Japan-BondageShibari: Erfahrungen eines Anfängers mit der japanischen Fesselkunst

Bei der Sexpraktik Shibari fesseln Paare sich gegenseitig für ein intensiveres Liebes- und Sexerlebnis. Wir verraten euch, was hinter dem Bondage-Trend aus Japan steckt und haben mit einem Shibari-Anfänger über seine Erfahrungen gesprochen.

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Inhalt
  1. Was ist Shibari? 
  2. So funktioniert Shibari 
  3. Darauf solltest du bei Shibari achten 
  4. Shibari: Erfahrungen eines Anfängers 

Die japanische Fesselkunst Shibari begeistert weltweit immer mehr Menschen. Doch kann man tatsächlich Lust empfinden, wenn man am ganzen Körper gefesselt ist und keinen Muskel mehr bewegen kann? Ein Shibari-Anfänger hat uns erzählt, wie er die Sexualpraktik empfindet und warum es bei Japan-Bondage nicht um Dominanz und Unterwürfigkeit geht. 

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Was ist Shibari? 

Shibari, auch bekannt als Japan-Bondage, steht für ästhetische Fesselspiele. Ursprünglich stammt der Begriff aus Japan und ist auf die traditionelle militärische Fesseltechnik Hojōjutsu zurückzuführen. In den 1950er-Jahren hat sich die Sexualpraktik zu einem Teil des modernen BDSM entwickelt. 

Im Unterschied zu herkömmlichem Bondage geht es bei Shibari nicht darum, Macht auszuüben, jemanden zu quälen oder zu zwingen, etwas zu tun. Es geht mehr um die Ästhetik des Fesselns, bei der die Bindung der Partner, das gegenseitige Vertrauen und die Wertschätzung im Zentrum stehen. Die Seile werden also nicht wie bei BDSM als Mittel zur Bestrafung, sondern als künstlerisches Element verwendet. 

Da bei Shibari die Ästhetik und Erotik im Vordergrund steht, wird der Körper der gefesselten Person mit vielen Seilen und Knoten quasi kunstvoll verziert. Ziel ist es, durch die eingeschränkte Beweglichkeit in einen Zustand der absoluten Entspannung zu gelangen und durch den Druck der Seile bestimmte Emotionen bei der gefesselten Person auszulösen. 

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So funktioniert Shibari 

Bei Shibari fesselt ein sogenannter Rigger mit Hanf- oder Juteseilen seinen Partner, der Rope Buttom oder Bunny genannt wird. 

Es gibt viele verschiedene Fessel-Arten, bei denen nicht immer der ganze Körper gefesselt wird, sondern zum Teil auch nur die Brüste oder Genitalien. Durch die Knotentechnik soll das Bunny sich entweder gar nicht mehr bewegen können oder der Fokus auf verschieden Körperteile gelegt werden.  

Bei Shibari legt der Rigger seinem Bunny langsam die Seile um den Körper und erhöht von Knoten zu Knoten die Intensität. Dabei ist das Paar sich besonders nah und befindet sich trotz weniger Kommunikation in einem ruhigen Zustand von bedingungslosem Vertrauen.

Ob der Rigger sein Bunny auf einem Stuhl, im Bett oder auf dem Boden fesselt, bleibt ihm überlassen. Fortgeschrittene Shibari-Kenner können die gefesselte Person sogar an der Decke aufhängen. Hier ist jedoch größte Vorsicht geboten, denn es handelt sich bei den sogenannten Suspensions, um die gefährlichste Art zu fesseln. Der Fesselnde sollte viel Erfahrung mitbringen und sehr gute Kenntnisse über die Anatomie des menschlichen Körpers besitzen. 

Ob und wann das Paar während der Fesselspiele Sex hat, bleibt ihnen überlassen. Einige nutzen Shibari auch einfach nur als Vorspiel oder um ihre leidenschaftliche Beziehung zu vertiefen. 

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Darauf solltest du bei Shibari achten 

Wenn du dich für die japanische Sexualpraktik interessierst und diese gerne ausprobieren möchtest, solltest du jedoch einige Dinge im Blick haben. Wir verraten dir, worauf du bei Shibari achten musst. 

Informiere dich ausreichend 

Auch wenn du am liebsten sofort loslegen würdest, solltest du dich vor deinen ersten Shibari-Erfahrungen erst einmal gut informieren. Es gibt einige Handbücher, die dir einen Einblick in das Japan-Bondage geben. Auch auf Youtube findest du viele Anleitungen, die dir alles über die Grundlagen des Shibari und die Knotentechnik beibringen. 

Um das Fesseln mit Seilen richtig zu lernen, lohnt es sich, an speziellen Shibari-Workshops teilzunehmen. Es gibt auch Online-Kurse, bei denen du mit deinem Partner oder als Einzelperson alles über die japanische Fesselkunst lernst. 

Das körperliche Wohlbefinden steht an erster Stelle 

Shibari erfordert viel Achtsamkeit. Jeder Handgriff und jeder Knoten muss gewissenhaft durchgeführt werden, denn sonst kann es zu ernsthaften Quetschungen und langfristigen Schäden kommen. 

Der Rigger muss die Reaktionen seines Bunnys ständig im Blick haben und darauf achten, dass die Blutzufuhr zu einzelnen Körperteilen nicht zu lange unterbrochen wird. Idealerweise sollten immer zwei Finger zwischen Haut und Seil passen. 

Am besten hat man stets ein Messer oder eine Schere griffbereit, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Besonders wichtig ist es, die gefesselte Person niemals allein zu lassen

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Shibari: Erfahrungen eines Anfängers 

Wir haben mit Leon* gesprochen, einem 26-jährigen Studenten, der vor sechs Monaten mit Shibari angefangen hat. Hier verrät er uns, was ihn am Japan-Bondage reizt und wie er dazu gekommen ist.  

„Von Shibari habe ich das erste Mal vor zwei Jahren gehört und seit einem halben Jahr beschäftige ich mich intensiver damit. Ich bin ein Mensch, der gerne neue Dinge ausprobiert und seine Sexualität sehr offen auslebt. Da ich auch sehr gerne male und kreativ bin, war ich bei Shibari direkt von dem künstlerischen Umgang mit den Seilen fasziniert. Zusammen mit meiner Ex-Freundin habe ich dann meine ersten Erfahrungen gesammelt und habe gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, nicht nur mein Gegenüber zu fesseln, sondern die Fesseln auch selbst zu spüren.  

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Auch wenn Einige mit Fesseln wahrscheinlich direkt Schmerzen assoziieren, wird es sie überraschen, dass die Seile eigentlich eine sehr beruhigende und entschleunigende Wirkung haben. So habe ich es zumindest empfunden, als ich die Position des Gefesselten eingenommen habe. Das Seilkonstrukt gibt einem ein Gefühl von Geborgenheit und man hört auf, sich Gedanken über sein Äußeres zu machen. Man kommt in einen Zustand, in dem man sich als Gefesselter einfach nur noch schön und befreit fühlt – ein bisschen, als ob man ein sehr bequemes Outfit anhat. 

Ich denke aber auch, dass das eine Frage des Mindsets ist. Ähnlich wie beim Yoga muss man sich komplett auf die Situation einlassen, alles andere ausblenden und sich von seinen Ängsten lösen. Diesen intimen Zustand kann man aber natürlich nur erreichen, wenn eine vertrauensvolle Basis vorhanden ist. Ich taste mich daher immer sehr behutsam an mein Gegenüber heran und beginne mit liebevollen Umarmungen, damit sich unsere Körper langsam näherkommen und wir uns bewusst wahrnehmen können.   

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Wie schnell oder langsam man letztlich aber vorgehen möchte, ist natürlich jedem selbst überlassen. Und ich denke auch, dass jeder für sich entscheidet, wie weit man letztlich geht – ob der Fokus also eher auf dem Fesselspiel liegt oder das Sexuelle im Vordergrund steht. Ich habe zum Beispiel nicht immer direkt Sex, sondern zeichne meine Bunnys auch einfach gerne im gefesselten Zustand, da mir die Ästhetik gefällt. Aber natürlich geht es auch ganz klar um Leidenschaft und Lust. Wenn ich meinem Bunny die ersten Seile um den Körper binde und ihr dabei schon ein genussvolles Stöhnen entweicht, löst das auch in mir Erregung und Glücksgefühle aus. Das kann ich natürlich nicht leugnen.“

*Name von der Redaktion geändert 

Autorin: Sofia Mönter Jaime 

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