VerhütungPille absetzen: 3 Frauen, 3 Erfahrungen

Die Pille abzusetzen ist ein riesiger Schritt. Die WUNDERWEIB-Redakteurinnen Lisa, Esther und Miriam haben es getan. Das sind ihre unterschiedlichen Erfahrungen.

Inhalt
  1. Lisas Erfahrungen mit dem Absetzen der Pille
  2. Miriams Erfahrungen mit dem Absetzen der Pille
  3. Esthers Erfahrungen mit dem Absetzen der Pille

Sobald man den ersten Sex hat, wird Mädchen sofort die Pille verschrieben. Auf der einen Seite verständlich, denn die Pille ist bei korrekter Einnahme eines der sichersten Verhütungsmittel. Trotzdem ist für viele Frauen irgendwann der Punkt erreicht, an dem sie die Pille absetzen wollen. So wie die WUNDERWEIB-Redakteurinnen Lisa, Esther und Miriam. Das sind ihre unterschiedlichen Erfahrungen.

Drei Frauen berichten von ihren Erfahrungen mit dem Absetzen der Pille.
Die Pille abzusetzen wirkt sich auf Körper und Psyche aus.
Foto: iStock/Rattankun Thongbun
 

Lisas Erfahrungen mit dem Absetzen der Pille

Lisa ist 28 und lebt seit fünf Jahren ohne hormonelle Verhütung.

"Mit 17 Jahren habe ich begonnen die Pille zu nehmen. Ein richtiges Beratungsgespräch hatte ich damals nicht. Mich interessierte aber auch nur, dass mit der vermeidlichen Zaubermedizin meine Regel endlich regelmäßig kam.

Erst später mit Mitte Zwanzig fing ich an darüber nach zu denken, ob die Pille neben meinem geordneten Zyklus auch für ein, zwei andere Dinge verantwortlich sein könnte. Ich war damals mit Vorsicht zu genießen, sehr impulsiv und leicht reizbar: Unkontrollierte Emotionsausbrüche, Heulkrämpfe und dramatische Überreaktionen jeder Art standen an der Tagesordnung. Schwere Neurodermitis-Schübe zerrten ebenfalls an meinen Nerven. Ich erkannte mich kaum noch wieder, konnte mich selbst nicht leiden und war für mein Umfeld unerträglich.

Neujahr 2014 traf ich dann die Entscheidung, die Pille von einem Tag auf den anderen einfach abzusetzen, ohne mich vorher groß zu informieren - was nicht besonders schlau war, denn es folgte ein mehr als chaotisches Jahr: Nach den ersten Monaten kam meine Regel nur noch sehr unregelmäßig, ich hatte starke Schmierblutungen und meine Haut entwickelte ein Eigenleben. Ich fühlte mich schlapp und durchlebte eine emotionale Achterbahnfahrt.

Mein Körper befand sich auf hormonellen Entzug und im Sommer war ich kurz davor wieder zur Pille zu greifen. Doch ich wollte wenigstens ein Jahr durchhalten – also blieb ich dran und wurde belohnt. Im Winter war das Schlimmste überstanden: Mein Zyklus pendelte sich selbstständig ein, die Neurodermitis ging zurück und meine Haut sowie mein Charakter beruhigten sich wieder. Ich fühlte mich endlich wohl und lernte mich selbst erst jetzt wirklich kennen. Seither ist die Pille absolut keine Option mehr für mich."

Pille absetzen: Das sind die Vorteile – und die Nachteile

 

Miriams Erfahrungen mit dem Absetzen der Pille

Miriam ist 37 und lebt seit acht Monaten ohne hormonelle Verhütung.

"Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen hat die Pille bei mir keinerlei Nebenwirkungen ausgelöst, im Gegenteil: Ich hatte kein PMS mehr. Trotzdem habe ich die Pille abgesetzt, da ich bereits 37 Jahre alt bin. Falls ich Kinder kriegen möchte, muss ich die Pille rechtzeitig abgesetzt haben. Schließlich kann es sonst im schlimmsten Fall sehr lange dauern bis ich schwanger werde.

Ich nehme die Pille jetzt seit acht Monaten nicht mehr und muss zugeben, dass sich mein Körper noch nicht ansatzweise wieder einpendelt hat. Zunächst war mein Zyklus normal, aber mittlerweile kann es auch vorkommen, dass ich zwei Wochen auf meine Tage warte. Hinzu kommt, dass ich ohne die Einnahme der Hormone unter schlimmem PMS leide mit Nervosität, Gereiztheit, Depressionen und Schlafstörungen. Psychisch ging es mir mit der Pille also definitiv besser. Ich muss allerdings sagen, dass mein Körper den Hormonentzug relativ gut überwunden hat. Ich litt nur kurz unter Haarausfall und habe keine Hautunreinheiten nach dem Absetzen bekommen.

Ich hoffe, dass sich mein Zyklus bald einpendelt. Und trotz meiner psychischen Beschwerden vor der Periode werde ich die Pille nicht wieder nehmen, da mir mittlerweile bewusst ist, dass es ein heftiges Medikament ist, das ich seit meiner Jugend leichtfertig täglich geschluckt habe."

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Esthers Erfahrungen mit dem Absetzen der Pille

Esther ist 32 und lebt seit fast drei Jahren ohne hormonelle Verhütung.

"Ich habe erst vergleichsweise spät angefangen, die Pille einzunehmen. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ich glaube ich war 23. Der Grund war damals naheliegend: Verhütung. In der ganzen Zeit, in der ich die Pille genommen habe, hatte ich eigentlich ehrlich gesagt gar nicht das Gefühl, unter irgendwelchen Nebenwirkungen des Präparats zu leiden. Der große Aha-Moment kam erst nach dem Absetzen.

Die Entscheidung, die Pille abzusetzen, entstand aus einem Problem: Ich hatte in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen völlig kraft- und energielose Phasen. Konnte ich den einen Tag noch Squats mit 60 kg Gewicht auf den Schultern machen, war es fünf Tage später schon beinahe unmöglich die Muskeln überhaupt stark anzuspannen. Hinzu kam extreme Müdigkeit. Nachdem alle anderen naheliegenden Gründe für dieses Problem ausgeschlossen waren, erwähnte mein Arzt, dass auch die Pille schuld sein könnte… Den Beweis könne nur das Absetzen erbringen.

Also habe ich Anfang 2017 die Pille abgesetzt und was soll ich sagen: Meine abgeschlagenen Phasen gehören der Vergangenheit an. Wenn ich heute müde und kraftlos bin, dann hat das in aller Regel einen Grund. Und nicht nur das: Diese Momente, in denen ich ohne Grund so bodenlos traurig war, dass ich weinen musste und dachte, nichts in der Welt kann mich glücklich machen – sie sind vorbei. Ich hatte bis zu dem Punkt immer angenommen, das würde zu mir und meiner Persönlichkeit gehören… Was hat sich noch verändert? Ich bin nicht nur ein glücklicherer Mensch, ich bin auch ausgeglichener. Früher hat mich die kleinste Kleinigkeit zu Nervenzusammenbrüchen getrieben: Lief einmal etwas nicht so, wie ich es geplant hatte, bedeutete das eine Art Ende der Welt. Heute zucke ich oft mit den Schultern und denke: 'Ok, dann halt anders.'

Ich will ehrlich sein: Ich habe durch das Absetzen der Verhütungshormone auch extreme Akne bekommen. Das ist ätzend – bis heute bin ich nicht wieder zufrieden mit meiner Haut, aber wisst ihr was? Weil ich ansonsten seit dem Absetzen ein glücklicher und optimistischer Mensch bin, denk ich mir oft: 'Sch*** auf schlechte Haut, Hauptsache ich bin ich – glücklich, ohne kraftlose Depri-Phasen und regelmäßige Nervenzusammenbrüche.'"

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