EntwicklungsschrittFremdeln: Warum es für Kinder so wichtig ist

Die einen Kinder strahlen jeden freundlich an, andere verstecken sich sofort hinter Mama & Papa, sobald ein unbekanntes Gesicht auftaucht. Doch Fremdeln ist ganz normal. 

Inhalt
  1. Wann beginnt das Fremdeln? 
  2. Welche Faktoren beeinfluss das Fremdeln? 
  3. Fremdeln in Kita: Was nun? 
  4. Gibt es Kinder die gar nicht fremdeln? 
  5. Wie gehe ich am besten auf ein fremdelndes Kind ein? 
  6. Wie lange fremdelt ein Kind?

Grundsätzlich gilt, nicht alle Kinder fremdeln gleich stark - manche fremdeln bei allem und jedem, andere nur bei bestimmten Personen. Bei einigen Kindern reicht schon ein Blick von der falschen Person und sie klammern sich sofort ängstlich an Mama oder Papa oder fangen sogar an zu weinen. Für Eltern ist diese Phase anstrengend, denn ihre Kinder sind gerade nicht gesellschaftsfähig, fremdeln sogar bei den Großeltern. Doch diese Entwicklungsstufe ist wichtig für Kinder. Wir verraten warum. 

 

Wann beginnt das Fremdeln? 

Wenn Kinder das erste Mal fremdeln, sind sie meistens etwa acht Monate alt. Und dieser Entwicklungsschritt ist für Kinder wichtig, denn er zeigt, dass ein Kind eine Bindung zu einer Bezugsperson (meistens den Eltern) aufgebaut hat und diese von anderen Menschen unterscheiden kann. 

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Das Kind spürt jetzt ganz deutlich: Mama und Papa geben mir Sicherheit und Geborgenheit. Gleichzeitig bekommt es ein Verständnis für Beziehungen, nimmt seine Umwelt besser wahr und kann sogar schon ein bisschen kommunizieren. Besonders im ersten Lebensjahr machen Kinder riesige Fortschritte, was ihre sozialen Fähigkeiten angeht. 

 

Welche Faktoren beeinfluss das Fremdeln? 

Jedes Kind ist anders und vor allem das Temperament beeinflusst, wie sehr ein Kind fremdelt. Schon im Säuglingsalter zeigt sich der Charakter. Manche Babys sind ängstlich und weinen schnell, andere kann so gut wie nichts aus der Ruhe bringen und sie sind eher neugierig. Ob ein Kind offen und neugierig oder eher schüchtern und ängstlich ist, hat auch etwas mit den Genen zu tun. Diese Eigenschaften bleiben oft ein Leben lang. Das Fremdeln verhindern oder begünstigen tun sie aber nicht. Fremdeln ist immer ein Ausdruck von einer starken Beziehung zwischen Eltern und Kind. 

Viele fremde Menschen, eine neue Umgebung - das kann ein Baby schnell überfordern. In den eigenen vier Wänden fremdeln Kinder dagegen deutlich weniger. Sie kennen sich aus, fühlen sich wohl und die Bezugsperson ist immer in der Nähe - das gibt Kindern Sicherheit. 

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Aber auch das Verhalten einer anderen Person kann ein Baby irritieren. Zum Beispiel wenn sich Menschen aufdrängen, es anfassen oder streicheln wollen, dann schrillen bei vielen Kindern die Alarmglocken. Sie ziehen sich zurück, flüchten sich zu den Eltern. Das kann aber auch bei einer vertrauten Person passieren, wie etwa bei Oma und Opa. Wenn ein Kind gerade fremdelt, ist es ganz normal, dass auch seine Großeltern ihn gerade nicht auf den Arm nehmen dürfen. 

 

Fremdeln in Kita: Was nun? 

Die meisten Kinder kommen in Deutschland mit etwa einem Jahr in eine Kindertageseinrichtung. Nicht selten sind sie gerade dann auf dem Höhepunkt ihre Fremdelphase, wenn sie in der Kita oder bei einer Tagesmutter eingewöhnt werden sollen. Für Eltern ist diese Phase ebenso herzzerreißend. Aber viele Einrichtungen sind seit Jahren darauf vorbereitet und bieten eine Eingewöhnungszeit von etwa vier Wochen (Berliner Modell). Oft haben die Kinder in der Kita einen festen Erzieher als Ansprechpartner, der in der Eingewöhnungsphase nicht von ihrer Seite weicht.

Eltern sollten in dieser Zeit aktiv mitarbeiten und ihrem Kind signalisieren: Das ist ein sicherer, schöner Ort, hier wirst du dich wohlfühlen. Wenn eine Eingewöhnung ein bisschen länger dauert, auch kein Problem. Für das Kind ist es eine völlig neue Situation und es sollte auch die nötige Zeit bekommen, sich darauf einzulassen. 

 

Gibt es Kinder die gar nicht fremdeln? 

Wenn Kinder gar nicht fremdeln, kann dahinter im Extremfall eine Bindungsstörung stecken. Denn besonders Kinder, die ohne feste Bezugsperson aufwachsen, verhalten sich Fremden gegenüber meistens sehr distanzlos. Allerdings sollte man dieses Verhalten gerade in der frühen Kindheit nicht überbewerten. 

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Neugierige Kinder zum Beispiel fremdeln eher weniger, weil sie mit neuen Eindrücken und Situationen besser umgehen können. Anders herum kann das Verhalten der Erwachsenen auch immer ausschlaggebend sein. Verhalten sie sich richtig und akzeptieren den Sicherheitsbereich des Kindes, fühlt es sich wohl und fremdelt deutlich weniger. 

 

Wie gehe ich am besten auf ein fremdelndes Kind ein? 

Auf ein Kind, dass sich gerade in der Fremdelphase befindet, sollten Erwachsene reagieren. Folgende Tipps, gilt es dabei zu beherzigen: 

  • Nähert euch dem Kind ruhig und vorsichtig an. Zieht es sich sofort zurück, gebt ihm den nötigen Raum. 
  • Genau wie wir unsere persönlichen Grenzen kennen, tut das auch schon ein kleines Kind. Das sollten wir akzeptieren. 
  • Ein Kind sollte nicht einfach ungefragt angefasst oder hochgenommen werden. 
  • Abwarten und Geduld haben. Zieht sich das Kind bei der ersten Kontaktaufnahme zurück, erst mal mit den Eltern unterhalten und abwarten. 
  • Beobachten, wie das Kind auf ein Lächeln reagiert. Ist es überfordert oder wird es zutraulicher? 
  • Fremdeln nicht persönlich nehmen. Das Kind ist in dieser Situation überfordert und kann nicht anders reagieren. Und: Die Fremdelphase geht vorbei. 
     
 

Wie lange fremdelt ein Kind?

In der Regel sagen Experten, dass das Fremdeln nachlässt, sobald die sprachliche Kommunikation besser wird. Sobald ein Kind seine Gefühle und Erfahrungen in Worte fassen kann, ist es auch in der Lage Nein zu sagen. Das ist bei den meisten Kindern zwischen zwölf und 18 Monaten der Fall. Wenn es etwas länger dauert, ist das auch kein Problem. Schließlich entwickelt sich jedes Kind sprachlich unterschiedlich schnell. 

Fremdeln ist also nichts weiter als eine Entwichlungsphase unseres Kindes und gleichzeitig ein großes Kompliment an uns Eltern. Fremdelt ein Kind, bedeutet das schließlich, dass wir unseren Job richtig gemacht haben und eine enge und liebevolle Bindung zu unserem Kind aufgebaut haben. 

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