Seltene Krankheit

Hämhidrose: Wenn man plötzlich Blut schwitzt

Blut und Wasser schwitzen ist nicht nur eine Redewendung, sondern auch die seltene Krankheit Hämhidrose.

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Blut und Wasser schwitzen – diese Redewendung wurde für eine junge Italienerin real. Die Frau leidet an der seltenen Krankheit Hämhidrose: Blut schwitzen statt Wasser, zumindest auf den ersten Blick.

Immer wieder liefen der 21-Jährigen Schweißperlen über das Gesicht. Doch als die junge Frau blinzelte, sah sie rot. Obwohl äußerlich keinerlei Verletzungen sichtbar waren, waren erst ihr Gesicht, dann auch ihre Hände mit Blut benetzt. Nach ein bis fünf Minuten legte sich die Blutung immer wieder. Was war das?

Schließlich kennen viele von uns das Bildnis einer Person, die Blut schwitzt: Jesus, der die Dornenkrone tragen musste. Doch es ist eher zweifelhaft, dass dies auf etwas Göttliches hinweist, sondern könnte ein Hinweis darauf sein, dass er unter einer seltenen Krankheit litt und dies ein Symptom dieser Erkrankung - die damals noch weniger als heute erklärbar war: Hämhidrose.

Übermäßiges schwitzen: Was du gegen Hyperhidrose tun kannst

Hämhidrose: Blut schwitzen als Krankheit

Drei Jahre lang begann die Italienerin immer wieder an Händen und Stirn zu bluten, wenn sie schwitzte, bis sie zum Arzt ging. Innerhalb dieser Zeit hatte sich die junge Frau wegen des Blutschwitzens gänzlich vom sozialen Leben abgeschottet. Zu groß war ihre Angst, in der Öffentlichkeit zu bluten. Aus der anfänglichen Scham entwickelte sich zunächst eine Angststörung, dann eine Depression.

Wie das „Canadian Medical Association Journal“ (Triggerwarnung: enthält Bild des Blutschwitzens) berichtet, standen auch die Ärzte*Ärztinnen zunächst vor einem Rätsel. Die 21-Jährige wirkte äußerlich wie innerlich vollständig gesund. Doch immer wieder begannen die Blutungen an Gesicht und Händen von neuem, woher ihre große Angst rührte. Dann diagnostizierten die Ärzte Hämhidrose.

Welche Blutgruppen gibt es?

Blut schwitzen: Was ist Hämhidrose?

Bei Hämhidrose handelt es sich um eine sehr seltene Krankheit, bei der Betroffene Blut schwitzen. Meist wird lediglich das Blutpigment ausgeschwitzt, was wiederum die rote Färbung des Schweißes erklärt. Das heißt, dass der Schweiß mit roten Blutkörperchen angereichert ist, was den sogenannten Blutschweiß ergibt. Die Erkrankung kann angeboren sein, das Blut schwitzen kann sich aber auch erst im Laufe des Alters entwickeln.

Hämhidrose: Ursachen des Blutschweißes

Grund für das Blutschwitzen ist meist eine Schwäche der Gefäße, die daraufhin leichter platzen, woraufhin es zur Freisetzung der roten Blutkörperchen kommen kann. Auch psychische Faktoren wie Todesangst, Anspannung oder Stress kommen als Ursache für die Hämhidrose infrage - also meist Situationen, in denen das Herz stark arbeitet.

Nicht verwechselt sollte Hämhidrose werden mit Schweiß, der vielleicht durch eine blutende Wunde auf der Haut gelaufen ist. In diesem Fall ist es nur zufällig zum roten Schweiß gekommen, weil die Haut verletzt war.

Blut schwitzen: Diagnose der Hämhidrose

Eine Hämhidrose-Diagnose kann unter anderem gestellt werden, wenn der blutige Schweiß mit dem einer Kontrollperson verglichen wird. So laut eines im Fachmagazin "The Journal of Dermatology" veröffentlichten japanischen Arbeitsberichts bei dem Fall eines sechsjährigen Mädchens geschehen, das an den Händen blutigen Schweiß hatte. Der Unterschied zwischen den Problem lag in erster Linie im Vorhandensein der roten Blutkörperchen. Der ICD-10-Code lautet laut Bundesministerium für Gesundheit L74.8: "Sonstige Krankheiten der ekkrinen Schweißdrüsen".

Hämhidrose behandeln: So sieht die Therapie aus, wenn du Blut schwitzt

Die Wahrscheinlichkeit ist zwar sehr gering, aber solltest du am Körper jemals roten Blutschweiß entdecken, solltest du besser schnell zum Arzt*zur Ärztin und die Flüssigkeit im Idealfall schnell auffangen. Es handelt sich nicht um unstillbare Blutungen, meistens kann - nachdem die Ursache feststeht - etwas gegen das Schwitzen von Blut unternommen werden.

Krampfadern vorbeugen: Was du dagegen tun kannst

Im Falle der Italienerin traten die Hämhidrose-Blutungen zwar verstärkt bei psychischer Belastung auf, doch eine Behandlung der Depression und Angstzustände zeigte keine Linderung der Erkrankung. Erst blutdrucksenkende Medikamente konnten für eine Besserung sorgen, ganz verschwunden ist die Hämhidrose jedoch nicht. In der Kombination mit angstlindernden Medikamenten mag man jedoch hoffen, dass die junge Frau irgendwann trotzdem wieder ein normales Leben führen kann - und das Blut schwitzen ein Ende nimmt.

Beim sechsjährigen Mädchen waren die Symptome der Blutschwitze hingegen ähnlich wie bei einer primären Hyperhidrose, also einem übermäßigen Schwitzen oder erkennbare Ursache. Aus diesem Grund wurde über einen Zeitraum von zwei Monaten wöchentlich eine Leitungswasser-Iontophorese durchgeführt, wie es auch bei schwitzigen Händen gemacht werden kann. Bei dieser auch Gleitstrom-Iontophorese genannten Methode werden die Hände in ein Wasserbad mit zwei Metallplatten gelegt, woraufhin schwacher Gleichstrom mit maximal 40 Volt durchs Wasser geleitet wird. Das verschließt die Schweißdrüsen, was im Falle des japanischen Mädchens zu einem vollständigen Verschwinden der Hämhidrose führte. Die Behandlung gegen das Blutschwitzen war also erfolgreich.

(ww4)

Artikelbild und Social Media: Mohammed Haneefa Nizamudeen/iStock (Themenbild)

Quellen