Richtige Krankheit?

Cave-Syndrom: Wenn Corona-Lockerungen zu Unbehagen führen

Endlich wieder mehr Freiheit? Was die einen freut, macht den anderen eher Panik. Alle Infos zum Cave-Syndrom.

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Die Corona-Lockerungen sorgen vielerorts für große Befreiung – aber fast ebenso oft sorgen sie für Angst. Was ist dran am sogenannten Cave-Syndrom?

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Cave-Syndrom: Corona-Lockerungen machen Angst

Leidest du unter dem Cave-Syndrom? Möglicherweise, auch wenn es eigentlich keine Krankheit, sondern ein normaler psychologischer Vorgang – der Name Cave-„Syndrom“ ist also eigentlich Quatsch. Hervorgebracht worden ist er in den USA und soll verdeutlichen, dass sich die Menschen zurückziehen – daher auch das englisch Wort für Höhle: „cave“. Mit irrationaler Angst hat die Angst vor Lockerungen nichts zu tun.

Dennoch haben viele Menschen keine große Euphorie, wenn es zu Lockerungen kommt. Eher Angst, wie eine Umfrage der American Psychological Association (Seite 8 unten links) zeigt. Demnach fühlten sich 48 Prozent der Amerikaner nicht gut bei dem Gedanken an soziale Kontakte, wenn die Pandemie endet.

Und auch der Gedanke, das Leben dann wieder so zu führen wie vor Pandemie führt bei etwa der Hälfte aller Befragten zu Angst. Die Unterschiede von Geimpften und Ungeimpften sind hierbei nur unerheblich – es geht mehr oder minder allen gleich.

Dieses Unbehagen nun wurde mit dem Begriff „Cave-Syndrom“ umschrieben, allerdings ist es keine Krankheit, wie auch Angstforscher Georg Alpers von der Uni Mannheim der „tagesschau“ sagte. „Wir mussten uns über ein Jahr sehr mit Bedacht verhalten“, so der klinische Psychologe. Dass man jetzt wieder Freunde umarmen und zu Hause empfangen könne oder Ähnliches, daran müssten sich viele erst wieder gewöhnen.

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Angst vor Lockerungen: Wenn die mahnenden Experten im Kopf sind

Jetzt hast du vielleicht eben schon gedacht – wie, Freunde umarmen? Und dann auch noch daheim? Die Experten warnen doch genau davor! Und die vierte Welle kommt bestimmt! Wie könnt ihr nur?! Denkt an die Virusvarianten! Womit wir schon wieder beim Thema Cave-Syndrom sind.

Während die einen ohne Rücksicht auf Verluste Party machen gehen oder Leute en masse treffen, sind die anderen weiterhin vorsichtig und lassen sich sehr viel Zeit mit persönlichen Lockerungen. Auch trotz der Impfung, die von vielen wiederum als Freifahrtschein gesehen wird.

Es geht beim Begriff „Cage-Syndrom“ eher um normale Vorsicht, die vielleicht auch noch eine Weile bestehen bleibt. Das ist von Mensch zu Mensch individuell, denn der Abbau der erlernten Vorsichtsmaßnahmen dauert unterschiedlich schnell.

Dennoch sei es wichtig, bewusst mit der Situation umzugehen, wie die Psychologin Lucia Steinmetzer dem Bayerischen Rundfunk (BR) sagt: „Wichtig ist es ehrlich zu sich zu sein, warum man jetzt gerade zum Beispiel nicht auf die Sommerparty gehen will. Vermeide ich etwas, habe ich eher Angst. Oder tut es mir nur gut, weil ich etwas vermeide, also nur in diesem Augenblick gut und langfristig sicherlich nicht.“

Das Cave-Syndrom beschreibt das Unbehagen, das Menschen angesichts von Corona-Lockerungen spüren (Symbolbild)
Foto: Boris Jovanovic/iStock (Symbolbild)

Cave-Syndrom: Was hat die Pandemie mit uns gemacht?

Im Lockdown waren wir alle und die allermeisten haben sich auch an Kontaktbeschränkungen und Co. gehalten. Doch langsam fallen die Regeln, mit der steigenden Impfquote verändert sich die Gefahrenlage.

Das ist zwar ein gutes Zeichen, aber im Lockdown haben sich auch viele Menschen Dingen hingegeben, die auf Dauer und in der Intensität nicht sehr ungesund waren. Viel Rauchen oder Trinken zum Beispiel. Oder vielleicht auch mangelnder Körperpflege, weil ja eh niemand hingeschaut hat, wie es mir geht. Und die Leute vom Lieferdienst kennen einen ja nicht persönlich.

Jetzt ist diese Zeit allerdings vorbei, doch der oder dem einen oder anderen wird es sicherlich schwerfallen, die in der Pandemie gewonnenen „Freiheiten“ zugunsten sozialer Kontakte wieder loszulassen. Doch es ist nicht so schwer, wieder rauszukommen – für manche ist es nur leichter als für andere.

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So kannst du das Cave-Syndrom loswerden

Solltest du also Züge der als „Cave-Syndrom“ beschriebenen Verhaltensweisen bei dir selbst festzustellen, ist das nichts Schlimmes, sondern absolut normal. Wichtig ist nur, in für dich passenden Schritten langsam wieder in die Gesellschaft zurückzukehren.

Du gehst ja schließlich auch im Supermarkt einkaufen und da ist auch nichts passiert, oder? Ein Schritt könnte beispielsweise beinhalten, dass du dir ein ruhiges Café suchst, wo alle Hygieneregeln eingehalten werden, wenige Leute sind und du draußen sitzen kannst, ohne dass du dich durch die Nähe der anderen unwohl fühlst. Andere Möglichkeiten sind, dass du mal durch die Stadt schlenderst, eine gute Freundin triffst, die du lange nicht gesehen hast oder an den Badesee gehst.

Denn es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, möglichst sicher Menschen zu sehen oder Dinge zu erleben. Zum einen gibt es die Möglichkeit von Schnelltests. Die sind natürlich nicht zu 100% sicher, aber ein Instrument, um Treffen sicherer zu machen. Du musst dein Gegenüber ja erstmal nicht in geschlossenen Räumen sehen. Unschlagbar ist hingegen die Impfung, denn die verringert die Möglichkeit einer schweren Erkrankung immens – und das ist es, worum es geht.

Und auch wenn Impfung und Schnelltest kein Freifahrtschein sind, kommen wir mit Vernunft meist ans Ziel. Vernünftig ist es, sich an Hygienekonzepte zu halten, die AHA-Regeln einzuhalten und die FFP2-Masken so zu tragen, dass sie sicher sind. Aber ist es vernünftig, jemanden direkt nach Ankunft aus einem Virusvariantengebiet zu umarmen? Sicherlich nicht, aber das verlangt auch niemand von dir.

Wenn du oder eine Person, die du kennst, diese Verhaltensweisen des „Cave-Syndroms“ zeigt, werden sie mit der Zeit meist von selbst wieder verschwinden – vielleicht kannst du aber auch selbst ein wenig mithelfen. Denn dass du dich oder diese Person sich komplett abkapselt, ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss – und mit kleinen Schritten können wir uns wieder an ein freieres Leben herantasten. Sollte das nicht möglich sein oder der Gedanke an Lockerungen große Probleme bereiten, kann auch eine Angstörung der Grund sein. Dann solltest du deine Ärztin kontaktieren, um dich entsprechend behandeln, damit auch du dich wieder wohlfühlen kannst.

Artikelbild und Social Media: Boris Jovanovic/iStock (Symbolbild)

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