Übler Geruch

Stinknase: Das passiert, wenn du zu viel Nasenspray nutzt

Nasenspray kann süchtig machen, die Folge ist eine Stinknase. Doch was genau passiert eigentlich mit unserer Nase nach zu viel Nasenspray und wie kommst du aus der Nasenspray-Abhängigkeit?

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Eine Stinknase ist die Folge von exzessivem Gebrauch eines abschwellenden Nasensprays. Es kommt dann ein unangenehmer Geruch aus der Nase. Wie sehen die Stinknasen-Symptome und die Behandlung aus?

Wer zu viel und zu lange davon Gebrauch macht, kann süchtig werden: Nasenspray dient als schnelle Hilfe bei verstopfter Nase, doch das Mittel ist auch umstritten, zumindest wenn es sich um abschwellendes Nasenspray handelt. Zu sehr werden die Schleimhäute bei exzessiver Nutzung belastet.

Doch welche Symptome weisen auf eine kaputte Nasenschleimhaut hin? Wann reden wir von zu viel Nasenspray? Wir haben Oberärztin Priv.-Doz. Dr. med. Stefanie Rettschlag von der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie "Otto Körner" der Universitätsmedizin Rostock gefragt.

Stinknase: Wenn zu viel Nasenspray die Schleimhäute schädigt

Stinknase - das hört sich nicht nur unschön an, sondern ist es auch. Denn die Stinknase - medizinisch Ozäna oder Rhinitis atrophicans con foetore genannt - ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Der Leidensdruck für die Betroffenen ist sehr hoch. Denn - wie der Name es schon sagt - beginnt die Nase stark zu stinken.

Bei der Stinknase ist die Schleimhaut in der Nase massiv geschädigt. "Sie ist ausgedünnt und die Nasenhaupthöhle wird unnatürlich weit", wie Dr. med. Rettschlag erklärt. Es bilden sich braune eingetrocknete Verkrustungen - sogenannten Borken - und besiedeln sich mit Bakterien.

Für Außenstehende entsteht ein übler Geruch nach Verwesung. Betroffene selbst können die Stinknase meist nicht riechen. Das liegt daran, dass die Riechzellen bei einer Ozäna ebenfalls gestört werden und den Geruch nicht erfassen können.

Stinknase: Ursache nicht zwangsläufig zu viel Nasenspray

Zu viel Nasenspray macht die Nasenschleimhaut kaputt - und das kann richtig stinken. Es muss aber nicht unbedingt am Spray oder einer Abhängigkeit danach liegen, denn als Auslöser kommen auch andere Erkrankungen oder Eingriffe in Betracht.

"Die genaue Ursache einer Stinknase ist nicht bekannt", so die Oberärztin. "Auslösend kommen ausdehnte Operationen an den Nasenmuscheln, Autoimmunerkrankungen, aber auch der langjährige unsachgemäße Gebrauch von Nasenspray infrage."

Nasenspray-Abhängigkeit: Was bedeutet das?

Schätzungen zufolge sind rund 100.000 Deutsche von Nasenspray abhängig. "Abschwellendes Nasenspray zieht vor allem die Gefäße in der Nasenschleimhaut zusammen und so schwillt das Gewebe kurzfristig ab. Nach dem Nachlassen der Wirkung kommt es dann zunächst sogar zu einer verstärkten Schwellung der Nasenschleimhäute", beschreibt Dr. Rettschlag die Vorgänge bei der Anwendung des Sprays in der Nase.

Da viele Menschen dann wieder das Gefühl einer verstopften Nase haben, legen sie schnell nochmal ein bisschen Nasenspray nach. Doch es gibt nicht umsonst Packungsbeilagen und Warnungen in der Apotheke oder von deiner behandelnden Ärzt*in, dass du es nicht mehr als dreimal am Tag anwenden solltest und maximal für einen Zeitraum von einigen Tagen. Denn der langfristige Gebrauch macht leicht abhängig und die Abhängigkeit kann, wie schon erwähnt, zu dem schlimmen Geruch führen.

"Durch den langfristigen und ständigen Gebrauch des Sprays verlernen die Nasenschleimhäute, von selbst abzuschwellen und werden so geschädigt, dass sie sich zurückbilden. Somit kommt es paradoxerweise durch zu lange Verwendung von Nasenspray zu einer Nasenatmungsbehinderung mit Riechminderung und auch gehäuftem Nasenbluten", fasst die HNO-Ärztin die Wirkung von zu viel Nasenspray infolge einer Abhängigkeit zusammen.

Stinknase: Symptome, die dich warnen können

Nun haben wir eingangs schon die Frage gestellt, ob sich eine Stinknase durch Symptome bemerkbar macht. Tatsächlich kannst du schon vor dem Geruch merken, dass womöglich etwas mit der Schleimhaut nicht in Ordnung ist.

Schon bevor eine Stinknase entsteht, gibt es Anzeichen dafür, dass etwas mit der Nase nicht stimmt. Die Nasenschleimhaut ist trocken und blutet häufig. Sofortiges Absetzen des Nasensprays und gute Pflege der Nase können zu einer Verbesserung der Borken führen. Geheilt werden kann die Stinknase nicht mehr. Allerdings sollte in diesem Zuge eingeschränkt werden: Die Krankheit ist allerdings sehr selten, da viele Patienten bei ersten Anzeichen zum Arzt gehen.

Insofern kannst du also merken, wenn die Anwendung und der übermäßige Gebrauch von Nasenspray etwas an deiner Schleimhaut verändert. Solltest du unter akutem Schnupfen leiden, kann das abschwellende Nasenspray zwar kurzfristig helfen, für einen längeren Gebrauch eignet sich hingegen eher ein Salzwasser-Nasenspray. Dieses hilft zwar über einen kürzeren Zeitraum, dafür kannst du es häufiger anwenden.

Sollte sich der Schnupfen nach ein paar Tagen nicht gebessert haben, solltest du mal zu deiner Hausärzt*in gehen - denn neben einer Erkältung kann ebenso eine Allergie dahinterstecken.

Nasenspray-Abhängigkeit: Wie kommt man wieder davon los?

Eine freie Nase ist Gold wert - und die frische Luft, die hindurch kommt, ebenso. Doch wie kommst du wieder aus der Nasenspray-Abhängigkeit heraus? Denn schließlich kommt der Drang zur Anwendung des Sprays u.a. vom Gefühl der vermeintlich verstopften Nase.

Die Oberärztin hat für Betroffene einen Rat, wie sie die Abhängigkeit in den Griff bekommen können: "Es empfiehlt sich, die Dosis des abschwellenden Nasensprays schrittweise zu reduzieren. Dazu kann man zunächst einen Monat Kinder-Nasenspray und dann einen weiteren Monat Baby-Nasenspray verwenden, um dann auf ein Nasenpflegespray mit Kochsalz umzusteigen."

Dennoch solltest du den Weg aus der Nasenspray-Sucht von medizinischem Fachpersonal begleiten lassen, wie Dr. med. Rettschlag anmerkt - und erwähnt eine weitere Möglichkeit, wie die Behandlung der Krankheit aussehen könnte: "Auch kortisonhaltiges Nasenspray kann ein Zwischenschritt bei der Entwöhnung sein. Ein HNO-Facharzt sollte zusätzlich untersuchen, ob behandelbare Ursachen für die Nasenatmungsbehinderung, die zur Nasenspray-Abhängigkeit geführt hat, bestehen."

Wie so oft ist es leider auch bei der Nasenspray-Sucht so, dass wir schnell abhängig werden. Der Weg zurück ist für Betroffene dafür umso schwieriger, aber mit der richtigen Hilfe machbar. Und das ist auf jeden Fall besser für die Nase als Bakterien, die deine geschädigte Schleimhaut durch jahrelangen Missbrauch womöglich zum Stinken bringen.

Zur Person:

Priv.-Doz. Dr. med Stefanie Rettschlag ist Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie "Otto Körner" der Universitätsmedizin Rostock.

Artikelbild und Social: Alona Siniehina/iStock