Aus dem Amazonas-Regenwald

Paranüsse: Gesund, radioaktiv und durch Kinderarbeit? Das ist die schonungslose Wahrheit!

Aus der Serie: Diese Nährstoffe stecken in Nüssen

Paranüsse sind gesund - oder etwa doch nicht? Was es mit radioaktiven Paranüssen auf sich hat, wann Kinderarbeit in der Nuss steckt, wie viel Selen sie enthalten und was du sonst noch über die exotische Nuss wissen solltest, liest du bei uns.

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Die Paranuss ist bedingt gesund und sollte nur in kleinen Mengen genossen werden - doch manchmal lauert auch Kinderarbeit hinter den Nüssen. (Symbolbild)
Die Paranuss ist bedingt gesund und sollte nur in kleinen Mengen genossen werden - doch manchmal lauert auch Kinderarbeit hinter den Nüssen. (Symbolbild) Foto: luoman/iStock

Paranüsse sind lecker, enthalten viel Selen und sind auch sonst ein tolles Lebensmittel - richtig? Geht so - denn ab und an liest man über die Nuss in Verbindung mit Radioaktivität und dass sie auch sonst giftig sei. Und als wäre das nicht genug, steckt hinter vielen Nüssen auch Kinderarbeit. Wie kann das sein? Alles darüber, über Nährwerte, Kalorien und wann du sie gefahrlos essen kannst, erfährst du hier.

Paranüsse: Gesunde Nüsse aus dem Urwald?

Nüsse sind gesund - das lernt schon jedes Kind recht früh. Allerdings bekommen die meisten dann eher Studentenfutter, Walnüsse, Haselnüsse, Erdnüsse, Cashews oder Mandeln in die Finger. Paranüsse sind da eher die Ausnahme.

Die Paranuss ist eigentlich gar keine richtige Nuss. Es handelt sich dabei um die Samen des Paranussbaumes (lat. Bertholletia excelsa), die in der Frucht heranwachsen Daher ist es eigentlich eine Kapselfrucht. Der Name leitet sich vom brasilianischen Bundesstaat Pará ab und kommt eigentlich aus dem Regenwald - selbst heute kommen die Samen meist von wild wachsenden Bäumen und werden tief im Urwald aufgesammelt.

Der Baum ist im gesamten südamerikanischen Amazonas-Gebiet heimisch und wächst in Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien, Venezuela, Surinam, Guyana und Französisch-Guyana, das zur EU gehört.

Paranüsse werden meist ohne Schale verkauft. Diese war in der Vergangenheit oft mit Aflatoxinen belastet - einem krebserregenden Schimmelpilzgift.
Paranüsse werden meist ohne Schale verkauft. Diese war in der Vergangenheit oft mit Aflatoxinen belastet - einem krebserregenden Schimmelpilzgift. Foto: Christel Rosenfeld/iStock

Ein erwachsener Paranussbaum kann ganz schön groß werden - bis zu 55 Meter wachsen die Urwaldriesen in den Himmel. Entsprechen groß sind auch die Kapselfrüchte selbst - sie sehen ähnlich aus wie der braune Teil der Kokosnuss.

Wirklich wirtschaftlich genutzt wird die Paranuss aber nur in Brasilien, Bolivien und Peru - aus diesen Ländern kommen auch die meisten der Nüsse aus dem Supermarkt. Brasilianische Paranüsse in der Schale unterliegen allerdings einer bestimmten EU-Verordnung, da sie in der Vergangenheit oftmals bestimmte Grenzwerte deutlich überschritten haben. Dazu später mehr.

Paranüsse aus Bolivien: Kinderarbeit beim Sammeln

Klingt fast alles super, oder? Ist es aber leider nicht. Denn ein Arbeitsschritt der Paranuss-Ernte ist mancherorts oft mit Kinderarbeit verbunden. Die Nüsse landen dann auch in deutschen Supermärkten oder Discountern.

Bei Paranüssen aus Bolivien solltest du vorsichtig sein - beim Aufsammeln der herabgefallenen Nüsse vom Boden arbeiten oft Kinder mit, um Geld für die Familie zu verdienen. Das berichtete im Sommer 2021 die taz und zeigt auf, dass sich große Firmen oft unwissend geben und Lieferketten nur unkontrolliert oder unvollständig sind. Ein Verbot von Kinderarbeit existiert demnach oft nur auf dem Papier.

Paranüsse: Selen, Kalorien, Nährwerte und weitere Inhaltsstoffe

In der Paranuss finden sich viele Mineralstoffe und Vitamine, die gut für die Gesundheit und den Körper sind. Vor allem der Gehalt an Selen ist so hoch wie in keinem anderen pflanzlichen Lebensmittel. Allerdings ist genau das der Punkt, warum du um deiner Gesundheit Willen mit dem Verzehr der Paranüsse etwas langsam machen solltest - denn zu viel Selen macht deinen gesunden Körper schnell krank.

Wer zu viele Paranüsse schnabuliert, kann schnell an einem Selenüberschuss, der sogenannten Selenose, leiden. Symptome sind laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) unter anderem neurologische Störungen, Durchfall, Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit und Übelkeit. Im späteren Stadium kommen Haarausfall, brüchige Nägel und ein knoblauchartiger Atem hinzu. Allerdings solltest du niemals mehr als zwei Paranüsse am Tag essen, weswegen das Risiko eher gering ist. So ist die Paranuss gerade noch gesund.

Ein weiterer Paranuss-Inhaltsstoff, der nicht wirklich gesund ist, ist Barium. Das wird in den Nüssen angereichert und macht sie auch nicht gesünder - denn in zu großer Menge wirkt Barium im Körper giftig und bringt dir Parästhesie, Schwäche, Durchfall, Erbrechen, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Das schreibt das US-Gesundheitsministerium. Aber auch das ist nur ein Nebengrund, weswegen du auf einen hohen Paranuss-Konsum - egal ob täglich oder auf lange Sicht - besser verzichten solltest. Kommen wir aber zunächst mal zu den Nährwerten, Kalorien und gesunden Inhaltsstoffen.

Wie andere Nüsse oder nussähnliche Kerne bzw. Samen haben auch Paranüsse einen sehr hohen Fettanteil von rund 67 Gramm Fett pro 100 Gramm Paranüsse. Die Werte stammen vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA). Dies sind jedoch mehrheitlich einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Gesättigte Fettsäuren sind weniger enthalten, aber der Gehalt ist höher als in vielen anderen Nüssen. Die ungesättigten Fettsäuren können dazu beitragen, dass dein Cholesterin im Blut gesenkt wird.

Der hohe Fettgehalt hat zur Folge, dass Paranüsse viele Kalorien enthalten. Der Brennwert der Nüsse liegt bei 2.757 KJ bzw. 659 kcal. Daneben finden sich in den Paranuss-Nährwerten 11,7 Gramm Kohlenhydrate, wovon rund 7,5 Gramm Ballaststoffe sind und ca. 2,5 Gramm Zucker. Außerdem sind 14,3 Gramm Eiweiß in 100 Gramm Nüssen enthalten, was ein recht hoher Wert an Eiweiß (Protein) ist.

Die Paranuss kann in puncto Gesundheit vor allem mit Mineralstoffen punkten, wie du auch in der Auflistung des USDA sehen kannst. Sie enthält wirklich sehr hohe Mengen an Phosphor, Magnesium, Kalium, Calcium, Eisen, Zink und eben Selen. Welche Mineralstoffe und Vitamine du in der Paranuss finden kannst, siehst du hier:

Mineralstoffe

  • Phosphor

  • Kalium

  • Magnesium

  • Calcium

  • Zink

  • Natrium

  • Eisen

  • Kupfer

  • Selen

Vitamine & weitere Substanzen

  • Vitamin B1

  • Vitamin B2

  • Vitamin B3

  • Vitamin B6

  • Vitamin B9

  • Vitamin C

  • Vitamin E

  • Cholin

Cholin ist eine vitaminähnliche Substanz, die aber für Menschen nicht essentiell ist und daher nicht als Vitamin gilt.

Paranuss: Radioaktive Samen?

Paranüsse sind also in geringen Mengen gesund, oder? Ja, eigentlich schon, es gibt aber noch ein großes Aber, dass du besser im Blick behalten solltest, wenn es um diese Kapselfrucht geht. Vielleicht hast du schon mal davon gehört, bevor du diesen Artikel gelesen hast, aber vielleicht warst du auch überrascht: Paranüsse sind radioaktiv.

Das klingt erstmal schlimm, aber auch schlimmer, als es eigentlich ist. Viele Lebensmittel reichern radioaktive Elemente an und haben somit eine natürliche Strahlung - viele Pilze zum Beispiel, aber auch in Wildtieren wie Wildschweinen. Wenn du die Menge von 2 Paranüssen am Tag nicht überschreitest, hat der Konsum aber laut des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) keine negativen Auswirkungen auf deine Gesundheit.

Wenn du das mit den 2 Paranüssen aber jeden Tag machst, futterst du jährlich mehr als die Hälfte der eigentlichen Menge an natürlichen Radionukliden zusätzlich in dich hinein, als du es sonst tun würdest. Das BfS gibt an, dass ein durchschnittlicher Mensch durch Nahrungsaufnahme rund 300 Mikrosievert an natürlicher Radioaktivität im Jahr aufnimmt. Durch die 2 Paranüsse täglich erhöht sich der Wert auf 460 Mikrosievert. Ein Mensch in Deutschland nimmt im Jahr durch natürliche Strahlung etwa 2.100 Mikrosievert auf. Die Belastung, die bspw. durch Kernkraftwerke jährlich zusätzlich erlaubt ist, liegt bei 1.000 Mikrosievert. Das zeigt, dass die Paranuss radioaktive Stoffe durchaus in höheren Mengen enthält.

Vor allem zwei Stoffe machen dabei den Löwenanteil der Radioaktivität aus:. Radium-226 und Radium-228. Welche radioaktiven Substanzen du in Paranüssen findest und wie hoch die Strahlung der Stoffe in frischen Paranüssen laut BfS ist, siehst du in folgender Auflistung:

  • Blei-210: 4,7 Bequerel (Bq)/kg

  • Radium-224: 25 Bq/kg

  • Radium-226: 41 Bq/kg

  • Radium-228: 46 Bq/kg

  • Thorium-228: 12 Bq/kg

  • Thorium-232: 17 Bq/kg

  • Uran-238: 1,4 Bq/kg

Der Grenzwert für Lebensmittel in Deutschland liegt bei 600 Bq/kg, nur bei Milch und Babynahrung bei 370 Bq/kg. Daher ist es durchaus nicht falsch, maximal zwei Paranüsse am Tag zu essen - mal abgesehen von den Nebenwirkungen, die der hohe Selenwert und das Barium auf deine Gesundheit haben. Aus diesen vielen Gründen solltest du Paranüsse nicht in großen Mengen essen, aber es gibt noch einen Grund.

Um deinen Selenbedarf zu stillen, empfiehlt aber sogar die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), nicht auf Paranüsse zurückzugreifen, sondern im Falle eines Selenmangels stattdessen Nahrungsergänzungsmittel mit Selen zu dir zu nehmen.

Paranüsse: Schimmel in der Schale - Aflatoxine

Als wäre das noch nicht genug, gibt es aber noch ein weiteres Problem mit Paranüssen - wir erinnern uns an die vorhin erwähnte EU-Verordnung, die Paranüsse aus Brasilien betrifft. Oftmals in der Vergangenheit waren Paranüsse aus Brasilien stark mit Aflatoxin belastet. Dabei handelt es sich um als krebserregende geltende Schimmelpilzgifte.

Laut des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) wurden 2018 vier Proben vom LAVES untersucht - und in einer war die Belastung so stark, dass sie den Grenzwert um mehr als das Vierfache überstiegen hat. Das Problem an Aflatoxin ist, dass du das Schimmelpilzgift weder schmecken noch riechen kannst.

Generell solltest du bei Nüssen in dieser Hinsicht vorsichtig sein. Wenn sie ölig sind, ranzig oder muffig schmecken, ist der Verzehr nicht sicher und du solltest sie besser entsorgen. Ebenfalls gilt das, wenn Paranüsse und Co. schwarze Stellen haben.

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Artikelbild und Social Media: luoman/iStock (Symbolbild)