Ovy, Natural Cycles & Co.Verhütungs-Apps: Wie sicher sind sie?

Viele Frauen wünschen sich eine Verhütung ohne Hormone. Wie sicher sind Verhütungs-Apps?
Viele Frauen wünschen sich eine Verhütung ohne Hormone. Wie sicher sind Verhütungs-Apps?
Foto: Wunderweib.de
Inhalt
  1. Wie die Verhütung mit Verhütungs-Apps funktioniert 
  2. Vorteile der Verhütung mit Verhütungs-Apps
  3. Nachteile der Verhütung mit Verhütungs-Apps 
  4. Beispiele für Verhütungs-Apps: Natural Cycles und Ovy
  5. Wie sicher ist die Verhütung mit Verhütungs-Apps?
  6. Fazit zu Verhütungs-Apps

Immer mehr Frauen wollen Verhütung ohne Hormone und setzen auf Verhütungs-Apps wie Natural Cycles und Ovy. Doch wie sicher sind die Verhütungs-Apps?

Verhütungs-Apps wie Natural Cycles, MyNFP, OvyView oder Ovy sind stark im Trend, denn viele Frauen wünschen sich eine natürliche Verhütung ohne Hormone. Was du zu dieser neuen Form der Verhütung wissen musst.

 
 

Wie die Verhütung mit Verhütungs-Apps funktioniert
 

  • Du misst morgens direkt nach dem Aufwachen deine Basaltemperatur. Dazu schiebst du ein Basalthermometer, welches die Temperatur mit zwei Nachkommastellen anzeigt, unter deine Zunge.
     
  • Das Ergebnis gibst du in deine Verhütungs-App ein. Anschließend zeigt dir die App an, ob du heute einen fruchtbaren Tag hast, ob du also schwanger werden kannst oder nicht. Außerdem gibt sie an, wann der Eisprung zu erwarten ist und wann du deine nächste Periode bekommen wirst. Zur Entwicklung einer zuverlässigen Zykluskurve braucht es einige Monate Zeit.
     
  • Diese Zykluskurve kannst du entweder zur Verhütung ohne Hormone nutzen, oder aber du nutzt sie, um deine Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.
     
  • Viele Frauen mit Kinderwunsch nutzen Apps wie Natural Cycles, um herauszufinden, wann ihr nächster Eisprung stattfinden wird, damit sie im entsprechenden Zeitraum Sex haben können.
     
  • Wer nicht schwanger werden möchte, muss an fruchtbaren Tagen zusätzlich zur Verhütungs-App mindestens ein mechanisches und/oder chemisches Verhütungsmittel nutzen, wie etwa ein Kondom oder ein Diaphragma.

Zusätzlich zur Messung der Temperatur kannst du deine Fruchtbarkeit unter anderem an der Konsistenz des Zervixschleims beurteilen. Dabei handelt es sich um das Sekret, das ständig aus der Vagina austritt. Die Konsistenz verändert sich im Laufe des Zyklus – mehr dazu hier: Natürliche Verhütung mit den fruchtbaren Tagen.

 

Vorteile der Verhütung mit Verhütungs-Apps

Verhütung mit Verhütungs-Apps ermöglicht es den Frauen, ein Bewusstsein für ihren Zyklus zu entwickeln. Dieses Wissen können sie gezielt nutzen, um ihren Körper je nach Zyklusphase mit passender Ernährung, Wellness oder Fitness zu unterstützen und sich besser zu fühlen.

Der größte Vorteil der Verhütung mit Verhütungs-Apps ist sicherlich die Vermeidung der Risiken, die andere Verhütungsmittel mit sich bringen, denn der natürliche Hormonhaushalt der Frau bleibt erhalten.

Dem gegenüber steht bei vielen dieser Methoden der große Vorteil einer hohe Verhütungssicherheit bei richtiger Anwendung. Bei Langzeitverhütungsmethoden wie den Spiralen muss die Frau außerdem nicht jeden Tag an die Verhütung denken. Spiralen, Kupferball und Kupferkette werden einmal in die Gebärmutter eingesetzt und bieten dann über viele Jahre die hohe Verhütungssicherheit.

 

Nachteile der Verhütung mit Verhütungs-Apps
 

  • Verhütung mit Verhütungs-Apps oder auch Verhütungscomputern, die vorwiegend auf der täglichen Messung der Körpertemperatur basieren, erfordern ein großes Maß an Disziplin und Gewissenhaftigkeit. Für Frauen, die eine tägliche Messung zur gleichen Zeit nicht garantieren können, etwa wegen einer reisenden Tätigkeit, ist diese Verhütungsmethode also nicht geeignet.
     
  • Frauen, die mit diesen Methoden verhüten möchten, müssen ihren Körper sehr gut kennen und beobachten. Das bedeutet auch täglich einen gewissen Zeitaufwand.
     
  • Die Spontaneität des Liebeslebens wird eingeschränkt. An fruchtbaren Tagen ist Sex tabu – es sei denn, man greift zusätzlich auf ein mechanisches und ein chemisches Verhütungsmittel zurück.
     
  • Auch für Frauen mit unregelmäßigen Zyklen, beispielsweise durch Einnahme bestimmter Medikamente, Chemotherapie oder bei jugendlichen Frauen ist die Verhütung mit Verhütungs-Apps ebenfalls nicht geeignet.
     
  • Zusätzliche Faktoren wie Stress, Krankheit, Alkohol oder zu wenig Schlaf können die Basaltemperatur derart stark beeinflussen, dass keine zuverlässige Aussage zur Fruchtbarkeit mehr möglich ist.
     
  • Verhütungs-Apps bieten keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, wie etwa HIV.
 

Beispiele für Verhütungs-Apps: Natural Cycles und Ovy

An dieser Stelle möchten wir euch beispielhaft zwei der Verhütungs-Apps vorstellen, die aktuell am Markt sind.

Verhütungs-App Natural Cycles

Die Verhütungs-App Natural Cycles (naturalcycles.com) ist ein zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIb. Damit befindet sich Natural Cycles in derselben Medizinprodukt- und Risikokategorie wie ein Kondom. Natural Cycles ist bis jetzt weltweit die einzige Zyklus-App in dieser Risikoklasse.

Ganz klassisch basiert die Zykluskurve der App auf täglicher Temperaturmessung. Nach Eingabe der Daten vom Basalthermometer zeigt die App an, ob du einen fruchtbaren Tag hast.

Die zertifzierte Verhütungs-App Natural Cycles wurde von einem Unternehmen aus der Schweiz entwickelt.
Die zertifzierte Verhütungs-App Natural Cycles wurde von einem Unternehmen aus der Schweiz entwickelt.
Foto: Natural Cycles

Die Idee zu Natural Cycles entstand, als die Gründer - Elina und Raoul - auf der Suche nach einer wirksamen Methode zur natürlichen Verhütung waren. Dies führte sie von der Physik direkt auf das Gebiet der Gesundheitstechnologie für Frauen. Das Unternehmen, das ursprünglich in der Schweiz gegründet wurde, hat seinen Hauptsitz mittlerweile im schwedischen Stockholm.

Kosten: Das Monatsabo kostet 8,99 Euro pro Monat, kein Thermometer inbegriffen. Das Jahresabo kostet 5,40 Euro monatlich, Thermometer inbegriffen (65 Euro jährlich).

Zyklus-Health-App Ovy                

Die Zyklus-App Ovy (ovyapp.com), die kürzlich von den Hamburgerinnen Eva Wüller und Lina Wüller auf den Markt gebracht wurde, ermöglicht es Frauen ebenfalls ihren Zyklus zu verfolgen und zu verstehen. Ein Algorithmus in der App berechnet anhand der Aufwachtemperatur und anderer Körpersignalen wie Ausfluss, Periode und Energielevel die fruchtbaren Tage.

Die Zyklus-App Ovy ist aktuell noch nicht als Verhütungsmittel zertifiziert, allerdings ist langfristig die Zertifizierung geplant. Bei der App und der Hardware handelt es sich bereits um zertifzierte Medizinprodukte.

Zyklus-Apps wie Ovy und Natural Cycles unterstützen Frauen bei der natürlichen Verhütung ohne Hormone.
Zyklus-Apps wie Ovy und Natural Cycles unterstützen Frauen bei der natürlichen Verhütung ohne Hormone. Dieses Foto entstand beim Launch der App Ovy in Hamburg. Im Vordergrund ist das Thermometer zu sehen, mit dem die Frauen ihre Basaltemperatur messen können.
Foto: Wunderweib.de

Für die beiden Ovy Gründerinnen stand vor ein paar Jahren fest, dass die tägliche Einnahme von Hormonen keine dauerhafte Option für sie ist. Zu hoch erschienen die möglichen Nebenwirkungen und Risiken wie Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Thrombosen oder Embolien. Als Lina, eine der beiden Ovy-Gründerinnen, sich vor zwei Jahren bei einer Gynäkologin über alternative Verhütungsmittel informierte, wurde ihr geraten, ihren Zyklus anhand der Temperaturmethode zu verfolgen. Die Dokumentation mit "Zettel und Stift" erwies sich allerdings als sehr fehleranfällig. Mit Ovy wollen Lina und ihre Schwester Eva dieses Problem lösen, indem sie Zyklus-App und Thermometer miteinander verbinden und den gesamten Prozess der natürlichen Zyklusverfolgung digitalisieren.

Die Hamburgerinnen Eva Wüller und Lina Wüller haben die Zyklus-App Ovy entwickelt, weil sie ihrem Körper nicht dauerhaft Hormone zuführen wollten.
Die Hamburgerinnen Eva Wüller und Lina Wüller haben die Zyklus-App Ovy entwickelt, weil sie ihrem Körper nicht dauerhaft Hormone zuführen wollten.
Foto: Ovy

Was die App Ovy besonders auszeichnet, ist der ergänzende Health Coach: Passend zur jeweiligen Zyklusphase gibt die App Tipps zu Ernährung, Fitness und Wellness, damit die Frauen ihren Körper optimal dabei unterstützen können, die Herausforderungen des Alltags zu meistern und sich dabei gut zu fühlen.

Die Entwickler der Zyklus-App Ovy erläutern: „In den ers­ten zwei Zyklusphasen sind Frauen allgemein aktiver, leis­tungsstärker und motivierter (Eisprungphase). In der dritten und vierten Zyklusphase nach dem Eisprung generell passiver und weniger leistungsstark (Menstruationsphase). Ovy erkennt Muster im Zyklus der Nutzerin. Basierend auf der aktuellen Phase liefert der Health Coach individuellen Content in Bezug auf Ernährung und Fitness und verbes­sert die reproduktive Gesundheit der Nutzerin. Frauen mit Kinderwunsch können dadurch ihre Fruchtbarkeit erhöhen. Frauen, die natürlich verhüten, fühlen sich ausgegliche­ner und besser - etwa vor der nächsten Periode.“

Derzeit kann die App mit einem handelsüblichen Basalthermometer genutzt werden. Ab Ende 2017 soll es passend zur App ein Bluetooth-Thermometer geben, das die ge­messene Aufwachtemperatur automatisch an die Ovy App überträgt. Das Eintippen per Hand entfällt damit.

Kosten: Die App ist aktuell kostenfrei in den App-Store erhältlich. Ein passendes Basalthermometer wird für 14,90 Euro angeboten. Für die Zukunft sind kostenpflichtige Angebote im Health Coach-Bereich angedacht, auch das Bluetooth-Thermometer wird kostenpflichtig sein.

 

Wie sicher ist die Verhütung mit Verhütungs-Apps?

Wie sicher eine Verhütungsmethode ist, sehen wir am jeweiligen Pearl Index. Der Pearl Index gibt die Zahl der Schwangerschaften an, die laut Statistik eintreten können, wenn 100 Frauen bzw. 100 Paare ein Jahr lang ein bestimmtes Verhütungsmittel anwenden.

Der Pearl-Index des Kondoms beträgt beispielweise bis zu 12. Das heißt, es werden bis zu 12 von 100 Frauen im Verlauf eines Jahres trotz der Anwendung eines Kondoms schwanger.

Verhaltensunabhängige Verhütungsmethoden wie die Hormonspiralen oder Hormonimplantate weisen einen Pearl-Index unter 1 auf, das heißt, dass nicht einmal 1 von 100 Frauen in einem Jahr Anwendung schwanger wird.

Anwenderinnen von Verhütungs-Apps arbeiten mit der Temperaturmethode. Der Pearl-Index der Temperaturmethode liegt je nachdem, wie regelmäßig und gewissenhaft die Anwendung durchgeführt wird, zwischen 0,4 bis 24 (Trussell J. Contraception 2011;83(5):397-404).

Größtes Manko dieser Verhütungsmethode: es kommt häufig zu Anwendungsfehlern. Darum empfiehlt sich die Verhütung mit der Temperaturmethode eher für Frauen, für die eine Schwangerschaft kein Drama wäre.

Die Entwickler der Verhütungs-App Natural Cycles erklären zur Sicherheit der Verhütungsmethode:

Die erste über Natural Cycles durchgeführte Studie ergab, dass der Algorithmus von Natural Cycles den Eisprung mit einer Genauigkeit erkennt, die mit klinischen Methoden wie Ultraschall vergleichbar ist. [...] Es wurde gezeigt, dass innerhalb eines Jahres 7 von 100 Frauen, die Natural Cycles verwendeten, schwanger wurden (entspricht einem Wert von 7,0 als Pearl-Index bei typischer Anwendung). Nur 5 von 1000 Frauen wurden jedoch innerhalb eines Jahres deswegen schwanger, weil der Algorithmus fälschlicherweise einen grünen Tag zugewiesen hatte (entspricht einer Methoden-Fehlerquote von 0,5). Diese Studie wurde mit mehr als 4000 Frauen durchgeführt, die die Anwendung im echten Leben verwendeten.“

 

Fazit zu Verhütungs-Apps

Egal, ob du auf natürliche Weise verhüten möchtest, oder ob du einen Kinderwunsch hast und darum deinen Zyklus besser kennenlernen möchtest – dich mit deinem Körper und seinen hormonellen Abläufen vertraut zu machen, schenkt dir wertvolles Wissen, das dir dabei helfen kann, deinen Körper und seine Bedürfnisse viel besser zu verstehen. Die Entwicklung der Verhütungs-Apps ist also eine sehr gute Sache und ein wichtiger Schritt zur selbstbestimmten Gestaltung unseres Lebens.

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