Flatus Vaginalis oder "Muschifurz"

Luft in der Scheide beim Sex oder Sport: Warum pupst meine Vagina und kann ich etwas dagegen tun?

Luft in der Scheide ist ein weit verbreitetes Phänomen – die meisten Frauen haben schon einmal einen "Muschifurz" erlebt der zumindest davon gehört. Ob beim Sex, beim Sport oder nach einer Geburt – besonders toll ist es nicht, wenn die Vagina pupst… Wie kommt es dazu und kann man es verhindern? Wir klären auf.

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Was ist ein Muschifurz?

„Flatus Vaginalis“ ist das Fachwort für den umgangssprachlichen Begriff "Muschifurz". Das Phänomen kennt im Alltagsgebrauch tatsächlich sehr viele Namen: "Queef", "Muschipups", Scheidenpups bzw. "-furz"... Die Liste der kreativen Ausdrücke ist lang. Gemeint ist in jedem Fall, dass sich die Vagina mit Luft füllt, die dann mit einem Geräusch – eben wie ein Pups – entweicht. Das kann vor allem beim Sex oder beim Sport, aber auch generell nach einer vaginalen Geburt passieren. Anders als ein gewöhnlicher Pups ist die Luft, die aus der Vagina entweicht, jedoch geruchslos. Es handelt sich nicht um Gase, wie bei Blähungen, sondern lediglich um die Umgebungsluft, die durch einen Unterdruck in der Scheide zuvor eingesogen oder mechanisch beim Einführen von etwas hineingepumpt wird. Trotz des Wortes muss hier also niemand Angst vor unangenehmen Gerüchen haben. (Vgl. hierzu Das Wikipedia-Lexikon, S. 286.)

Ursachen: Warum pupst meine Scheide?

Ein Flatus Vaginalis entsteht, wenn durch einen Unterdruck Luft in die Scheide eingesogen wird oder aktiv hineingepumpt wird (zum Beispiel mit der Stoßbewegung beim Sex). Die Luft bleibt in der Vagina, wenn sich der Scheideneingang schließt oder zum Beispiel durch den Penis verschlossen wird. Schon bei einer kleinen Veränderung der Körperposition, der Entspannung des Beckens oder auch, wenn der Penis aus der Vagina herausgezogen wird, tritt die Luft dann wieder aus und erzeugt dann beim Passieren der Schamlippen das Pups-Geräusch.

Einen vaginalen Furz kannst du nicht kontrollieren oder aufhalten wie Blähungen aus dem Darm. Die Vagina ist nun einmal aus offensichtlichen Gründen ganz anders gebaut als der sehr enge und straffe Analsphinkter...

Luft in der Scheide beim Sex

Lachendes Paar beim Sex im Bett - ein Muschifurz ist vollkommen natürlich und kein Grund, sich zu schämen.
Foto: fizkes / iStock

Ein „Muschipups“ ist beim Sex natürlich blöd – mit einem festen Partner können die meisten im besten Fall darüber lachen oder das Geräusch einfach ignorieren, aber beim ersten gemeinsamen Liebesspiel oder bei einem One-Night-Stand kann das Geräusch schnell als peinlich empfunden werden und im schlimmsten Fall die Stimmung zerstören.

Der Casus knacksus an der Sache ist, dass ein „Muschipups“ gerade beim Sex entstehen kann – und vor allem unser Partner ist daran nicht ganz unschuldig: Er pumpt die Luft nämlich mit jedem Stoß in die Vagina. Diese wirkt dann wiederum wie ein Ventil und hält die Luft im Körper, bis durch Druck – beispielsweise durch einen Positionswechsel, direkten Druck auf den Unterleib oder auch durch ein tieferes Eindringen oder das vollständige Herausziehen des Penis’ – die Luft wieder entweicht.

Kann ich einen vaginalen Pups beim Sex verhindern?

Generell wird gesagt, dass bestimmte Stellungen das Eindringen von Luft in die Scheide beim Sex begünstigen. Darunter fallen vor allem Sexstellungen von hinten und Stellungen, bei denen der Unterkörper, genauer gesagt das Becken, höher positioniert ist als der Oberkörper. Beispielsweise beim sehr beliebten Doggy-Style gelangt sehr schnell Luft in die Scheide, was auch daran liegt, dass der Bauch entspannt nach unten hängt und so noch leichter ein Unterdruck entsteht, der die Luft mit der Rein-Raus-Bewegung des Penis’ in die Scheide zieht. Allerdings hängt es auch stark davon ab, wie unser Körper bzw. unsere Vagina individuell geformt ist, ob und in welchen Stellungen das Eindringen von Luft begünstigt wird. Zudem können auch bestimmte Winkel beim Eindringen seines besten Stücks ausschlaggebend sein.

Ob euer Partner sehr schnell stößt oder seinen Penis beim Stoßen sehr weit herauszieht kann das Eindringen von Luft ebenfalls beeinflussen. Ein langsameres Tempo oder aber auch Gleitgel könnten helfen. Teilweise wird auch empfohlen, den Beckenboden anzuspannen (quasi als würde man pressen), dann entsteht vielleicht kein "Muschifurz" - Spaß beim Sex allerdings auch nicht...

Kann man das Pupsen der Vagina also verhindern? Seien wir mal ehrlich: Die Frage ist eher, warum das überhaupt notwendig sein sollte. Unser Liebesspiel nach der Frage zu richten, wie wir die Möglichkeit von vaginalen Flatulenzen ausschließen, ist doch einfach nicht Sinn und Zweck der Sache. Ausschlaggebend sollte sein, was sich gut anfühlt und Spaß macht – das Eindringen und Entweichen von Luft in die Vagina beim Sex ist vollkommen normal, es passiert einfach und sollte von Männern wie Frauen mit einem befreienden Lachen quittiert oder schlichtweg ignoriert werden.

Muschipups beim Sport

Ein vaginaler Pups beim Sport entsteht quasi durch dieselben Mechanismen wie beim Sex. Allerdings braucht es hier keinen Penis, sondern vor allem einen Unterdruck in der Scheide, um einen Muschipups entstehen zu lassen. Bestimmte sportliche Übungen, Bewegungen oder auch Positionen beim Yoga und Co. können das Eindringen von Luft in die Vagina ermöglichen. Auch hier gilt: Befindet sich das Becken höhentechnisch über dem Oberkörper (wie zum Beispiel bei der Kerze), kann Luft leicht in die Vagina eindringen und was reingeht muss in diesem Fall im Umkehrschluss natürlich auch wieder raus…

Beim Sport: Luft in der Vagina verhindern?

Ein Notfall-Tipp, der nur in dem Fall angewendet werden sollte, dass extreme Probleme mit Luft in der Scheide beim Sport entstehen, ist, während des Sports (und nur währenddessen!) einen Tampon zu verwenden, auch, wenn man nicht gerade seine Periode hat. Das verhindert das Eindringen von Luft, ist aber gleichzeitig nicht gut für die Scheide. Grundsätzlich sollte hier abgewogen werden: Einerseits ist ein Muschipups beim Sport ganz natürlich, aber andererseits sind wir Menschen natürlich darauf gepolt, uns für Dinge wie Pupsgeräusche zu genieren, was zum Beispiel in einer großen Yoga-Gruppe inmitten einer stillen Umgebung schon sehr unangenehm sein kann…

Queefen nach einer vaginalen Geburt

Vor allem direkt nach einer Geburt ist die Vagina vorübergehend verändert und auch die um sie herum liegenden Bereiche - vor allem der Beckenboden - sind durch die Strapazen der Entbindung gezeichnet. Die Scheide ist geweitet und die Muskulatur von Gebärmutter und Beckenboden überdehnt und geschwächt - all das sind Umstände, die das Eindringen von Luft in den vaginalen Bereich erleichtern. Die Rückbildung des Körpers braucht nach einer so wortwörtlich großartigen Leistung seine Zeit. 

Was kann ich tun, wenn ich nach einer Geburt vermehrt Luft in der Scheide habe?

Wenn du gerade ein Kind bekommen hast und vermehrt Luft in der Vagina bemerkst: Sei nicht hart zu dir und deinem Körper - ihr habt ein kleines Wunder ermöglicht. Nach der Wochenbettzeit und mit einem gezielten Beckenbodentraining im Zuge eines Rückbildungskurses pendelt sich üblicherweise alles wieder ein. Solltest du dir aber Sorgen machen: Hab auf keinen Fall Scheu das Thema bei deiner Hebamme oder Frauenärztin ansprechen. Sie können dich individueller beraten und einschätzen, ob ein Handlungsbedarf besteht.

Ist Luft in der Scheide ein Problem oder sogar gefährlich?

Luft in der Scheide oder ein "Pups" aus der Vagina ist nicht gefährlich oder schädlich für dich. Aufmerksam werden solltest du allerdings, wenn die Luft, die aus deiner Scheide entweicht, tatsächlich unangenehm riecht. Das könnte ein Symptom für eine Fistel sein, die eine Verbindung zwischen Vagina und Enddarm bildet und ärztlich behandelt werden muss. Letztere können durch Entzündungen oder aber auch Geburtsverletzungen entstehen, kommen aber verhältnismäßig selten vor.

Grundsätzlich ist Luft in der Scheide ein vollkommen natürliches Phänomen und als solches nichts Schlimmes, was auf Teufel komm raus verhindert werden muss. Gerade beim Sex macht es wenig Sinn, sich darauf zu konzentrieren, dass ein Scheidenpups entstehen könnte, denn das kann Lust, Entspannung und Spaß vollkommen zunichtemachen. Auch beim Sport ist es nun mal eben einfach das Resultat von Anatomie und Mechanik bzw. physikalischen Naturgesetzen. Dafür das Wohlbefinden seiner Vagina zu riskieren oder sich nicht mehr zum Sport zu trauen, klingt auch nicht gerade nach optimalen Lösungen. Letztendlich ist der Muschipups eine Sache des Selbstbewusstseins: Jede Frau sollte offen dazu stehen können, denn Luft in der Scheide lässt sich nun mal nicht zuverlässig verhindern, ohne anderweitige Nachteile hervorzurufen. Letztendlich sollten wir uns selbst beibringen: Ein Muschifurz ist natürlich und kein Grund, sich zu schämen, und schon gar kein Grund, auf den Spaß beim Sex oder Sport zu verzichten.

Meine Lebensqualität ist eingeschränkt: Könnte eine Vaginalstraffung helfen?

Häufig auftretende vaginale Flatulenzen können durch eine vaginale Laxheit bedingt sein. Zu einer solchen Erschlaffung der Vaginalwände kann es vor allem nach einer Geburt, aber auch durch eine verstärkte Bindegewebsschwäche kommen. Hier ist nun die erste Frage, ob ein gezieltes Beckenbodentraining helfen kann - in vielen Fällen hilft eine gefestigte Beckenbodenmuskulatur Beschwerden im Bereich der Vagina zu lindern. 

Bleibt eine Besserung jedoch aus und kommen vielleicht auch sexuelle Probleme, wie das Lost Penis- oder das Dead Vagina-Syndrom, ziehen einige Frauen auch einen medizinischen Eingriff zur Vaginalstraffung in Betracht. Eine Behandlung mittels eines Lasers scheint auch vielversprechend zu sein - ob ein solcher Eingriff allerdings wirklich gegen das Vaginafurz-Phänomen hilft, ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt (vgl. hierzu Süleyman Eserdağ: Aesthetic and Functional Female Genital Surgery, S. 11).

Quellen

  • Süleyman Eserdağ: Aesthetic and Functional Female Genital Surgery. Springer International Publishing: 13. Juni 2023, 341 Seiten.

  • Tanja Loos (Herausgeberin): Das Wikipedia Lexikon in einem Band. Bertelsmann Lexikon Institut: 2008, 992 Seiten.

  • https://www.cosmopolitan.de/muschifurz-queefen-95385.html, Abrufdatum: 30.04.2024.

Artikelbild & Social Media: fizkes / iStock