Krank impfen lassen

Impfen bei Erkältung: Darf man das?

Impfen bei Erkältung - ist das okay? Oder sind damit Nebenwirkungen verbunden? Wirkt die Impfung unter Umständen nicht richtig? Wir haben nachgefragt - auch im Bezug zur Corona-Impfung trotz Erkältung.

Impfen bei Erkältung: Darf man das? (Symbolbild)
Impfen bei Erkältung: Darf man das? (Symbolbild) Foto: Boyloso/iStock

Du bist ziemlich erkältet, hättest aber eigentlich einen Arzttermin, um dich impfen zu lassen. Nimmst du diesen Termin nun wahr oder sagst du ihn ab? Um diese Frage beantworten zu können, ist es wichtig zu wissen, ob es schlimm ist, sich impfen zu lassen, wenn man krank bzw. erkältet ist. Wir haben bei Heide Horn, Ärztin am Zentrum für Impfmedizin in Hamburg, nachgefragt, wie es sich mit dem Impfen trotz Erkältung verhält.

Impfen bei Erkältung - ist das gefährlich?

Darauf hat die Expertin eine ganz klare Antwort: "Nein, es ist nicht gefährlich, sich bei Erkältung impfen zu lassen. Was allerdings passieren kann, ist, dass man sich ggf. noch schlapper als ohnehin schon fühlt. Jede Impfung kann auch zu einer Allgemeinsymptomatik führen." Es liegt also bei dir zu entscheiden, ob die eventuell zusätzlich auftretenden Beschwerden in Kauf nehmen möchtest oder dazu bereit bist, die Impfung zu verschieben. Die Nebenwirkungen einer Impfung sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem arbeitet.

Leidest du aufgrund einer Erkältung auch unter Fieber und deine Körpertemperatur überschreitet 38,5 Grad, ist von einer Impfung allerdings abzusehen. Sie sollte jedoch nachgeholt werden, sobald du wieder gesund bist.

Corona-Impfung trotz Erkältung: Darf ich das?

Seit geraumer Zeit stellt sich auch die Frage, ob eine Corona-Impfung bei Erkältung eine gute Idee ist oder nicht - schließlich sind Atemwegsinfekte ja genau das, woran sich eine Corona-Infektion mitunter erkennen lässt. Und letztlich kann ein Schnupfen, Husten oder Ähnliches das Immunsystem ein wenig beschäftigen, oder?

Horn gibt allerdings teilweise Entwarnung: "Eine Person, die eine Erkältung hat, kann gegen Covid-19 geimpft werden. Ein negativer Test (Antigen bzw. PCR) macht im Vorwege sicher Sinn, damit eine mögliche Infektion mit Covid-19 ausgeschlossen werden kann. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Inzidenzen sehr hoch sind, ist es sicher sinnvoll, so schnell wie möglich mit der Impfung gegen Covid-19 zu beginnen. Die vollständige Schutzwirkung entfalten die Impfungen erst ca. 14 Tage nach der zweiten Impfdosis (Spikevax (Moderna) und Comirnaty (Biontech-Pfizer)) bzw. 14 Tage nach der 1. Impfdosis (Janssen (Johnson & Johnson))."

Die Ärztin verweist auch darauf, dass sich Menschen mit Erkältungssymptomen ohne Corona-Test besser nicht in der Öffentlichkeit bewegen sollten. "Das bedeutet nicht, dass sie nur dann geimpft werden können, wenn ein negatives Testergebnis vorliegt. Ob sie bei Erkältungssymptomen auch ohne Testung geimpft werden, liegt im Ermessen des jeweiligen Impfarztes", merkt sie an. Ein Test zur Sicherheit oder der Anruf bei der Impfstelle ist in diesem Fall jedenfalls sehr sinnvoll.

Zudem rät die Expertin zum Tragen eine FFP2-Maske, wenn du zur Corona-Impfung beim Arzt oder an anderer Stelle gehst: "In vielen Hausarztpraxen wird z. B. darauf geachtet, dass die Impftermine so vergeben werden, dass sich keine größeren Menschenansammlungen im Wartezimmer befinden. Dadurch ist die Gefahr, jemanden anzustecken, eher gering. Und auch FFP2-Masken bieten einen sehr effektiven Schutz gegen die Übertragung von Viren auf andere Personen."

Bei Corona-Impfung infiziert - hat das Auswirkungen?

Nun kann es aber auch zum Fall kommen, dass Menschen mit dem Coronavirus infiziert waren, wenn sie die Erstimpfung erhalten haben. In diesem Fall hatten sie zum Beispiel noch keine Symptome. Droht den Patienten ein schwererer Verlauf einer COVID-19-Erkrankung?

"Dazu gibt es bisher keine ausreichenden Daten. Von Personen, die ich geimpft habe und bei denen genau das passiert war, wurden mir keine schwereren Verläufe bzw. Nebenwirkungen berichtet. Diese Aussagen sind allerdings nicht repräsentativ", weiß Heide Horn zu berichten.

Und auch für den Fall einer Infektion kurz nach der Erstimpfung gebe es keine Daten: "In jedem Fall sind Impfreaktionen genauso wie der Verlauf der Infektion individuell sehr unterschiedlich."

Gibt es Krankheiten, die eine Impfung ausschließen?

"Akute behandlungsbedürftige Erkrankungen (Ausnahme: post-expositionelle Impfung) stellen eine Kontraindikation für Impfungen dar", so heißt es auf der Internetseite des Robert Koch Instituts. Hiernach ist eine Impfung bei bestimmten akuten Krankheiten nur möglich, wenn gerade für die Behandlung eine Impfung notwendig ist. Zu diesen Erkrankungen zählen beispielsweise eine akute Harnwegsinfektion sowie auch eine Hepatitis (Leberentzündung).

Außerdem ist es wichtig, generell zwischen chronischen und akut behandlungsbedürftigen Erkrankungen zu unterscheiden. Wird gerade eine Krankheit diagnostiziert, kann dies darüber hinaus dazu führen, dass eventuell Impfungen die Laborergebnisse verfälschen (weil zum Beispiel die Leberwerte durch eine Hepatitis erhöht sind). Um sicherzugehen, solltest du in solchen Fällen unbedingt mit deinem Arzt absprechen, was die richtige Vorgehensweise ist.

Außerdem gibt es Krankheiten und Umstände, wie zum Beispiel eine Schwangerschaft, unter denen eine Impfung mit Lebendimpfstoffen nicht möglich ist. "Zu diesen Lebendimpfstoffen zählen in Deutschland diejenigen für Masern, Mumps, Röteln und Windpocken, der Lebendimpfstoff gegen Herpes zoster sowie bei Reiseindikationen die Gelbfieberimpfung", erklärt Heide Horn. Eine versehentliche Lebendimpfung in oder kurz vor einer Schwangerschaft stellt jedoch keinesfalls eine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch dar.

Gemäß dem Fall, dass man gegen einen Bestandteil des Impfstoffs allergisch ist, sollte natürlich ebenfalls keine Impfung durchgeführt werden. Auch im Fall eines angeborenen oder erworbenen Immundefekts ist es wichtig, Nutzen und Risiko sorgfältig abzuwägen.

Impfung trotz Erkältung: Mein Kind ist krank - darf ich es impfen lassen?

Für Kinder gilt genauso wie bei Erwachsenen, dass sie auch dann geimpft werden dürfen, wenn sie an einem banalen Infekt wie einer Erkältung erkrankt sind. Auch wenn die Erkrankung mit Fieber bis 38,5 Grad einhergeht, ist es nicht notwendig, den Arzttermin abzusagen. Impf-Expertin Heide Horn sagt dazu: "Wer selber Kinder hat, weiß, dass bei diesen, gerade auch wenn sie einen Kindergarten bzw. eine Kinderkrippe besuchen, oftmals eine Erkältung in die nächste übergeht. Wenn man da abwarten würde, bis das Kind völlig gesund ist, käme man mit den für Kindern empfohlenen Impfungen sehr schnell in Verzug."

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