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Offene Beziehung: Vorteile, Nachteile und die wichtigsten Regeln

Offene Beziehung: Erfahre bei uns alle Vor-und Nachteile, sowie sinnvolle Grundregeln, die du beherzigen solltest.

Offene Beziehung: Vorteile, Nachteile und sinnvolle Grund-Regeln
Eine offene Beziehung eingehen? Wäge ab, ob du diese Beziehungsform möchtest. Foto: Tero Vesalainen/iStock

Nicht jeder findet eine offene Beziehung gut. Für andere wiederum ist diese Beziehungs-Form das Allheilmittel gegen Langeweile und ein wahrer Liebes-Booster. Aber macht eine offene Beziehung für dich und für euch als Paar Sinn? Wir haben für dich mögliche Vor- und Nachteile einer offenen Beziehung festgehalten. Außerdem präsentieren wir dir die wichtigsten Regeln, mit denen du die Do's und Don'ts in einer offenen Beziehung abstecken kannst.

Offene Beziehung: Definition

Zwar sind die Grenzen zwischen einer offenen Beziehung, freier Liebe und Polyamorie manchmal fließend, trotzdem lässt sich ein grundlegender Unterschied beobachten. Im Gegensatz zur polyamorösen Beziehung, beschließen zwei feste Partner einer Beziehung, mit dem Öffnen, ungezwungene sexuelle Kontakte mit anderen Personen einzugehen. In erster Linie geht es bei dem Entschluss zu einer offenen Beziehung also nicht darum, Gefühle für einen anderen Menschen außerhalb der "Hauptbeziehung" zu entwickeln. Vielmehr geht es um die sexuelle Freiheit fernab der Monogamie.

Verbundenheit, tiefer gehende Gefühle oder gar Liebe sind für die Partner außerhalb nicht vorgesehen. Auf diese Weise spielt vor allem der sexuelle Aspekt in der offenen Beziehung eine Rolle. Beide Partner in einer offenen Beziehung sind exklusiv sich selbst emotional treu. Nur, dass sie ihre Sexualität auch mit anderen Menschen ausleben. Während in anderen polygamen Beziehungs-Formen auch intensive romantische Gefühle sein dürfen und sogar sein sollen. Selbstverständlich erfolgt das Öffnen einer festen Beziehung in gegenseitigem Einverständnis beider Partner.

Die Vorteile einer offenen Beziehung

Die Offenheit stärkt die Beziehung

Wenn beide Partner mit der sexuellen Freiheit einverstanden sind, ist sie eine gute Möglichkeit, frischen Wind und neue Ideen ins Beziehungs-Bett zu bringen – und bestenfalls sogar das Gefühl der Verbundenheit zwischen den Partnern zu stärken und somit die Beziehung langfristig zu sichern.

Offene Beziehung entlastet beide Partner

Alle Bedürfnisse sollen von nur einer Person erfüllt werden? Das verursacht unter Umständen sehr viel Druck in einer Beziehung. Die Möglichkeit sich sexuell mit anderen Menschen auszuleben kann zu einer entspannteren Erwartungshaltung deinem Partner gegenüber führen. 

Die Leidenschaft lodert wieder auf

Gerade in langen monogamen Liebes-Beziehungen kann es vorkommen, dass die Lust aufeinander abklingt. Eine offene Beziehung kann wieder mehr Spannung in das eingeschlafene Sex-Leben bringen.

Offene Beziehung: Das sind die Nachteile

Eifersucht kann die Beziehung zerstören

Egal ob Whatsapp Nachricht oder E-Mail: Wann immer das Telefon klingelt, stellt sich die Frage, ob das der andere Partner ist. Diese fremden Menschen, mit denen eigentlich "nur" sexueller Kontakt bestehen soll, werden unsichtbar. Doch fühlbar sind sie trotzdem, indem sie in die Intimsphäre der Beziehung eindringen. Das verletzt, stört, kann zu Streitigkeiten führen und die Beziehung zerstören. 

Gesundheitliche Risiken

Wer ständig wechselnde Sexpartner hat, die wahrscheinlich auch noch mit anderen Menschen sexuell verkehren, muss damit rechnen, sich eine Geschlechtskrankheit einzufangen. Heißt für euch als Paar: Wenn ihr jedes Risiko vermeiden wollt, ist ein Kondom Pflicht!

Lust und Intimität können abebben

Die Vorstellung den Partner mit einem anderen Menschen zu teilen, kann dazu führen, dass eine Kluft in der Beziehung entsteht. Schlägt einer von euch eine neue Sex-Stellung vor, denkt der andere automatisch daran, dass diese sexuellen Wünsche womöglich schon außerhalb der Beziehung geteilt wurden. Dieser Gedanke kann den intimen Moment zwischen euch vergiften und die Vertrautheit zerstören. Auf lange Sicht kann sich dieser Verlust der Vertrautheit auch negativ auf euer Sex-Leben auswirken.

Schafft mit Regeln Rahmenbedingungen für die offene Beziehung

Damit die Liebe nicht auf der Strecke bleibt und eine offene Beziehung funktioniert sind Vertrauen und Ehrlichkeit das A und O. Das fängt schon bei dem Entschluss dazu die Beziehung zu öffnen an. Macht einer von euch nur aus Angst davor verlassen zu werden mit, klappt dieses Beziehungsmodell nicht. Sind allerdings beide Partner gleichermaßen für diese Erfahrung offen, sollten unbedingt feste Regeln definiert werden.

„Die Regeln für eine offene Beziehung, in der die Partner sich nicht treu sind, sondern auch mit anderen Menschen sexuell aktiv werden, muss jedes Paar selbst definieren. Ganz wichtig ist aber, dass über alle Fragen gesprochen wird“
Nils Terborg, Beziehungscoach

Klären sollte man zum Beispiel, ob beim erlaubten „Fremdgehen“ Kondom-Pflicht besteht. Die meisten Paare, die eine offene Beziehung führen, bestehen darauf, um sich gegen Krankheiten abzusichern. Auch wie oft der Partner mit jemand anders schlafen darf, sollte  besprochen werden. Gehen nur One-Night-Stands oder sind auch längere Affären in Ordnung? Fremdküssen ist erlaubt, Sex aber nicht? Sex ist ok, aber nicht in der eigenen Wohnung? Der Fremd-Sex darf auch im Ehebett – aber nachher bitte die Bettwäsche wechseln? 

Und was wollen sich die Partner gegenseitig von ihren Ausflügen erzählen: Alles, oder lieber nichts? Wie steht es um die Zukunftsplanung? Denn wenn einer der Partner plötzlich anfängt, von Hund, Kind und Haus zu erzählen, während der andere die nächste Sexparty plant, dann sind Konflikte natürlich vorprogrammiert.

Viele weitere spannende Berichte zum Thema "Offene Beziehung" finden sich in dem Coaching-Buch von Nils Terborg.

Entscheidend ist, durch solche Regeln zu definieren, inwiefern sich die Beziehung von den Affären unterscheidet. Denn nur wenn sich die Partner ihrer Beziehung sicher sein können, ist eine sexuelle Öffnung ohne Eifersucht möglich.

Erfahrung offene Beziehung: Ein Paar im Austausch

Steffen und Tanja sind eines von vielen Paaren, die der Beziehungscoach Nils Terborg zum Thema Offene Beziehung interviewt hat.

Steffen und Tanja liegen gemeinsam im Bett und sind gerade aufgewacht. Am letzten Abend waren die beiden auf einer Geburtstagsfeier bei Freunden – dementsprechend beschließen sie, noch etwas im Bett zu bleiben und den gestrigen Abend noch einmal Revue passieren zu lassen.

»Das war ja schon eine ordentliche Sause gestern Abend«, murmelt Steffen noch halb verschlafen, schafft es aber trotzdem schon, Tanja anzulächeln. »Ich werde definitiv nie wieder Alkohol anrühren!«

Tanja kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. »Ja, ich mach mit! Nie wieder und bis nächstes Wochenende, da hat nämlich Nina Geburtstag. Aber danach dann definitiv wirklich nie wieder!«

»Oh ja! Nina … die hatte gestern auch gut Spaß.« Steffen macht eine kurze Pause. »Also ich finde das ja immer etwas merkwürdig. Sobald sie mal ohne Oli auf einem Geburtstag ist und etwas getrunken hat, drückt sie ja schon ganz schön auf die Tube

»Wie genau meinst du das?«, fragt Tanja.

»Na ja, gestern Abend war sie anderen Männern gegenüber erst ganz schön anhänglich, und dann habe ich sie für ungefähr eine Stunde nicht gesehen. Und zufälligerweise war der Gastgeber in der gleichen Zeit auch nicht auffindbar. Ich weiß nicht, wenn ich jetzt Oli wäre und mir dann jemand so was erzählen würde, ich würde mich ja schon etwas merkwürdig fühlen. Ob es das bisschen Spaß zwischendurch wert ist, sich schlecht zu fühlen?«

»Hm, gute Frage«, entgegnet Tanja. »Ich denke, man muss sich halt genau überlegen, was man will und was einem wichtig ist. Dass die Leute in so einem Fall auch schon mal anfangen zu reden, ist ja irgendwie klar. Mir ist aber ehrlich gesagt mittlerweile egal, was andere über mich denken. Ich will glücklich sein und das machen, was mir guttut.« Steffen denkt noch nach, also holt Tanja noch weiter aus.

»Ich kann Nina verstehen. Sie ist jetzt schon so lange mit Oli zusammen, und dass sie da irgendwann mal wieder neugierig ist, wie es mit anderen so ist, wundert mich jetzt nicht so. Ich meine, ich liebe dich, und ich würde mit niemandem anderen zusammen sein wollen. Aber um ehrlich zu sein, bin ich nicht so ganz davon überzeugt, dass man ein Leben lang nur eine Person lieben kann. Und du redest ja auch schon mal davon, dass du den Gedanken komisch fändest, wenn du dein ganzes Leben lang nur noch mit mir schlafen würdest ...«

Wenn die Beziehungspartner einverstanden sind gilt grundsätzlich: Solange niemandem geschadet wird, ist jede Beziehungsform zwischen erwachsenen Menschen, die euch glücklich macht zu befürworten. Festhalten lässt sich aber, dass es wichtig ist, sich bewusst für oder gegen eine Beziehungsform zu entscheiden - ob monogam oder polygam - und im Voraus individuelle Regeln offen zu kommunizieren.

Du hast dich in einen anderen Mann verliebt? Schau dir im Video an, wie du mit dem Gefühlschaos umgehen kannst.

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Artikelbild und Social Media: Tero Vesalainen/iStock