Hilfe, Keime!Angst vor Bakterien? Dann könntest du an Mysophobie leiden

Die Türklinke? Würdest du niemals anfassen. Zu viele Bakterien! Du siehst überall Keime und hast ständig Angst, dich anzustecken? Dann könntest du an Mysophobie leiden.

Ein Mann steht auf der Rolltreppe. Seine Hand ruht selbstbewusst auf dem mitlaufenden Geländer. „Mutig“, denke ich mir, und: „Oh nein, das tut er nicht wirklich“, als er danach mit besagter Hand ein Stück Brötchen in seinen Mund steckt. Auch wenn andere Menschen sie nicht sehen, in meiner Vorstellung tummeln sich Millionen winziger Keime auf dem Handlauf und dementsprechend nun auf seiner Hand, dem Brötchen und seinem Mund, die sich diebisch freuen, einen neuen Wirt gefunden zu haben.

Wahrscheinlicher, als dass Bakterien tatsächlich ein Gesicht haben und fies lachen, ist, dass ich früher zu viel „Es war einmal das Leben“ gesehen habe – aber Tatsache ist auch, dass es im Alltag von Keimen wimmelt. Das ist prinzipiell gar nicht schlimm. Allein auf und in unserem Körper tummeln sich mindestens genauso viele Bakterien wie eigene Zellen! Sie sind Teil unseres Organismus. Gefährlich wird es nur, wenn manche Bakterien überhandnehmen oder aber die falschen Erreger sich ansiedeln und der Gesundheit schaden.

Trotzdem machen mir Bakterien oft Angst. Damit bin ich nicht alleine. In unserer Redaktion spielen wir Ping-Pong mit Krankheitserregern, was zu einer kleinen Panik vor ihnen und Liebe zu Desinfektionsmittel führt. Wird die Angst vor Keimen aber so groß, dass sie den Alltag belastet, kann sie krankhaft werden. Ärzte sprechen dann von einer Mysophobie, der Ansteckungsangst.

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Symptome einer Mysophobie

Mysophobie ist die Angst vor der Ansteckung mit Bakterien - die sich überall im Alltag tummeln
Öffentliche Gegenstände werden von Menschen mit Mysophobie nicht angefasst.
Foto: iStock / mtreasure
  • Den Alltag dominierende Angst vor Keimen und sich anzustecken
  • Ekel vor Schmutz
  • Meiden von öffentlichen Gegenständen und Orten, Türklinken etc. können nur nach Desinfektion angefasst werden
  • Entwicklung von Wasch- und Putzzwängen
  • Panik bei vermeintlichem Kontakt mit Erregern bis hin zu Panikattacken >7 ungewöhnliche Methoden, eine Panikattacke zu überwinden
  • Angst, Stress, Herzrasen, Kurzatmigkeit, Schwindel
  • Soziale Isolation

Zwangsstörung: Ab wann werden Ticks zur Krankheit?

Menschen mit Mysophobie tun alles dafür, sich nicht anzustecken. Daraus entwickelt sich ein Meidungsverhalten. Sie sehen überall Erreger. Ein Beispiel dafür wäre mein besagtes Meiden von Rolltreppen-Geländern – die Phobie kann bei Betroffenen jedoch so weit gehen, dass sie ihren Alltag einschränkt. Soziale Kontakte werden zur Keimschleuder, die Wohnung penibel rein gehalten, die Hände so oft wie möglich gewaschen.

Menschen mit Mysophobie entwickeln aus diesem Grunde häufig ebenfalls eine Zwangsstörung. Die kann sich zum Beispiel durch übermäßige Reinlichkeit oder einen Waschzwang zeigen. Ist die Erkrankung besonders ausgeprägt, kann sich eine soziale Isolation daraus entwickeln. Betroffene wollen ihre reinliche Umgebung, sprich die eigene Wohnung, nicht mehr verlassen, um das Risiko einer Ansteckung zu vermeiden. Öffentliche Toiletten werden gemieden, ebenso Bus und Bahn. Selbst das Bezahlen mit Bargeld wird zur Herausforderung, Händeschütteln so gut wie möglich umgangen. Und wenn es doch zu einem Kontakt kommt, ist der Waschzwang groß. Auch Nähe kann bei einer schweren Mysophobie nur schwer ertragen werden, was das Pflegen von sozialen Kontakten und Beziehungen erschwert.

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Kann man die Angst vor Bakterien heilen?

Ein gewisser Respekt vor Bakterien und Co. ist sicherlich normal und auch gesund, um sich und seinen Körper zu schützen. Wenn du jedoch das Gefühl hast, dass nicht mehr du die Angst steuerst, sondern sie dich, kannst du dir Hilfe suchen. Ein guter Ansatz ist zum Beispiel immer, sich zu fragen, was das Schlimmste wäre, das passiert – eine Vielzahl von Bakterien sind für einen gesunden Menschen harmlos. Selbst wenn du dich ansteckst und eine Erkältung bekommst, ist diese meist schnell geheilt und die Medizin weit fortgeschritten, um in schweren Fällen zu helfen.

Therapieformen: Welche gibt es und wie funktionieren sie?

Liegen die Probleme tiefer, ist es ratsam, mit einem Arzt zu sprechen. Das ist ebenfalls bereits der Fall, wenn die Phobie den Alltag beginnt zu beeinträchtigen. In einer Psychotherapie kann den Ängsten auf den Grund gegangen und geholfen werden, mit ihnen umzugehen.

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