Warum manche Paare Weihnachten getrennt feiern – und was das über ihre Verbindung sagt
Getrennt an Weihnachten? Das muss kein schlechtes Zeichen sein. Erfahre, was es wirklich über eure Liebe verrät.

Jedes Jahr kommt das Fest zu schnell und jedes Jahr stellen sich viele Paare die Frage: Wo feiern wir Weihnachten? Bei deinen Eltern? Bei meinen? Zu Zweit? Mit wem man schließlich unterm Tannenbaum sitzt, kann zu einer Streitfrage werden. Manchmal kann es da sogar sinnvoll sein, als Paar getrennt Weihnachten zu feiern.
Welche Gründe dafür sprechen, wann ein getrenntes Weihnachtsfest problematisch ist und was das über eine Beziehung aussagt, erklären wir in diesem Artikel mit Unterstützung der emotionsfokussierten Paartherapeutin Ilka Schütte aus Berlin.
Gründe Weihnachten als Paar getrennt zu verbringen
Der eine fährt in die Heimat zu seinen Eltern, der andere bleibt zum Fest zu Hause. Die Gründe, warum Paare getrennt voneinander Weihnachten feiern, sind vielfältig:
Paartherapeutin Ilka Schütte aus Berlin erläutert die Gründe für getrennte Weihnachten: „Vielleicht wünscht sich der eine Partner mehr Ruhe an den Feiertagen oder die Elternpaare wohnen so weit voneinander entfernt, dass die Festtage zu einem stressigen Autotrip werden würden“, erklärt Schütte. „Manchmal verstehen sich Familien nicht miteinander und es ist einfacher, getrennt zu feiern.“
Das Essen ist außerdem ein häufiges Streitthema: Der eine isst vegan, der andere trinkt keinen Alkohol. „Um die Feiertage stressfreier für alle zu gestalten, ist es manchmal einfacher, nicht zum Heiligabend-Dinner gemeinsam zu erscheinen, sondern lieber zusammen zu Kaffee und Kuchen am nächsten Tag“, so Schütte, die schon viele Paare in ihrer Praxis mit ähnlichen Entscheidungen hatte.
Ist ein Weihnachtsfest ohne den*die Partner*in ein schlechtes Zeichen?
„Nein, wenn beide diese Entscheidung bewusst zusammen getroffen haben“, erklärt Ilka Schütte. „Das zeigt, dass das Paar eine sichere Bindung hat.“ Eine sichere Bindung erlaubt Autonomie. Das bedeutet: Fühle ich mich innerhalb meiner Partnerschaft sicher, treffe ich eher eigene Entscheidungen.
„Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Kinder einen sicheren Hafen brauchen, also jemand, der sie tröstet und für sie da ist, damit sie in die Welt hinausgehen“, erklärt Schütte. „Das ist als Erwachsener nicht anders, weil wir Menschen Bindungswesen sind.“
Laut Ilka Schütte ist es daher gesund, wenn Paare sich bewusst dafür entscheiden, Weihnachten nicht zusammen zu verbringen: „Das zeigt ihre emotionale Verbundenheit – und die zählt mehr, als ein bestimmter Tag im Jahr.“
Das gilt übrigens auch für Paare, die ein Kind haben. „Wenn das getrennte Fest eine bewusste Entscheidung ist, mit der alle Beteiligten einverstanden sind, ist es eine gute Entscheidung, die von einer starken Verbindung zeugt“, sagt die Paartherapeutin.
Kinder lernen so außerdem: Ich darf Grenzen setzen, ich darf mich für mich einsetzen. „Gerade bei Kindern ist so wichtig ihnen beizubringen: ,Ich muss Dinge nicht machen, die ich nicht will.'"
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DAS könnte ein Alarmsignal sein
Eine bewusste Entscheidung für ein getrenntes Weihnachten, setzt allerdings voraus, dass beide Partner in der Lage sind, dem anderen klar die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren. „Leider können viele Menschen nicht für sich selbst einstehen und machen etwas, das sie nicht wollen“, so Schütte. Der Grund: Wir haben nicht gelernt, zu kommunizieren, was wir brauchen. „Zudem spielt Angst eine Rolle: Wir haben Sorge vor einem Konflikt oder wollen den anderen nicht vor den Kopf stoßen.“
Bleibt der eine also lieber zu Hause, weil er ein Ruhebedürfnis hat, dieses aber nicht benennt, sondern mit einer fingierten Ausrede argumentiert, kann das zu einem Konflikt führen.
Wird die Entscheidung, Weihnachten getrennt zu feiern, einseitig getroffen, kann es auch sein, dass sich derjenige schon länger von der Partnerschaft entfernt hat. „Dann zieht sich einer der Partner zurück, verhält sich passiv“, erläutert Ilka Schütte. Die Beziehung gerät in eine Schieflage. „Den Rückzug spürt der andere. Oft reagieren wir dann mit Wut, Vorwürfen, Ärger oder Unzufriedenheit, weil wir verunsichert sind.“
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Warum ein getrennt verbrachtes Weihnachten für viele befremdlich ist
Vor allem das Weihnachtsfest ist emotional aufgeladen und mit Druck und Erwartungen behaftet. „Die gesellschaftlichen Erwartungen sind zu den Festtagen hoch, da diese Zeit mit einem Idealbild der heilen Familie einhergeht“, so Schütte. Das liege daran, dass viele Menschen mit Familie Einheit und Zugehörigkeit verbinden. „Schießt dann jemand aus dem Familiensystem quer, kann das für manche Menschen eine Bedrohung der Bindung bedeuten.“
Für einige Menschen ist das Bild eines Paares, das Weihnachten getrennt verbringt, daher befremdlich. „Das hat mit den eigenen Werten zu tun, aber auch mit einem Sicherheitsbedürfnis“, sagt Ilka Schütte. Jemand verbindet vielleicht mit Weihnachten eine negative Erfahrung, wie eine Trennung und kann daher nicht nachvollziehen, warum jemand Weihnachten nicht mit dem Partner oder der Partnerin verbringen möchte.
„Reagiert das Umfeld mit Unverständnis oder gar Wut, sagt das über die jeweilige Person etwas aus – und weniger über das Paar.“ Eltern wünschen sich zudem Nähe und Bestätigung und können die Abwesenheit eines Partners schnell auf sich beziehen. „Da treffen dann Bindungsbedürfnisse aufeinander“, erklärt die Paartherapeutin. „Aber auch Gefühle der Ablehnung können eine Rolle spielen.“
Weihnachten als Paar getrennt: So kannst du auf Kritik & Skepsis reagieren
Du hast schon mal Weihnachten ohne deinen Partner oder deine Partnerin verbracht – und dafür Sprüche wie: „Ist bei euch alles okay?“ oder „Mag uns dein Freund/ deine Freundin etwa nicht?“ geerntet? Auch in diesem Jahr wollt ihr Weihnachten nicht miteinander feiern und du hast Sorge, dass du wieder ähnliches zu hören bekommst?
Ilka Schütte hat Tipps:
Wertschätzend erklären: „Eine ehrliche Erklärung, warum der Partner nicht mitgekommen ist, hilft, Missverständnisse vorzubeugen. Aber eine Rechtfertigung ist nicht notwendig.“
Grenzen setzen: „Zur Entscheidung stehen und annehmen, wenn die Eltern oder die Familie kein Verständnis hat.“
Sich selbst sagen: „Ich darf selbst wählen und entscheiden, was ich brauche und was gut für mich ist.“
Nicht verunsichern lassen: „Stoßen wir auf Unverständnis, weil der Partner nicht mit zum Gansessen an Heiligabend gekommen ist, schauen wir oft bei uns selbst und zweifeln: ,Stimmt vielleicht doch etwas nicht mit unserer Beziehung?' Dann sollte man sich an die eigenen Bedürfnisse erinnern und diese nicht hinterfragen.“
Feiertage getrennt vom Partner - ja oder nein? Diese Fragen helfen!
Ihr seid euch unsicher, ob ihr Weihnachten getrennt verbringen möchtet? Ilka Schütte hat Tipps und Fragen, die sich Paare stellen können, um herauszufinden, ob getrennte Weihnachten eine Option sind:
„Wir richten uns oft nach den anderen und nicht nach den eigenen Bedürfnissen. Frage dich daher: Was möchte ich?“
„Wollen wir für uns einstehen, kommt oft eine Stimme, die sagt: ,Ich bin eine schlechte Mutter/ Tochter/ etc.' Dann gilt es, liebevoll auf sich zu schauen und sich zu sagen: ,Ich darf diese Entscheidung treffen und bin deshalb kein schlechter Mensch.'"
„Was passiert, wenn ich meine Bedürfnisse durchsetze? Was kann im schlimmsten Fall passieren?“
„Welche Kompromisse lassen sich im Zweifel finden, ohne, dabei die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen?“
„Auch die andere Seite sehen und erkennen, dass hinter dem Unverständnis des Anderen meist auch der Wunsch nach Nähe und Verbindung steht.“
Zum Schluss betont die Paartherapeutin: „Aus meiner Sicht ist es viel wichtiger, die Verbundenheit als Paar im Alltag zu stärken – und nicht nur am 24. Dezember.“
Für Paare sei es daher umso wichtiger, dass sie einander das ganze Jahr über emotionale Präsenz (trösten, zuhören, etc.) zeigen. Dann ist die Bindung sicher – und es ist egal, ob du Weihnachten auf Hawaii oder dein Partner in Halle bei seinen Eltern unter dem Tannenbaum sitzt.

Ilka Schütte ist Paartherapeutin aus Berlin und arbeitet mit Paaren vor Ort und online. Mit ihrem selbst entwickelten REconnect Programm begleitet sie Paare, die ihre Beziehung wirklich verstehen, heilen und neu gestalten möchten. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen die tieferliegenden Emotionen, dort, wo Konflikte entstehen und wo Nähe wieder wachsen kann. Sie arbeitet nach der emotionsfokussierten Paartherapie und schafft Räume, in denen Paare lernen, einander wieder zu sehen, zu verstehen, miteinander in Verbindung zu treten und alte Muster zu lösen, um wieder in Nähe und Vertrauen zu kommen.
Mehr Informationen findest du unter: ilkaschuette.de
Artikelbild und Social Media: iStock/OksanaKlymenko







