Geburtshilfe

Kreißsäle schließen: „Hebammen vor Ort“ rücken mit dem Rettungsdienst aus

Immer mehr Kreißsäle schließen und für viele Schwangere wird der Weg ins Krankenhaus länger. Ein Pilotprojekt aus Hessen setzt deshalb auf „Hebammen vor Ort“, die gemeinsam mit dem Rettungsdienst zu Geburten ausrücken.

Ein mit Saugnapf von innen an der scheibe befestigtes Schild in einem Auto mit dem Aufdruck Hebamme im Dienst... auf dem weg zu Mutter und Kind
Bei Notfall-Geburten kommen im Main-Kinzig-Kreis auch Hebammen zum Einsatz. Foto: IMAGO / Steinach
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Manche Geburten kündigen sich lange an, andere kommen plötzlich und schneller als erwartet. So schnell, dass werdende Eltern es gar nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen. Dann kommen Babys manchmal im heimischen Wohnzimmer oder sogar im Auto zur Welt.

In solchen Situationen wird der Rettungsdienst alarmiert. Zwar gehört Geburtshilfe zur Ausbildung von Notfallmediziner*innen und Notfallsanitäter*innen, doch im Alltag erleben sie Geburten eher selten. Genau hier setzt ein besonderes Projekt aus Hessen an: Im Main-Kinzig-Kreis werden bei Notfällen zusätzlich „Hebammen vor Ort“ alarmiert.

Die Idee: Wenn eine Schwangere es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus oder Geburtshaus schafft, fährt parallel zum Rettungsdienst auch eine Hebamme zum Einsatzort.

Hebammen werden per App alarmiert

Die Hebammen werden über eine Katastrophenschutz-App benachrichtigt. Dort können sie direkt zurückmelden, ob sie den Einsatz übernehmen können. Die Koordination läuft über die Leitstelle des Rettungsdienstes.

Aktuell beteiligen sich 16 Hebammen aus dem Main-Kinzig-Kreis an dem Projekt. Die Rufbereitschaft übernehmen sie ehrenamtlich. Nur wenn es tatsächlich zu einem Einsatz kommt, können sie ihre Leistung über die Krankenkassen abrechnen.

Eine Garantie, dass immer eine Hebamme vor Ort ist, gibt es allerdings nicht. Dafür sind die Fachkräfte im Kreis zu unterschiedlich verteilt und natürlich auch nicht immer verfügbar.

Pilotprojekt mit großer Resonanz

Initiiert wurde „Hebammen vor Ort“ bereits 2022 als Pilotprojekt von Dr. Manuel Wilhelm, Leiter des Rettungsdienstes im Main-Kinzig-Kreis und selbst Ehemann einer Hebamme.

„Unser Team schätzt die Anwesenheit einer Geburtshelferin, und die bisherigen Einsätze wurden von den Hebammen anschließend in anonymen Fragebögen ausschließlich positiv bewertet“, wird Wilhelm in einer Pressemitteilung des Kreises zitiert.

Das Konzept findet inzwischen auch in anderen Regionen Interesse: In Fulda, im Vogelsbergkreis und im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es bereits ähnliche Projekte. Auch aus Thüringen, Stuttgart und Nordfriesland soll es laut Initiatoren Anfragen geben.

Hilfe in Zeiten geschlossener Kreißsäle

Gerade im ländlichen Raum kann ein solches Projekt für Schwangere im Ernstfall entscheidend sein. Denn immer wieder müssen Kreißsäle schließen, meist wegen Personalmangels oder wirtschaftlicher Probleme, da Geburtshilfe für Kliniken schwer planbar ist.

Die Folgen spüren viele werdende Eltern deutlich: längere Anfahrtswege zur nächsten Geburtsstation, überfüllte Kreißsäle und wachsende Versorgungslücken.

Projekte wie „Hebammen vor Ort“ können diese Entwicklung zwar nicht aufhalten, aber sie zeigen, wie kreative Lösungen Schwangeren in kritischen Momenten trotzdem Sicherheit geben können.