Falsche ErziehungDepressionen bei Kindern: Dieser Erziehungsstil kann sie begünstigen

US-Forscher haben jetzt herausgefunden, dass ein zu kritischer Erziehungsstil die kognitive Entwicklung von Kindern beeinträchtigt und Depressionen begünstigen kann. 

Die Zahl der Menschen, die an Depressionen leiden, ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit mehr als 322 Millionen Menschen an Depressionen. Und immer mehr Studien belegen, dass die Ursache für die Erkrankung nicht selten in der Kindheit zu finden ist. "Die heutige Jugend steht unter Druck wie keine Generation vor ihnen", sagt Dan Chisholm, Autor der WHO-Studie. 

 

Der Erziehungsstil kann Depressionen begünstigen

Forscher der amerikanischen Bingham Universität haben kürzlich in einer Studie untersucht, wie sich Kritik von Eltern auf die kognitive Entwicklung ihrer Kinder auswirken kann. Das Ergebnis: Kinder, die von ihren Kindern häufig und stark kritisiert werden, reagieren anders auf emotionale Informationen als Kinder von wenigen kritischen Eltern. 

Die Forschen baten die Eltern der teilnehmenden Kinder, fünf Minuten über ihre Kinder zu sprechen. Anschließend bewerteten die Forscher, wie kritisch die Eltern ihren Kindern gegenüber waren. Im nächsten Schritt baten sie die sieben- bis elfjährigen Kinder, sich Bilder von Menschen mit verschiedenen Gesichtsausdrücken wie Freude oder Trauer anzusehen. Während sich die Kinder die Bilder ansahen, haben die Forscher ihre Gehirnaktivitäten überprüft, um herauszufinden, wie sie auf die verschiedenen Emotionen reagiert haben.

Am Ende kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass die Kritik der Eltern einen Einfluss darauf hat, wie viel Aufmerksamkeit Kinder den verschiedenen Gesichtsausdrücken schenken. Kinder von sehr kritischen Eltern gehen Emotionen ihres Gegenüber eher aus dem Weg. Sie versuchen, den emotionalen Gesichtsausdrücken so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken. 

 

Kinder versuchen sich selbst zu schützen und gehen Emotionen aus dem Weg

"Dieses Verhalten könnte ihre Beziehungen zu anderen Menschen beeinträchtigen und ein Grund sein, warum Kinder von sehr kritischen Eltern Gefahr laufen, an Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen zu leiden", sagt Kiera James, Hauptautorin der Studie. "Wir wissen aus früheren Untersuchungen, dass Menschen die Neigung haben, Dingen aus dem Weg zu gehen, die ihnen unbehaglich sind, sie ängstlich oder traurig machen, weil diese Gefühle eine Aversion auslösen."

Das Fazit der Experten: Die Kinder von besonders kritischen Eltern gingen allen emotionalen Gesichtsausdrücken aus dem Weg, um sich selbst vor Kritik zu schützen. Das bedeutet aber auch, dass sie positiven Gefühlen aus dem Weg gehen. Und dieser Zustand kann Depressionen ganz klar begünstigen. 

 

Hochgesteckte Ziele setzen Kinder zu sehr unter Druck 

Neurobiologe Gerald Hüther unterstreicht die These der Studie in einem Interview mit der "Huffington Post": "Jedes Kind hat zwei große Grundbedürfnisse. Das erste ist das nach Verbundenheit. Deshalb strengen sich alle Kinder an, ihre Eltern glücklich zu machen. Das zweite Grundbedürfnis ist das nach Autonomie. Und deshalb strengen sich alle Kinder an, irgendetwas zu leisten, um zu zeigen, dass sie etwas drauf haben", erklärt der Experte. "Wenn man ein Kind zum Objekt seiner Kritik, oder seiner Belehrungen, seiner Ziele und Absichten oder gar Maßnahmen macht, werden beide Grundbedürfnisse gleichzeitig verletzt. Das ist seelisch ungefähr so, als ob man gleichzeitig das Essen und das Trinken wegnimmt und die Kinder Hunger und Durst leiden."

Die Folgen können für Kinder fatal sein. Sie ziehen sich immer mehr in sich zurück und verlieren das Interesse daran, die Welt mit ihren Augen zu entdecken. Um dem seelischen Schmerz der ständigen Kritik zu entkommen, entwickeln Kinder verschiedene Strategien. Manche Kinder passen sich so sehr an, dass sie ein Leben lang das Verhalten ihrer Eltern kopieren und manche Kinder machen andere dafür verantwortlich, kritisieren und mobben sie sogar. Wieder andere Kinder reagieren selbstdestruktiv. Sie verletzen sich selbst, um nicht durch ihre Eltern verletzt zu werden. 

Eltern sollten mit Kritik also vorsichtig umgehen. Wichtig ist ein gesundes Gleichgewicht. Natürlich darf auch mal Kritik geübt werden, wenn sie angebracht ist, aber noch wichtiger ist es, dass Kind zu loben, es zu unterstützen und zu ermutigen, ihm klar zu machen, dass man im Leben auch mal scheitert und wie wichtig es ist, seinen Weg zu gehen. 

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