren freundlich und erlauben ihr Valentino mitzubringen.

Nicht ganz so verständnisvoll sind oft die Reaktionen der anderen Kunden. Häufig hört sie: „Du bist unverschämt, dass du deinen Drecksköter mit hierher bringst!“ Sie wurde aber nicht nur beschimpft, Valentino wurde auch schon getreten und wurde absichtlich mit dem Einkaufswagen angefahren.

Daher kämpft Bea für eine breitere Öffentlichkeit für Assistenzhunde – zum einen über ihre Facebook-Seite, zum anderen über Gespräche mit  Journalisten. Sie hofft, dass die Anfeindungen aufhören, wenn mehr Menschen wissen, dass nicht nur Menschen mit körperlichen Krankheiten, sondern auch mit psychischen Erkrankungen Assistenzhunde brauchen.

Möchtest du mehr über Assistenzhunde wissen? Wir haben alle wichtigen Infos für dich zusammengestellt.

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