BDSM-Tipps

Lustschmerz: Sex- und Buch-Tipps von unserer SM-Expertin

Wie und warum kann Schmerz Lust bereiten? Sex-Tipps und erotische Buch-Empfehlungen über Lustschmerz und Algolagnie.

So kann Lustschmerz auch für BDSM-Neulinge aufregend sein
So kann Lustschmerz auch für BDSM-Neulinge aufregend sein Foto: iStock/sakkmesterke

Diesmal möchte ich auf ein Thema eingehen, mit dem ich selbst schon einige Erfahrungen sammeln konnte: Lustschmerz. Wenn dich interessiert, was das eigentlich ist, und du gern mehr dazu entdecken möchtest, bist du hier richtig.

Was ist Lustschmerz?

Das Spiel mit Schmerz und Lust ist für viele Menschen reizvoll. Zumindest in der Fantasie spielen sich spätestens seit der Roman- und Film-Serie "50 Shades of Grey" vor allem bei Frauen erotische Szenen rund um Sadomasochismus ab.

Doch was ist Lustschmerz überhaupt?

Ich haue mir regelmäßig den kleinen Zeh an, wenn ich morgens im Halbschlaf ins Badezimmer torkle. Das löst vieles in mir aus, aber sicherlich keine Lust. Auch als ich neulich mit dem Ellbogen an der Türklinke hängengeblieben bin, gab das Schmerzen, hinterher einen ordentlichen blauen Fleck - aber die Lust blieb aus.

Um einen Lustschmerz auszulösen, benötigt es spezielle Reize und das entsprechende sexuelle Setting dafür. Dann kann ein Klaps auf den Hintern, ein Schlag mit der Gerte oder der sanfte Druck eines Nervenrads ausgesprochen lustvoll sein, wenn man wie ich eine masochistische Ader hat. In den richtigen Momenten und mit dem richtigen Partner liebe ich das leicht brennende Gefühl auf der Haut - und er genießt, wenn er sieht oder fühlt, wie mich das zusätzlich anmacht.

Sex-Spiele rund um Lustschmerz

Natürlich ist das Thema Sadomasochismus nicht für jede und jeden etwas. Doch ich glaube, dass mehr Menschen an einzelnen Praktiken Gefallen finden können, als sie für möglich halten. Lustschmerz zum Beispiel muss nicht bedeuten, dass man blutige Striemen des Rohrstocks auf dem Hintern haben möchte. Aber ein leichter Schmerzreiz kann möglicherweise anregend sein.

Wenn du das erstmal nur in deiner Fantasie erleben willst, habe ich weiter unten noch Empfehlungen für erotische Romane und Hörbücher für dich.

Peitschen, Gerten, Paddle

Für den Lustschmerz gibt es verschiedenste Schlaginstrumente. Man mag es kaum glauben, aber einige davon tun kaum weh. Ein Flogger aus weichen Lederriemen zum Beispiel kann häufig kaum so fest geschwungen werden, dass er tatsächlich Schmerzen bereiten könnte.

Eine ordentliche Peitsche hingegen sollte nur in geübte Hände gegeben werden, da das Zielen und das Einschätzen der Intensität gar nicht so einfach ist.

Während ein Flogger also mehr aufwärmt, sorgen Gerte und Peitsche für einen brennenden Schmerz. Ein Paddle hingegen bringt einen dumpfen Schmerz etwas tiefer im Gewebe. Mich persönlich macht das zum Beispiel kaum an, da bevorzuge ich die Gerte. Aber probiere dich doch im Zweifelsfall einfach aus. 

Das Nervenrad

Ein sehr aufregendes BDSM-Spielzeug kann zum Beispiel ein simples Nervenrad darstellen. Das ist ein kleines Rädchen mit Stacheln, mit dem man über die Haut des Partners oder der Partnerin fährt. Je nach Druck kann das ein sanftes Kribbeln oder Kitzeln sein - oder halt auch schon etwas tiefer in die Haut gehen.

Besonders in Verbindung mit Fesseln und verbundenen Augen finde ich das Spiel mit dem Wartenbergrad sehr anregend.

Heiß und kalt

Auch Temperatur kann man gut für leichte Schmerzreize ausnutzen. Wenn du gern Kerzenwachs auf der Haut haben möchtest, würde ich aber zu speziellen SM-Kerzen raten, die nicht ganz so heiß brennen wie deine IKEA-Kerzen. Du möchtest doch schließlich Lustschmerz, keine Verbrennungen.

Nicht nur Hitze kann die Leidenschaft anfeuern, sondern auch Eis kann heiß machen. Eiswürfel sind wohl das am einfachsten zu beschaffene Sextoy.

Figging

Ingwer an Schleimhäuten (bekannt als Figging) bringt eine gewisse Schärfe. Das wichtigste, was es bei diesem Spiel zu beachten gibt, ist, dass man hier den Schmerz nicht mehr stoppen kann. Natürlich geht das Brennen vorüber, aber es gibt wenig, was man tun kann, um das Abklingen zu beeinflussen.

Erotische SM-Romane zum Thema Lustschmerz

Falls du nun denkst, hier erwähne ich das Buch von weiter oben nochmal, muss ich dich enttäuschen. 50 Shades of Grey hat für mich nämlich weder was mit Erotik noch mit SM zu tun.

Dennoch habe ich hier zwei erotische Buch-Empfehlungen für dich, falls du lieber über Lustschmerz liest, statt ihn selbst zu erleben.

Sara Bellford: Lustschmerz

Der Buchtitel "Lustschmerz" allein passt schon so gut, dass ich es hier natürlich erwähnen muss. Im Blue Panther Books-Verlag hat Sara Bellford ihren erotischen Liebesroman aus der BDSM-Welt veröffentlich, die sich rund um Sir Alan Baxter dreht, der Frauen durch Lust, Schmerz und Qual die schönsten Höhepunkte zelebrieren lassen möchte.

Erhältlich für deinen Kindle, als Taschenbuch oder als erotisches SM-Hörbuch - wie auch immer du deinen Lustschmerz am liebsten erleben willst. 

Margaux Navara: Hunters Liste

Eine Literatur-Sammlung, die ich im Lockdown gelesen habe und recht anregend fand, ist die SM-Romanreihe Hunters Liste von Margaux Navara. Um für den Wunsch, einen eigenen BDSM-Club zu eröffnen, die nötige Erfahrung zu erlangen, bekommt unsere Protagonistin Alice von dem Dom Hunter eine Liste mit SM-Praktiken, die sie erleben muss.

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Woher kommt der Begriff Algolagnie?

Lustschmerz kann auch mit dem Begriff Algolagnie betitelt werden. Diese Bezeichnung kam Ende des neunzehnten Jahrhunderts auf und setzt sich aus den griechischen Worten algos für "Schmerz" und lagneia für "Wollust" zusammen und ist ein Synonym für Sadomasochismus. Es bedeutet also, aus dem Empfangen oder Zufügen von Schmerzen, Lust zu erhalten. Somit kann man passive Algolagnie auch mit Masochismus und aktive Algolagnie mit Sadismus übersetzen.

Algolagnie ist auch als Bezeichnung für eine Störung der Sexualpräferenz. Solang du aber Spaß dran hast und alles im einvernehmlichen Rahmen geschieht, brauchst du dich nicht dafür zu schämen, durch Schmerz auch Lust zu erfahren. 

Warum finden Menschen Lustschmerz reizvoll?

Ich versuche hier mal ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Warum macht mich Schmerz an? Das ist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren:

  1. Der sexuelle Rahmen: Wie weiter oben schon erwähnt, erlebe ich keine Höhepunkte, wenn ich mir den Zeh anhaue. Es muss schon im richtigen Setting mit dem richtigen Mindset geschehen.

  2. Der Partner: Ich lasse mir nicht wahllos von jedem oder jeder den Hintern versohlen. Es ist also auch die Verbindung, die man zu der aktiven Person hat sowie das Wissen, dass die eigenen Grenzen respektiert werden, man sich denen aber gern gemeinsam nähert.

  3. Das Vertrauen: Für mich ist eine BDSM-Session immer auch ein riesiges Paket an Vertrauen. Das Vertrauen, das ich in meinen Partner habe, dass er nicht wahllos seine sadistische Ader ausleben will, sondern dass es ihm dabei genauso um meine Lust geht. Meinen Freund macht meine Reaktion auf seine Taten an, nicht die Tatsache, dass er mir Schmerz zufügen kann. Genauso ist es aber auch sein Vertrauen in mich, dass ich ihm meine Grenzen mitteile. 

  4. Der Reiz: Schmerz ist ein intensiver Reiz. Es werden dabei Endorphine und Adrenalin ausgeschüttet. Das kann zu einem regelrechten Lustschmerz-High führen. Außerdem wird laut einer Studie mit dem Schmerzreiz das Lust- und Belohnungszentrum angesprochen.

Für mich sind es also die tiefe Verbundenheit und das High zusammen. Je nach Intensität ist Aftercare nach dem Spiel umso wichtiger. Wasser trinken, etwas kuscheln, vielleicht die gerötete Haut eincremen lassen... All das kann die Intensität der Verbindung noch einmal stärken und beim anschließenden Entspannen helfen. Denn nach dem High kann auch ein Down kommen, das sich mit Achtsamkeit aber gut beheben lässt. 

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