PsychologiePsychose: Was der kranken Psyche hilft

Gerät die menschliche Psyche aus dem Takt, braucht sie Hilfe. Wie wir Ängste, Depressionen und Psychosen überwinden können.
Gerät die menschliche Psyche aus dem Takt, braucht sie Hilfe. Wie wir Ängste, Depressionen und Psychosen überwinden können.
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Inhalt
  1. Kranke Psyche: Was ist denn schon normal?
  2. Erfahrungsbericht: „Ich musste meine Schwester einweisen lassen“
  3. Ratgeber zur Behandlung einer kranken Psyche 
  4. So „tickt“ unsere Psyche– Interview mit Dr. Sönke Arlt
  5. Normale Krise, Angst oder eine Psychose? Unterschiede und Symptome
  6. Wie bleibt unsere Psyche selbst am besten stabil?
  7. Die Selbstheilungskräfte unserer Psyche
  8. Psychohygiene im Alltag 
  9. Wichtige Adressen für Betroffene 

Wie erkenne und behandle ich eine Psychose? Erfahrungsbericht einer betroffenen Familie und Ratgeber zur Behandlung einer kranken Psyche.

 

Kranke Psyche: Was ist denn schon normal?

Ängste, Depressionen, Psychosen: Steckt der Kopf zu hoch in den Wolken oder zu tief im Sand, ist bald Schluss mit Toleranz und Mitgefühl. Warum eigentlich? Wir haben Menschen gefragt, die davon betroffen sind. Was es mit der erkrankten Psyche auf sich hat – und wie wir zu mehr Verständnis beitragen können.

Autorin: Alexandra Suhling

 

Erfahrungsbericht: „Ich musste meine Schwester einweisen lassen“

„Patti, ich kann nicht mehr! Mami sagt, ich hätte den Herd angelassen, weil ich ihr was Böses will.“ Patrizia Winklers dunkle Ahnungen bewahrheiten sich in einer Herbstnacht 2010. „Meine Nichte Hannah weinte am Telefon“, erinnert sich die 48-Jährige. „Ich sollte sofort kommen.“

Der Grund: Hannahs Mutter, Patrizias große Schwester Juliane, braucht Hilfe. Dringend. „Ich wusste, dieser Tag würde kommen“, sagt die Frankfurterin. „Aber wenn man dann einen lieben Menschen tatsächlich zwangseinweisen muss …, zerreißt es einem das Herz.“

Seit Wochen schon macht sich Patrizia Sorgen. „Jule schickte seltsame SMS und Mails.“ Telefonate mit ihrer Schwester lassen die Lehrerin aufhorchen. Julianes Gedanken schrauben sich in Höhen, in die Patrizia ihrer Schwester nicht mehr folgen kann. „Unheimlich“, sagt sie.

„Dabei lief es gerade gut bei Jule. Ihr neuer Job war toll, sie hatte sich nach ihrer Trennung ein kleines Häuschen gekauft, Hannah stand kurz vorm Abi.“ Woher Patrizia wusste, dass ihre Schwester eine Psychose durchlebte? „Ganz sicher war ich mir nicht. Aber teilweise erinnerte mich ihr Verhalten an Berichte, die ich mal gehört hatte: Die Mutter einer Bekannten war psychotisch, der Bruder eines Freundes manisch-depressiv ...“ Wenn Juliane spricht, dann schnell. Alles klingt logisch – und total verdreht zugleich. „Verrückt, wie der Kopf einen Menschen aus seiner Mitte schubsen kann“, sagt Patrizia.

„Einmal war Jule überzeugt, dass ein Roman nur (!) für sie geschrieben wurde.“ Comiczeichnungen, Werbeslogans, Kaffeebecher – allem verleiht Juliane plötzlich Symbolkraft; meint, darin Magie und Botschaften für sich zu erkennen. „Ich habe sie irgendwann angeschrien, bin nicht mal mehr ans Telefon gegangen“, sagt Patrizia.

Aus Aggressivität werden Apathie und Depression

Juliane schläft zu der Zeit kaum, ist extrem aktiv, verschlingt Zeitungen, joggt täglich 15 Kilometer – und wird aggressiv, sobald ihr jemand rät, doch lieber mal zum Arzt zu gehen. „Ich war überfordert, hatte Angst und, ja, ich schämte mich für Jule ...“

In der Früh macht sich Patrizia mit ihrem Vater auf den Weg: „600 Kilometer sagten wir uns gebetsmühlenartig auf, wir würden das einzig Richtige tun. Ich hatte in der Nacht mit einer Klinik vor Ort telefoniert und von der Ärztin erfahren, dass die Krankheitseinsicht bei Jule fehlen könnte. Und wie wir uns verhalten sollten.“

Patrizia nennt es Glück, dass ihre Schwester den Herd angelassen hatte. „So bestand das Risiko der Selbst- und Fremdgefährdung – anders hätten wir sie nicht den Ärzten überlassen dürfen.“

Wenige Tage darauf wirkt Jule apathisch. Sie schläft viel, ist sehr still und gleitet bald darauf in eine Depression. Ihr Dopamin-Überschuss im Gehirn wird mit sogenannten Antipsychotika gedrosselt. Dank der Medikamente und Psychologen geht es aber in den nächsten Wochen bergauf.

Bis zwei Jahre später erneut eine Psychose auftritt. Das kostet Jule den Job. Die ganze Familie „kracht“ auseinander. „Wir mussten einsehen: Jules Krise geht uns alle was an, nicht nur sie allein“, sagt Patrizia. Die Familientherapie sei hart gewesen – aber genau der richtige Weg für alle.

Heute sei Jule stabil. Und die Familie? „Viel cooler im Umgang mit der Situation, selbstbewusster, offener. Und mal ehrlich: Was ist denn schon normal? Psychische Erkrankungen können jeden treffen, jederzeit. Das hat nichts mit Versagen zu tun.“

 

Ratgeber zur Behandlung einer kranken Psyche
 

Erkrankungen der Psyche sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen sehr belastend - mit passenden Therapien kann aber gut geholfen werden.
Erkrankungen der Psyche sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen sehr belastend - mit passenden Therapien kann aber gut geholfen werden.
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So „tickt“ unsere Psyche– Interview mit Dr. Sönke Arlt

Ein wundes Selbst braucht Hilfe – und nicht noch mehr schlechte PR. Warum, erklärt Privatdozent Dr. Sönke Arlt vom UKE Hamburg:

Sind psychische Erkrankungen vererbbar, Dr. Arlt?

Dr. Sönke Arlt: Es gibt für Erkrankungen der Psyche, anders als für körperliche, keine messbaren biologischen Marker. Einfach Blut abnehmen und dann sagen, Sie haben eindeutig eine Depression, weil z. B. Ihr Serotoninspiegel zu niedrig ist, funktioniert nicht. Auch wurde bislang nicht „dieses eine“ Schizophrenie- oder Psychose-Gen gefunden. Aber: Mit hoher Wahrscheinlichkeit lässt sich eine „genetisch bedingte Vulnerabilität“ feststellen, eine Verletzlichkeit oder Anfälligkeit. Familiäre Häufungen sind bei den meisten psychischen Erkrankungen anzutreffen.

Sind also erstgradige Verwandte erkrankt ...

Dr. Arlt: ... ist das Risiko, selbst daran zu erkranken, erhöht. Dennoch gibt es in den meisten Fällen einen oder mehrere bestimmbare Auslöser, einen psychologischen oder körperlichen Grund, der die Krankheit auftreten lässt. Bei Psychosen gehört beispielsweise Cannabiskonsum und starker Stress dazu. Als Risikofaktoren gelten hier Frühgeburtlichkeit, aber auch Hirnschädigungen während der Geburt. Und doch: Nicht jeder, der ein Risiko in sich trägt, wird automatisch irgendwann psychotisch. Derjenige ist zwar „verwundbar“. Und werden Stress und Anspannung irgendwann zu groß, kann die Psychose durchaus hervortreten. Das muss aber nicht zwangsläufig so kommen.

Jeder Dritte von uns entwickelt einmal im Leben ein psychisches Leiden. Ist das normal?

Dr. Arlt: Eines vorab: „Normal“ bedeutet nicht gleich, „psychisch gesund“ zu sein. In diesem Moment leiden rund sieben Prozent unter Angststörungen, etwa acht Prozent an einer Depression. Das sind nicht wenige. Beziehen wir den Begriff „normal“ z. B. auf eine rein körperliche Erkrankung – dann wäre es ja auch nicht normal, eine Erkältung oder einen Diabetes zu bekommen. Krank werden ist menschlich, es gehört zur Normalität dazu. Jemand, der auf den ersten Blick vielleicht permanent bedrückt wirkt, sich selbst aber „gut“ fühlt, muss nicht in Therapie. Als Psychiater haben wir eine Vorstellung davon, was normal ist und was nicht. „Normal“ ist dennoch immer kontextabhängig.

Das bedeutet?

Dr. Arlt: Verlieren wir z. B. einen geliebten Menschen, etwa durch Tod oder Trennung, ist es „normal“ zu trauern – manchmal ein Jahr lang oder länger. Und jeder versteht, wenn es uns dann nicht gut geht. Wir weinen, haben Schlafstörungen, können uns nicht freuen. Diese Trauer vergeht. Und sie wird unser Selbstwertgefühl kaum berühren, sondern ist ein „normales“ Erleben – kontext- bzw. ereignisgebunden.

Anders als bei einer Depression?

Dr. Arlt: Ja. Hier geht nichts mit „Disziplin und Zusammenreißen“. Die Depression, wie sie im Rahmen einer pathologischen Trauer auftreten kann, führt zu starken Selbstzweifeln, einem geringen Selbstwertgefühl, fehlenden Zukunftsperspektiven bis hin zu Suizidgedanken. Zeichen, die die Grenzen des „normalen“ Trauerns überschreiten.

Wie erfolgreich sind Psychotherapien wirklich?

Dr. Arlt: Sehr erfolgreich! Deshalb rate ich: Sobald Sie das Gefühl haben, Unterstützung zu brauchen – weil Ihnen z. B. eine Verhaltensänderung bei sich oder einem Angehörigen auffällt –, nehmen Sie Hilfe an! Je eher eine Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich die Psyche wieder vollständig erholt. Die meisten Erkrankungen sind sehr gut behandelbar. So beenden die allermeisten Patienten, etwa mit schweren Depressionen, die Therapie mit deutlich besserer Stimmung, teils sogar ohne depressive Symptome. Zwar begleiten einige Erkrankungen wie eine Schizophrenie oder bipolare Störung die Betroffenen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Leben lang. Das heißt aber nicht, dass nicht auch eine gute Stabilität und Lebensqualität erreicht werden kann, etwa durch die Kombination von Psychotherapie und Medikamenten.

 

Normale Krise, Angst oder eine Psychose? Unterschiede und Symptome

Erkennen wir Signale der häufigsten psychischen Erkrankungen rechtzeitig, kann die Psyche wieder ganz gesund werden. Wie sich Ängste, Depressionen, Psychosen und weitere psychische Störungen voneinander unterscheiden:

# Ängste

► SYMPTOME

Höhe, Tiere, Menschenmengen, Krankheiten, Fahrstühle – fast alles kann Phobien (Ängste) und Panikattacken auslösen. Es kommt zu körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Zittern, Atemnot, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden.

BEHANDLUNG

Die kognitive Verhaltenstherapie (Kassenleistung) ist eine wissenschaftlich belegte Methode zur Behandlung von Angst- und Panikstörungen. Diese reduziert Ängste und vermittelt Betroffenen Strategien für einen besseren Umgang mit der Angst.

# Depression

► SYMPTOME

Depressionen äußern sich u. a. in Form von Müdigkeit, Antriebsschwäche, Libidoverlust, Niedergeschlagenheit, Selbstabwertung, Reizbarkeit, Angst, Schlafstörungen, Suizidgedanken und Körperschmerzen (Kopf, Bauch, Rücken etc.).

BEHANDLUNG

Therapeutische Verfahren wie die Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Therapie sowie die kognitive Verhaltenstherapie. Bei mittelschweren bis schweren Depressionen auch in Kombination mit einem Antidepressivum (Kassenleistung).

Video: Körperliche Symptome einer Depression

 

# Somatisierungsstörungen

SYMPTOME

Kopfweh, Herzrasen, Brustenge, Schmerzen in Armen, Beinen und Rücken, Luftnot, Kurzatmigkeit u. v. m. bestehen seit mind. sechs Monaten und signalisieren: Es stimmt was nicht! Und doch können Mediziner die Ursachen nicht finden.

BEHANDLUNG

Die Erkrankung geht oft mit Stress und Überforderung einher. Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson sowie Psychotherapie können helfen, teils mit Medikamenten wie Schmerzmittel und Antidepressiva.

# Abhängigkeit

SYMPTOME

Starker Drang, etwa eine Substanz zu konsumieren oder eine Handlung auszuführen. Kontrollverlust und Abstinenzunfähigkeit. Bei Verzicht kommt es zu Entzugssymptomen, z. B. Nervosität, Aggressivität und körperliche Erscheinungen.

BEHANDLUNG

Erste Anlaufstelle sind meist Selbsthilfegruppen oder Suchtberatungen. Bei Süchten mit körperlichen Entzugserscheinungen beginnt die stationäre Suchttherapie mit der Entgiftung, eine stationäre Entwöhnung in einer Suchtklinik hilft für langfristige Abstinenz.

# Psychosen

SYMPTOME

Das „Ich“, Menschen und/oder Dinge wirken fremd, verzerrt mit ungewöhn lichen Sinneseindrücken (Stimmen, Geräusche), Wahnvorstellungen. Die Realität wird verändert wahrgenommen; Gefühl, z. B. „auserwählt“ oder bedroht zu sein.

► BEHANDLUNG

Die medikamentöse Therapie erfolgt u. a. mit sog. Antipsycho tika in Verbindung mit der kognitiven Verhaltenstherapie bzw. tiefenpsychologischen Ver fahren und/oder Gesprächspsychotherapien. Falls sich eine Abhängigkeit zeigt, auch Sucht therapie (Kassen leistung).

# Sex, Drogen & andere Fluchthelfer

Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel, Medikamente, Internet, Arbeit, Shoppen, Essen, Sex: Vieles kann uns stabilisieren – tut es langfristig aber nicht. Deshalb leben wir mit den meisten „Hilfsangeboten“ lieber nur in friedlicher Koexistenz und/oder nutzen diese – wenn überhaupt – nur in Maßen. Denn verlassen wir uns, statt uns mit der teils harten Realität auseinanderzusetzen, ausschließlich auf „Pseudolösungen“, kann das zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit (Sucht) führen. Mit schweren gesundheitlichen Folgeschäden.

Doch nicht immer siegt die Vernunft: Laut Schätzungen rauchen rund 15 Mio. Menschen, etwa zwei Mio. sind alkohol-, mehr als zwei Mio. medikamentenabhängig. Knapp 600 000 konsumieren illegale Drogen in hohem Maß – rund 600 000 Menschen sind laut Experten onlinesüchtig.

 

Wie bleibt unsere Psyche selbst am besten stabil?

Um das besser zu verstehen, müssen wir schauen, wie die Psyche überhaupt „tickt“:

„Blut abnehmen und dann sagen: Sie haben eindeutig eine Depression – so einfach geht das nicht“

Ängstlich, unsicher, frustriert? Klopfen „Unlustgefühle“ an die Pforte der Psyche, macht die sofort mobil: Miese Empfindungen sollen bestmöglich abgewehrt und unser Wohlbefinden schnell wieder hergestellt werden! Prompt, meist unbewusst, ändern wir unser Verhalten – indem wir z. B. einen Konflikt vermeiden oder uns sonst was ausdenken. Hauptsache, es geht uns besser.

Wie der komplexe Mechanismus funktioniert? „Ohne Botenstoffe wie etwa das ‚berauschende‘ Dopamin oder ‚beglückende‘ Serotonin kann das Gehirn die vielen Informationen nicht verarbeiten“, so Dr. Arlt. „Sie sind notwendig, weil die Nervenzellen durch sie kommunizieren. Und: Sie beeinflussen, was wir wahrnehmen, fühlen und denken.“ Stimmen die Zutaten nicht, herrscht Chaos im Kopf. Was zu (kurzen) Schieflagen in Stimmungen und Wahrnehmungen führen – aber auch chronisches Leiden von Psyche und Körper begünstigen kann.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ... schon ein Zwang?

Dreimal zurück ins Haus – war der Ofen wirklich aus? Lieber nachsehen … Etwas schräg, oder? Doch selbst „komische Angewohnheiten“ helfen der Psyche, unser Urbedürfnis nach Sicherheit zu befriedigen. Ritualisiertes, stabilisierendes Verhalten kann aber zum Zwang werden und zu enormem Leidensdruck führen!

„Wie uns die Psyche auffängt, hängt u. a. von unseren ‚Bordmitteln‘ ab“, so der Psychiater. „Jeder bringt Verhaltensweisen schon durch Erziehung mit. Und lernt weitere Bewältigungsstrategien im Laufe seines Leben dazu, z. B. durch Krisen oder eben in einer Verhaltenstherapie. Arlt: „Statt sich auf Unsicherheit zu fokussieren und ihr geschärftes Körperempfinden noch stärker zu sensibilisieren, lernen etwa Hypochonder zu akzeptieren: Ja, ich könnte krank werden. Es bleibt ein Restrisiko. Und wenn schon? Dann wird mir geholfen …“ So kann sich die Angst vor Krankheit lösen, Stress abnehmen und Vertrauen ins Leben wachsen.

„Normal bedeutet nicht, psychisch gesund zu sein“

 

Die Selbstheilungskräfte unserer Psyche

Superheldin mit Achillesferse: Clever, robust und ohne Pause achtet die Psyche darauf, dass wir stabil bleiben. Dummerweise wählt sie dabei nicht immer die gesündesten Methoden – sondern etwa auch Alkohol zur „Beruhigung“. Zwar können (auch selbstschädigende) Verhaltensweisen lange „gut gehen“.

Weil Traumata, Verluste oder Konflikte aber aus der Tiefe „Drohsignale“ senden und so unbewusst zu Stress und Anspannung führen, kämpft die Psyche ständig an (zu) vielen Fronten gleichzeitig. Bricht sie schließlich unter der Last zusammen, „schnappen wir über“, wir lassen den Kopf hängen, der Körper tut weh oder „will nicht mehr“. Dann brauchen wir Beistand, damit sich unsere psychischen Kräfte regenerieren können!

Arlt: „Welche Therapieform die beste ist, hängt auch davon ab, ob körperliche Ursachen, z. B. Stoffwechsel- oder Organschäden, die Psyche krank machen.“

 

Psychohygiene im Alltag
 

  1. Schlaf macht stark und stressresistent! Am besten regenerieren sich unsere psychischen Kräfte, wenn wir pro Nacht sieben bis acht Stunden schlummern. Ausgeruht können wir Probleme schneller und gesünder lösen.
     
  2. Ab jetzt kann uns der Schweinehund mal – beim Sport bewundern! Denn laut Studie schüttet das Gehirn bei 3 mal 30 Minuten Ausdauertraining pro Woche Anti-Schmerz-Stoffe aus – die heben unsere Stimmung.
     
  3. Reden, knuddeln, füreinander da sein! Forscher bestätigen: Wir Menschen sind „Kuscheltiere“. Und weil Einsamkeit krank macht, pflegen wir liebevolle Beziehungen und bauen ein gutes soziales Netz auf.
     
  4. Werden uns (negative) Gedanken bewusst, sprechen wir ein ernstes Wort zu ihnen: Stopp! Am besten gelingt uns das während der Atemmeditation. Dafür täglich 10 Min. tief in den Bauch ein- und ausatmen.
     
  5. Darf’s ein Gläschen mehr sein? Nein danke! Ab sofort checken wir einmal im Monat unser Alltagsverhalten. Und unterstützen unsere Psyche dabei, indem wir selbstschädigendem Verhalten frühzeitig auf die Schliche kommen.
     
  6. Um sich weiterzuentwickeln, braucht die Psyche „Futter“. Heißt: Raus aus der Komfortzone – und täglich etwas Ungewohntes machen, z. B. die eigene Meinung sagen!
     
  7. Wer Ordnung hält, ist … der beste Freund der Psyche! Weil klare Tages- und Wochenziele uns den Druck nehmen. Versuchen wir aber, Dinge parallel und so schnell wie möglich zu erledigen, entsteht Extremstress.

 

 

Wichtige Adressen für Betroffene
 

  • Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, telefonisch unter 040/7410 - 5 32 10
     
  • Ärztlicher (psychiatrischer) Bereitschaftsdienst, bundesweit und kostenfrei telefonisch erreichbar unter 116 11
     
  • Telefonseelsorge bundesweit und kostenfrei telefonisch erreichbar unter den Nummern 0800/111 01 11 und 0800/111 02 22
     
  • Sucht & Drogen Hotline kostenfrei und bundesweit erreichbar unter der Nummer 01805/31 30 31
  • Neurologen und Psychiater im Netz Informationen zum Thema psychische Gesundheit und Nervenerkrankungen unter neurologen-und-psychiater-im-netz.org

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