Körperliche Anziehungskraft

Sexuelle Anziehung: Was entscheidet, zu wem ich mich hingezogen fühle?

Ein Lächeln, ein Augenkontakt und wir sind hin und weg! Doch woran liegt das? Sexuelle Anziehung erkennen und einordnen.

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Du siehst eine Person das erste Mal und ohne dass du es dir so richtig erklären kannst, fühlst du dich unmittelbar zu ihr hingezogen. Du kannst nicht aufhören, die Person heimlich zu beobachten, suchst den Blickkontakt und wünschst dir, diesem Menschen nahezukommen.

Wieso spüren wir sexuelle Anziehung zu einem fremden Menschen? Was sind die Gründe, dass du dich ausgerechnet zu diesem Mann oder dieser Frau hingezogen fühlst? Wir haben mit Paartherapeut Eric Hegmann gesprochen. Er erklärt, was passiert, wenn du eine sexuelle Anziehungskraft spürst. Erfahre auch, wie du erkennen kannst, ob der andere die sexuelle Anziehung auch wahrnimmt und worin du den Unterschied zwischen einer rein körperlichen Anziehung und Liebe merkst.

Wie ensteht sexuelle Anziehung?

Wenn du eine Spannung zwischen dir und einer anderen Person wahrnimmst, kann das viele Gründe haben. Oftmals spielen psychologische Prozesse unterbewusst eine Rolle. Ob du jemanden sexuell anziehend findest, hängt zum Beispiel davon ab, wonach du dich sehnst und welche Vorlieben du hast. Aber auch Ängste und Unsicherheiten können einen Einfluss haben.

Doch zunächst einmal ist es ein ganz natürliches Verhalten, wie Paartherapeut und Parship-Berater Eric Hegmann erklärt: „Sexuelle Anziehungskraft zu verspüren ist Teil unseres Sexualtriebs, der (individuell verschieden) durchaus einen sehr starken Einfluss auf Menschen ausübt. Bei manchen werden sofort sexuelle Fantasien geweckt, bei manchen steigert sich einfach das Wohlbefinden, manche agieren wie fremdgesteuert und ohne Grenzen zu erkennen oder zu befolgen. Jemanden sexy oder nicht sexy zu finden, ist ein permanent laufendes Programm.“

Ob du eine Person sexuell anziehend findest, ist also eine Art Frage, die du dir oftmals automatisch stellst. „Parallel zu dem Programm, das versucht herauszufinden, ob auf uns jemand sympathisch oder bedrohlich wirkt. Kommen Sympathie und sexuelle Anziehungskraft zusammen, dann fühlt sich das großartig an, manchmal eben wie die ‚Liebe auf den ersten Blick‘. Verstehen wir Liebe als etwas, das erst durch gemeinsame Erfahrungen und Werte entstehen kann, dann ist Liebe auf den ersten Blick eben auch nur genau das: sexuelle Anziehungskraft und Sympathie, – aber eben keine Liebe.“

Doch was entscheidet nun darüber, welche Personen wir sexuell anziehend finden und welche nicht? Vielleicht ging es dir schon einmal so, dass du dich zu einer Person hingezogen gefühlt hast, obwohl diese nicht deinem typischen Beuteschema entsprach. Denn die Optik und deine persönlichen Präferenzen spielen dabei nur bedingt eine Rolle.

Körperliche Anziehung: Diese Faktoren können eine Rolle spielen

„Zur Attraktivität gehören zahlreiche Faktoren. Da gibt es zunächst Äußerlichkeiten, die von den meisten Menschen als anziehend empfunden werden. Das sind beispielsweise symmetrische Gesichtszüge und Proportionen. Allerdings ist der kleine Makel oft interessanter als Perfektion“, weiß der Liebes-Experte.

„Hinzu kommen Prägungen durch Bezugspersonen in der frühen Kindheit. Sehr vereinfacht könnte man sagen: Wer uns damals gutgetan hat, hat einen Bonus und den erhalten dann auch Menschen, die dieser Person ähneln. Mit der Lebenserfahrung kommen weitere Attribute hinzu, mit denen wir Gutes verbinden. Da spielen frühere Beziehungserfahrungen eine Rolle.“

„Eine Person, die von vielen Menschen begehrt wird, wirkt dadurch begehrenswerter.“
Eric Hegmann, Paartherapeut und Parship-Berater

Auch lassen wir uns häufig von außen beeinflussen. „Wir werden von unserem sozialen und kulturellen Umfeld geprägt und lassen uns von Modewellen mittragen. Mal ist bei Männern glattrasiert angesagt, dann wieder ist der Holzfällerlook mit Bart und langen Haaren modern. Aussehen selbst ist also nur ein stückweit konstant attraktiv.“

Neben der äußerlichen Attraktivität haben noch andere Aspekte einen Einfluss, wie Paartherapeut Eric Hegmann erklärt: „Hinzu kommen interessante Dynamiken wie das direkte Umfeld. Eine Person, die von vielen Menschen begehrt wird, wirkt dadurch begehrenswerter. In Studien wurde außerdem belegt, dass ein offenes Lächeln sympathischer macht als ein Model-Blick. Und letztlich verlieben wir uns nur in einen Menschen, der uns sympathisch ist. Es gibt also viele Formen von Attraktivität."

Eine körperliche Anziehung kann auch dann entstehen, wenn du eine Person näher kennenlernst. Wie redet sie, welche Themen sind ihr wichtig? Eine Meinung zu einem Thema, bestimmte Kompetenzen oder Intelligenz können dich ebenso sexuell anziehen wie das Äußere eines Menschen.

Sexuelle Anziehung erkennen: Fühlt sich die andere Person auch zu mir hingezogen?

Du findest eine andere Person interessant, beobachtest sie heimlich? Dann fühlst du dich womöglich von dieser Person angezogen! Diese Anzeichen zeigen dir, ob eine sexuelle Anziehung vorliegt. Sie verraten dir auch, ob es dem anderen genauso wie dir geht und die Spannung zwischen euch auf Gegenseitigkeit beruht:

„Beim Flirt sprechen vor allem die Augen, Mimik, Gestik und die Körperhaltung. Die Kommunikation ist also nonverbal und stammt aus einer Zeit, als Menschen noch nicht sprechen konnten. Die Botschaften sind daher tief in uns verankert und können universell verstanden werden. In den meisten Fällen ist es eine Mischung aus Lächeln, Zurück- und Wegblicken, vielleicht ein Kichern zur Lösung der Spannung, vielleicht aber auch in Form einer konkreten Handlung, also wenn das Gegenüber die Nähe sucht und rüberkommt.“

Gerade dieses nonverbale „Spiel“ macht die körperliche Anziehungskraft zu einem Unbekannten oft so aufregend. Es kann schön sein, zunächst im Ungewissen zu tappen und der eigenen Fantasie keine Grenzen zu setzen. Wie ist die andere Person wohl? Wie wäre es, wenn wir ins Gespräch kommen würden? Was könnte danach alles passieren … „Die sexuelle Anziehungskraft hat viel mit den unendlichen Möglichkeiten zu tun, die zu Beginn einer Begegnung unsere Fantasie auf Trab halten.“

Doch Single-Berater Eric Hegmann findet auch: „Erst wenn wir die Person dann näher kennenlernen, auch mit ihm oder ihr intim waren, werden diese Möglichkeiten durch den Realitätscheck reduziert. Deshalb ist es auch in Beziehungen so wichtig, immer wieder gemeinsam Neues zu erleben und auszuprobieren, damit die Sexualität nicht zu gewohnt erlebt wird. 'Kenne ich alles, haben wir schon erlebt, da gibts nichts mehr, was mich überraschen könnte', ist ein Gedanke, der selbst den sexuell attraktivsten Menschen als nicht mehr begehrenswert erscheinen lässt.“

Sexuelle Anziehung oder Liebe? Experte Eric Hegmann verrät den Unterschied

„Nach meinem Verständnis kann es beim ersten Kontakt noch keine tieferen Gefühle geben, da die Partner einander noch nicht kennen. Sie projizieren vielleicht ihre Hoffnungen und Wünsche nach einem Partner oder einer Beziehung aufeinander, aber sie können nicht wissen, ob ihre Vorstellungen erfüllt würden. Das heißt nicht, dass die Anziehungskraft nicht sehr stark sein kann, gerade die sexuelle Anziehungskraft kann nach einer ersten Begegnung mit Intimität massiv sein.

„Liebe ist ein Tu-Wort und braucht eine Entscheidung auf Basis einer emotionalen Verbindung, die durch gemeinsames Erleben erreicht werden kann.“
Eric Hegmann - Paartherapeut, Single-und Parship-Berater

Aber Liebe ist das dann – nach meinem Verständnis – eben (noch) nicht. Die kann sich erst zeigen, wenn die Partner über die erste Verliebtheitsphase gekommen sind. Liebe ist ein Tu-Wort und braucht eine Entscheidung auf Basis einer emotionalen Verbindung, die durch gemeinsames Erleben erreicht werden kann.“

Sexuelle Anziehung trotz glücklicher Beziehung?

Sexuelle Anziehung ist also ein Programm, das automatisch abläuft. Doch findet sexuelle Anziehung auch dann statt, wenn man bereits in einer glücklichen Beziehung ist? „Selbstverständlich. Das geschieht immerzu. Das Programm sexuelle Anziehungskraft wird durch eine Beziehung nicht abgeschaltet. Die sexuellen Fantasien laufen weiter.

Es ist aber eine Entscheidung, ob ich aus der Fantasie einen Wunsch ableite, den ich dann umsetze. Dass Partner sexuelle Fantasien mit anderen Personen haben, ist völlig normal und darf auch nicht tabuisiert werden. Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Sexualität und die besteht eben auch aus Fantasien. Gehen zwei Personen eine monogame Beziehung ein, dann müssen sie den Umgang mit den sexuellen Wünschen verhandeln, also dem, was die Partner an Bedürfnissen ausleben möchten."

Sexuelle Anziehung erzeugen: Geht das?

Kann eine sexuelle Spannung zwischen zwei Menschen bewusst erzeugt werden? Oder ist sie entweder da oder eben nicht? Eine konkrete Antwort darauf gibt es nicht. Jedoch ist es nie zu spät dafür, dass zwischen zwei Menschen, die anfänglich keine Funken gespürt haben, zu einem späteren Zeitpunkt doch noch eine Anziehung entsteht.

„Manchmal ist es ein einziger Satz, eine einzige Bewegung oder eine Situation, die aus jemandem, der sympathisch ist, auch jemanden macht, der sexuell sehr anziehend wirkt.“
Paartherapeut Eric Hegmann

Denn „sexuelle Anziehungskraft ist nicht allein auf Attraktivität beschränkt. Langzeitpaare finden sich nach 20 oder 30 Jahren und im höheren Alter auch nicht mehr körperlich so anziehend wie früher. Dafür aber ist eine Verbindung entstanden, die ebenfalls sexuell ist und auf Vertrautheit, auf gemeinsamen erotischen Erfahrungen und dem Wunsch nach Geborgenheit basieren kann. Manchmal ist es ein einziger Satz, eine einzige Bewegung oder eine Situation, die aus jemandem, der sympathisch ist, auch jemanden macht, der sexuell sehr anziehend wirkt.“

Artikelbild und Social Media: martin-dm/iStock