So peinlich!Fremdschämen: Weshalb wir uns für andere schämen

Fremdschämen ist ein Gefühl, das wir alle nur zu gut kennen. So richtig leiden kann es niemand, aber es überkommt uns einfach, wenn wir die Handlungen eines anderen Menschen als peinlich empfinden. Aber warum ist das so?

Inhalt
  1. Fremdschämen: Wenn wir durch andere peinlich berührt sind
  2. Fremdscham entsteht in der späten Kindheit
  3. Warum wir fürs Fremdschämen Empathie brauchen
  4. Frauen schämen sich häufiger fremd
  5. Fremdschämen: Am Ende sagt es viel über uns selbst aus

Meistens passiert es uns im Leben irgendwann in der Pubertät. Wir finden unsere Eltern auf einmal schrecklich peinlich und versuchen in der Öffentlichkeit vielleicht sogar, nicht mit ihnen in Verbindung gebracht zu werden, weil sie und ihre Verhaltensweisen uns so unangenehm sind. Fürs Fremdschämen gibt es ganz klare Gründe.

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Fremdschämen: Wenn wir durch andere peinlich berührt sind

Früher war das noch nicht da und wir haben unsere Eltern einfach nur gerngehabt. Jetzt möchten wir in der Öffentlichkeit am liebsten wegschauen, wenn sie sich auf eine uns peinlich erscheinende Weise verhalten – und Fremdscham muss nicht nur die Menschen treffen, die wir kennen.

Das kann an den Socken in den Sandalen liegen oder daran, dass sich jemand im Restaurant im Urlaub lautstark darüber beschwert, dass die Pasta aber nicht so schmeckt wie beim Ristorante daheim. Genauso ist Fremdschämen aber auch drin, wenn im Reality-TV oder Casting-Shows die ganz großen Sprüche geklopft werden. Nicht umsonst sind Kuppelshows und Co. so erfolgreich.

Fremdscham kommt immer dann auf, wenn für uns geltende Regeln und Normen der Gesellschaft durch andere verletzt werden. Es schießt uns in diesem Moment fast unweigerlich der Satz „Das macht man doch nicht“ durch den Kopf. Die sogenannte „Facepalm“, also die Hand vor dem Gesicht, hat sich als Sinnbild des Fremdschämens im Internet etabliert.

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Fremdscham entsteht in der späten Kindheit

Scham – und so auch Fremdscham – ist eine soziale Emotion. Sie kommt in verschiedenen Kulturen zu völlig anderen Momenten auf, eben wenn Sozialnormen verletzt werden.

Doch Kinder sind nicht von Geburt an dazu in der Lage, diese Emotion auch direkt zu fühlen. Fürs Fremdschämen brauchen wir nämlich Empathie, also die Fähigkeit, uns in andere hineinzuversetzen.

Das Schamgefühl selbst macht sich erstmals im Alter von etwa zwei Jahren bei uns bemerkbar. Das Fremdschämen kommt aber erst später hinzu. Wenn wir uns in einer Gruppe befinden – sei es die Familie, Freunde oder eben Jugendliche – möchten wir, dass wir Teil dieser Gruppe bleiben.

Da es aber für uns manchmal schwierig ist, cool zu wirken, wenn die Eltern dabei sind, wünschen wir sie uns für einen Moment vielleicht weg. Sie sind uns in diesem Moment einfach peinlich.

Verletzt nun jemand die Regeln einer Gruppe, ist es uns peinlich und wir wollen nicht mit dieser Person in Verbindung stehen. Da kommen in erster Linie die Eltern oder Verwandten infrage, wenn es in der Jugend ums Thema Fremdscham geht. Umgekehrt können sich aber auch Eltern für ihre Kinder schämen – oder du magst deine beste Freundin nicht mehr, weil sie dir peinlich ist.

Werden wir älter, verändert sich auch unser Fremdscham-Verhalten. Das ist letztlich sehr individuell ausgeprägt und variiert von Mensch zu Mensch.

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Warum wir fürs Fremdschämen Empathie brauchen

Fremdschämen betrifft nicht alle Menschen gleich. Einige von uns fühlen diese Emotion häufiger, andere weniger häufig. Der Grund ist ganz einfach: Empathie. Wer besonders empathisch ist, fühlt auch mehr Fremdscham.

Das haben auch Wissenschaftler der Universität Lübeck bestätigt. Studienteilnehmer, die sich als sehr empathisch einschätzten, empfanden eher Fremdscham als andere Menschen, schreibt unter anderem die Apotheken Umschau.

Ob wir jemanden besonders peinlich finden oder nicht, hängt also stark vom Einfühlungsvermögen ab. War da nicht was?

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Frauen schämen sich häufiger fremd

Na klar! Da Frauen empathiefähiger sind als Männer, kommen sie häufiger in den „Genuss“ des Fremdschämens. Denn die Tatsache, dass Frauen eher mit ihren Mitmenschen mitfühlen können bedingt auch, dass sie eher Angst haben, das ihrer Ansicht nach falsche Verhalten anderer könnte auf sie zurückfallen.

Dafür braucht es wiederum eine gewisse Öffentlichkeit. Wenn unser Partner zum Beispiel daheim sein Essen schnell herunterschlingt, können wir vielleicht darüber hinwegsehen – bei Freunden oder im Restaurant sieht die Sache dann aber wieder anders aus.

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Fremdschämen: Am Ende sagt es viel über uns selbst aus

Letztlich sagt Fremdschämen aber einiges über uns selbst aus. Welche Normen du also vertrittst und wann bei dir rote Linien überschritten sind, stellst du fest, wenn du dich fremdschämst. Dafür muss sich die andere Person gar nicht bewusst sein, dass sie gerade etwas für dich Peinliches getan hat.

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